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Mysteriöses Sterben von Wasservögeln am Ökosee hält an: Behörden suchen weiterhin nach Ursachen

Mittlerweile über 80 tote Tiere : Mysteriöses Vogelsterben am Ökosee geht weiter

Seit September werden immer wieder tote Wasservögel am Ökosee in Dillingen gefunden. Das Vorgehen der saarländischen Behörden verärgert jedoch die Naturschützer vor Ort, die sich nun an den Bund wenden.

Nach den Ursachen wird weiterhin geforscht. Klar ist dagegen schon jetzt: Das ungewöhnliche Vogelsterben bei Dillingen ist noch nicht vorbei. Auch zwei Monate später werden immer noch tote Wasservögel im Bereich des Ökosees nahe der Saar gefunden. Eine Entwicklung die mittlerweile auch den saarländischen Landesverband des Nabu beunruhigt. Demnach stieg die Zahl der verendeten Tiere seit Anfang September mittlerweile auf mindestens 80. Unter ihnen auch solche Arten, die vom Aussterben bedroht sind.

Bisher seien aber keine Vögel betroffen, die sich von Fischen ernähren. Das Geschehen werde „intensiv von den zuständigen Behörden kontrolliert“, erklärt der Nabu. Sobald weitere Erkenntnisse vorliegen, würden die Experten des Nabu und der Behörden gemeinsame Lösungen erarbeiten. Für die Nabu-Landesvorsitzende Julia Michely steht bereits jetzt schon fest: „Eine Bejagung von Wasservögeln in Vogelschutz-, beziehungsweise Natura-2000-Gebieten kommt für den Nabu nicht in Frage. Dagegen haben wir lange gekämpft.“ Zuletzt waren entsprechende Vorschläge laut geworden, nachdem vor allem Zugvögel und deren Ausscheidungen als mögliche Krankheitsüberträger und Auslöser des Vogelsterbens am Ökosee in den Fokus gerückt waren.

Ausmaß des Vogelsterbens laut Umweltministerium „nicht besorgniserregend“

Im saarländischen Umweltministerium will man die jetzige Situation dennoch nicht überbewerten. Im Vergleich zu anderen Vogelsterben sei das Ausmaß am Ökosee „nicht besorgniserregend“, wie es auf Nachfrage unserer Zeitung heißt. Zudem würden solche Situationen in Mitteleuropa immer wieder vorkommen und seien „eine Form der Selbstregulierung“.

Neueste Wasserproben, die beim in der Sache ebenfalls involvierten Landesamts für Umwelt und Arbeitsschutz (Lua) untersucht worden, hätten zwar auf eine leichte Eutrophierung hingewiesen, ansonsten aber ebenfalls „keine Auffälligkeiten“ ergeben, heißt es.

Winter soll Situation entschärfen

Christoph Braunberger, Mitarbeiter im Lua und zugleich einer der führenden Vogelexperten im Saarland und beim Nabu, sieht die Sachlage ähnlich: „Wenn man die Situation am Ökosee einordnet, ist das eher ein ‚kleineres’ Vogelsterben, wie es auch regelmäßig in ganz Deutschland an vielen verschiedenen Gewässern leider immer wieder auftritt“, erklärt Braunberger im SZ-Gespräch. Seiner Einschätzung nach dürfte sich die Situation am Ökosee in den Wintermonaten mit dem Ende des Vogelzuges zudem wieder deutlich beruhigen.

Dass sich im kommenden Jahr ein ähnliches Vogelsterben am Ökosee wiederholen könnte, will der Lua-Mitarbeiter allerdings nicht komplett ausschließen.

Naturschützer vor Ort bitten Bundesanstalt für Gewässerkunde um Hilfe

Diese Sorge haben auch die Nabu-Ortsgruppe Saarlouis/Dillingen und ihr Leiter Ulrich Leyhe, der den saarländischen Behörden eine fehlende Zusammenarbeit mit den Naturschützern vor Ort vorwirft. Im Gegensatz zum Lua wolle man „alle Möglichkeiten ausschöpfen“ und nicht warten, „bis uns das Desaster möglicherweise 2022 wieder ins Haus steht“, heißt es in einem Beitrag der Nabu-Ortsgruppe auf Facebook. Aus diesem Grund sei auch die Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz um Hilfe bei der Lösungssuche gebeten worden.

Stadt Dillingen bietet Hilfe an

Auf ein endgültiges Ende des Vogelsterbens am Ökosee hoffen aber nicht nur die Naturschützer, sondern auch die Stadt Dillingen. „Der See, als Vogelschutzgebiet von sehr hoher Bedeutung, hat natürlich auch für die Stadt im Bereich Naherholung eine große Strahlkraft. Wir hoffen, dass der Nabu und die Umweltbehörden schnellstmöglich die Ursachen herausfinden und auch bekämpfen können“, heißt es aus dem Dillinger Rathaus.

Zu diesem Zweck habe die Stadtverwaltung auch bereits Kontakt mit allen Beteiligten aufgenommen, um „über mögliche Maßnahmen zur Bekämpfung des Vogelsterbens zu reden und auch im Rahmen unserer Möglichkeiten daran mitzuwirken“.

Der Nabu Saarland bittet die Bevölkerung, den Fund toter Wasservögel umgehend mit genauer Ortsangabe an die E-Mail-Adresse julia.michely@NABU-saar.de zu melden.