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Rallye: Max Reiter aus Diefflen gibt mächtig Gas

Rallye : Fast so gnadenlos wie der Papa

Rallye-Fahrer Max Reiter aus Diefflen hat ein Ziel: Saarlandmeister werden – wie sein Vater. Oder besser noch: deutscher Meister. Dabei fährt er voll auf ein Elektroauto ab.

Den Junior-Titel in der Saarländischen Rallye-Meisterschaft hat Max Reiter aus Diefflen bereits gewonnen – im Jahr 2018. Irgendwann, daraus macht der 21-Jährige keinen Hehl, möchte er nun in die Fußstapfen seines Vaters Frank treten – und den „richtigen“ Saarlandmeister-Titel erneut in die Familie holen. 2012 hatte der Papa das geschafft. „Das ist perspektivisch durchaus eines meiner Ziele“, sagt Reiter junior. In dieser Saison hat er sich nach drei von acht Terminen vorerst auf Rang sieben der Gesamtwertung eingereiht. Ende Juli fuhr er bei der 32. ADAC Rallye Zerf im Peugeot 208 R2 zusammen mit Beifahrerin Lina Meter auf den zehnten Gesamtrang. Am kommenden Wochenende findet der vierte Saisonlauf bei der Rallye „Kohle & Stahl“ rund um Türkismühle statt.

Seinen letzten Start absolvierte Reiter Ende August in Tschechien im Rahmen der Rallye-EM bei der „Barum Czech Rally“ – allerdings nicht in einem Auto mit Verbrennungsmotor, sondern als einer von 13 Teilnehmern im neuen Opel-E-Rallye-Cup. In der weltweit ersten Markenserie für ein Rallye-Auto mit Elektromotor hatte Reiter beim zweiten Saisonlauf in Schleswig-Holstein, der Holsten-Rallye, bereits den vierten Gesamtrang und war damit bester deutscher Starter.

In Tschechien setzte er dann noch einen drauf: Nach elf anspruchsvollen Asphalt-Wertungsprüfungen über 128,47 Kilometer belegten er und Co-Pilotin Lina Meter den dritten Gesamtrang – nur geschlagen vom bis dato dominanten Franzosen Laurent Pellier und dem niederländischen Routinier Timo van der Marel.

Zuvor hatte Reiter seinen Corsa-e Rally schon bei der Weltpremiere der Serie im Juni bei der Rallye Stemweder Berg auf Platz drei hinter Pellier und dem Österreicher Luca Waldherr gesteuert. „Damit konnten wir beim Debüt sehr zufrieden sein. Zumal wir das beste deutsche Duo waren“, sagt Reiter stolz.

Die Unterschiede zum „normalen“ Rallye-Auto? „Es ist schon eine ganz andere Fahrerei als mit einem Verbrenner“, sagt der 21-Jährige. „Man muss sich durchaus erst an das Auto gewöhnen. Gerade auf den Verbindungsstrecken zwischen den Prüfungen muss man sehr energieschonend fahren.“

Denn die Laufleistung mit aufgeladenen Batterien ist gegenüber dem Verbrenner doch deutlich begrenzt: „Nach etwa 100 Kilometern muss man laden“, berichtet Reiter. Und auch das ist natürlich aufwendiger. „Ein Ladevorgang dauert 45 Minuten. Mal grad fünf Minuten Volltanken ist also nicht.“

Bei der Premiere des weltweit ersten elektrischen Rallye-Markenpokals waren im Juni auch nur acht Wertungsprüfungen zu fahren, während die Verbrenner zwölf absolvierten. „Opel wollte da kein Risiko eingehen. Das wäre ja eine schöne Blamage gewesen, wenn die Autos plötzlich stehengeblieben wären“, weiß Reiter.

Die generelle Kritik, die den neuen Rennserien mit Elektroautos von vielen Motorsport-Fans entgegengebracht wird, kann Reiter nicht ganz nachvollziehen. „Ich bekomme das natürlich mit. Es gibt viele Leute, die das kategorisch ablehnen. Allerdings ist es so, dass wir auch mit der Zeit gehen müssen und das daher positiv sehen sollten. Da wird die Umstellung auf die Elektroschiene erfolgen. Und dann müssen Rennsportler eben auch diesen Weg mitgehen. Ich sage mir: Lieber mit dem Strom fahren – und nicht schon jetzt alles verfluchen“, erläutert Reiter.

 Max Reiter (rechts) mit Co-Pilotin Lina Meter
Max Reiter (rechts) mit Co-Pilotin Lina Meter Foto: Reiter

Nachdem in der Vorsaison die Corona-Situation fast überhaupt keine Rennen zuließ, ist Reiter aktuell nur umso motivierter und möchte so oft wie möglich im Cockpit sitzen. Am Samstag geht rund um Türkismühle die 33. Auflage der Rallye „Kohle & Stahl“ über die Bühne. Dann gibt Reiter wieder im Peugeot 208 Vollgas – und hofft auf das nächste gute Ergebnis auf dem Weg zu seinem großen Traum für die Zukunft: „Mein allergrößtes Ziel ist es, irgendwann deutscher Rallye-Meister zu werden“, bekräftigt Reiter. Dann hätte er seinen Vater, der zu Aktiven-Zeiten „der Gnadenlose“ getauft wurde, sogar locker überholt. „Aber erst mal fangen wir mit kleineren Brötchen an“, sagt Reiter – wobei seine Leistungen angesichts seines noch jungen Alters bereits jetzt gnadenlos gut daherkommen.