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Plattform Mobilität: Kritik an Verkehrspolitik der Stadt Dillingen

Das sagt der Bürgermeister : Neue Parkflächen in Dillingen sorgen für Ärger – nicht nur bei Rollstuhlfahrern

In Dillingen lässt die Stadtverwaltung Parkflächen erneuern. Doch diese sind jetzt auch breiter als vorher, was vor allem Rollstuhlfahrer ärgert. Was die Behindertenbeauftragte der Stadt sagt – und was der Bürgermeister.

Als Jürgen Henseler weiter fahren will, wird es dann auf einmal doch recht eng. Nur wenige Zentimeter trennen den Rollstuhlfahrer von dem parkenden blauen Auto auf der einen und dem grauen Stromkasten auf der anderen Seite des Fußweges. Durch kommt er trotzdem, wenn auch nur mit viel Fingerspitzengefühl. Eine Situation, in der sich Menschen wie Henseler mittlerweile an mehreren Stellen in der Friedrich-Ebert-Straße und Göbenstraße in Dillingen wiederfinden, seitdem die Stadtverwaltung hier vor kurzem die Parkplatzmarkierungen erneuern und gleichzeitig verbreitern lassen hat. Eine Maßnahme, die zu Unverständnis bei mehreren Anwohnern führt.

„Ich hätte mich gefreut, wenn wir Anwohner vorher gefragt worden wären“, kritisiert etwa Artur Sonntag. Stattdessen habe er nur einen Brief erhalten, in dem die Maßnahme angekündigt wurde. Und den habe wohl nicht einmal jeder Anwohner erhalten, ergänzt Jürgen Henseler, der ebenfalls an der viel befahrenen Straße wohnt. Auch würden radfahrende Kinder viel zu wenig berücksichtig. „Was ist mit den Kindern, die auf dem Bürgersteig fahren müssen?“, fragt Sonntag. Bis zu einem Alter von zehn Jahren dürfen Kinder auf dem Rad den Gehweg nutzen, sind sie jünger als neun Jahre, sind sie gesetzlich sogar dazu verpflichtet. Ein weiterer Kritikpunkt: Die Stadt würde viel zu wenig kontrollieren, wenn Autofahrer hier falsch parken oder Mülltonnen zu lange auf den Bürgersteig stehen. Bürgermeister Franz-Josef-Berg verweist auf Anfrage unserer Zeitung darauf, dass die Ortspolizeibehörde zwar den Auftrag hat, auch den ruhenden Verkehr in der Stadt zu kontrollieren. Gleichzeitig könne man „nicht immer vor Ort sein“.

Plattform Mobilität: Platz für SUVs auf Kosten von Fußgängern

Kritik an den neuen Parkflächen in der Friedrich-Ebert-Straße gibt es auch von Seiten der Plattform Mobilität. In Dillingen würde der Platz für Fußgänger reduziert, „um den SUV-Haltern mehr Parkraum für ihre Autos zu schaffen“, heißt es in einem Beitrag der Plattform auf Facebook. Die Maßnahme würde „allen Regeln der Fußwegplanung ung Fußweggestaltung“ widersprechen. Gleichzeitig verweist die Plattform Mobilität auf eine Regelung der Bundesregierung, wonach neue Gehwege grundsätzlich mit einer Breite von 2,50 Meter geplant werden sollen. Die Bürgersteige in der Friedrich-Ebert-Straße seien dagegen jetzt nur noch 1,20 Meter breit. An Stellen, wo Schildermasten, Stomkästen und andere Hindernisse stehen, sogar darunter. Kinder, Rollstuhlfahrer und Menschen mit Kinderwagen oder Rollatoren würden „daran behindert, die ökologischste Art der Mobilität durchzuführen“. Radfahrende Kinder würden völlig außer Acht gelassen. „In Zeiten der notwendigen Verkehrswende kann dies nicht der richtige Weg sein“, erklärt Winfried Hoffmann, stellvertretender Vorsitzender der Plattform Mobiliät. Hoffmann war früher selbst Behindertenbeauftragter in der Stadt Dillingen.

Bürgermeister Franz-Josef Berg verteidigt dagegen die veränderten Parkplatzflächen in der Friedrich-Ebert-Straße. Die Maßnahme sei zuvor „intensiv im Stadtrat diskutiert“ worden und in enger Absprache mit Seniorenbeirat sowie der Behindertenbeauftragen erfolgt. Die alten Parkstreifen seien so stark verblasst gewesen, dass Autofahrer mit ihren Wagen oft bis an die Grundstücksgrenzen geparkt hätten, sodass hier für Fußgänger überhaupt kein Durchkommen mehr gewesen wäre. „Die Neumarkierungen haben wir gerade deswegen gemacht, um für Fußgänger und Rollstuhlfahrer den Platz freizuhalten“, erklärt Berg. Dass die neuen Parkflächen nun breiter sind, liege an einer veränderten Bundesvorgabe, die die Stadt Dillingen umzusetzen habe. Zudem könne sich die Stadt auch nur an den „baulichen Gegebenheiten orientieren“. Die gefundene Lösung sei daher ein „gesunder Mittelweg“.

Behindertenbeauftragte sieht keine Probleme für Rollstuhlfahrer

Dieser Ansicht ist auch Ivonne Hellenbrand, eine der jetzigen drei Behindertenbeauftragten der Stadt Dillingen. Sie selbst sei mit ihrem Rollstuhl in der Friedrich-Eberst-Straße vor Ort gewesen und habe sich auch alle Engstellen angeschaut: „Dort kommt man mit dem Rollstuhl noch überall durch.“ Die Straße sei zudem keine klassische „Gehstrecke“. Deswegen sehe sie auch kein Problem darin, dass Rollstuhlfahrer an diesen Stellen kurz warten müssten, falls in diesem Moment doch einmal Gegenverkehr herrsche. „Mir ist es wichtig Lösungen zu finden, die für alle Bürger passen und nicht nur für eine bestimmte Bürgergruppe“, betont Hellenbrand. Im Fall der Friedrich-Ebert-Straße sei eine Lösung gefunden worden, „die für alle gangbar ist“.