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Saarland: Busfahrer lässt Schüler am ersten Schultag einfach stehen

Beschwerdeschreiben an die KVS : Ausgerechnet am ersten Schultag: Busfahrer lässt Schüler einfach stehen

Das passierte auch nicht zum ersten Mal. Jetzt hat sich eine Mutter aus Ensdorf bei den Kreisverkehrsbetrieben Saarlouis beschwert – und aus ihrer Sicht unbefriedigende Antworten erhalten.

Christina M. (vollständiger Name ist der Redaktion bekannt) ist hörbar aufgebracht, als sie am Telefon schildert, was ihrer Tochter am ersten Schultag passiert ist. Um pünktlich zum Schulbeginn um 9 Uhr in Saarlouis zu sein, wollte diese wie gehabt den Bus in der Ensdorfer Provinzialstraße um 8.15 Uhr nutzen. Doch das Fahrzeug des Kreisverkehrsbetriebes Saarlouis (KVS) ließ zunächst auf sich Warten. Als mehrere Minuten später der Bus schließlich kam, sei dieser derart überfüllt gewesen, dass niemand mehr hätte einsteigen können. Der Busfahrer sei daher einfach an der Haltestelle in Ensdorf weitergefahren, ohne anzuhalten. Das Resultat: Die Tochter von Christina M. sowie sieben weitere Kinder standen nun ohne Bus in Richtung Schule da.

Schüler dicht an dicht im Bus

Eine Situation, in der sich ihre Tochter nicht zum ersten Mal befand, wie die Mutter aus Ensdorf berichtet. Bereits vor einem Jahr hätte sich eine nahezu identische Situation abgespielt. Auch damals sei der Bus völlig überfüllt gewesen und habe ihre Tochter an der Haltestelle stehen lassen. Und genau wie damals habe ihr Mann einen wichtigen Geschäftstermin verschieben müssen, um seine Tochter noch rechtzeitig zur Schule zu bringen. „Wer zahlt uns zum wiederholten Male den Verdienstausfall, das Benzingeld? Und warum fährt ein Busfahrer kommentarlos an mindestens sieben Schülern an dieser Bushaltestelle vorbei?“, schreibt Christina M. in ihrem Beschwerdeschreiben an die KVS, der auch unserer Redaktion vorliegt.

Vor allem, dass die Busse so überfüllt sind, macht der Ensdorferin Sorgen. „Wir sind immer noch, seit mehr als 1,5 Jahren, in einer Pandemie“, kritisiert M. Sie selbst habe den Bus noch mehrere Minuten zuvor auf ihren Weg zur Arbeit in Bous gesehen. Bereits dort sei dieser so überfüllt gewesen, „dass die Schüler sich bis an die Tür drängten“, erzählt sie im Telefonat mit unserer Zeitung. Von Abstand halten wegen Corona könne da keine Rede mehr sein.

KVS bedauert Vorfall

KVS-Unternehmenssprecherin Silvia Paulus bedauerte auf Anfrage den Vorfall: „Der Fahrer hat in dieser Situation nicht optimal reagiert.“ Zudem sei die Fahrdienstleitung zu spät über die hohe Auslastung informiert worden, sodass zeitnah keine Reserve nach Ensdorf beordert werden konnte. Normalerweise seien die Fahrer in so einem Fall dazu angehalten, zumindest anzuhalten und die Wartenden darauf hinzuweisen, dass der Bus überfüllt sei, erklärt Paulus.

Generell sei der Schulbeginn nach den Sommerferien für die Verkehrsunternehmen schwierig zu planen, da am ersten Tag noch kein regulärer Schulbetrieb stattfinde. Die einzelnen Schulen würden diesen Tag zudem sehr unterschiedlich organisieren. An vielen Lehreinrichtungen beginne der Unterricht bereits gegen 7.45 Uhr, weswegen man in diesem Zeitraum neben den normalen Buslinien auch alle Schulbuslinien im Einsatz habe. „Auf ungewohnt hohe Besetzungszahlen außerhalb dieses Zeitraums können wir nur individuell reagieren“, erklärt Paulus. Zu diesem Zwecke halte das Unternehmen zwar Fahrer wie auch Fahrzeuge vor. Mangels rechtzeitiger Information habe dies im Fall von Christina M.s Tochter allerdings nicht passieren können.

24 Verstärkerbusse seit Dienstag zusätzlich im Einsatz

Die Planungsunsicherheit sei laut Paulus auch der Grund, warum die sogenannten Corona-Verstärkerbusse – durch die die Abstände in den Fahrzeugen während der Stoßzeiten im Schulverkehr besser gewahrt bleiben können – erst seit dem gestrigen zweiten Schultag wieder im Einsatz sind. Insgesamt 24 solcher Busse seien momentan dafür vorgesehen, erklärt Paulus. Dreizehn vormittags zum Unterrichtsbeginn und elf nach Schulschluss. Alle Schüler, die über eine gültige Zeitkarte verfügen könnten diese zusätzlich zu den 400er- und 900er-Buslinien nutzen. Doch auch hier könne es dazu kommen, dass einigen Stellen „nachjustiert“ werden müsse, „da sich unter Umständen Schülerströme gegenüber dem letzten Schuljahr verlagert haben“, wie Paulus in einer Antwort auf die Beschwerde von Christina M. schreibt.

Diese zeigt sich mit der Antwort der KVS nur bedingt zufrieden. „Die Beginnzeiten der Schulen sind seit Jahren unverändert, das müssten die Verkehrsbetriebe wissen“, schreibt Christina M. Berufstätige Eltern seien darauf angwiesen, dass sie sich „auf einen pünktlichen und vor allem Corona-sicheren Transport verlassen“ können. Entäuscht zeigt sich die Mutter auch von der Landesregierung, die ihrer Ansicht nach zu wenig für den Schutz der Kinder in dieser Sache unternehme. „Dann kann man sich die ganzen Corona-Maßnahmen innerhalb der Schule auch sparen, wenn die Busfahrt schon unter solchen Bedingungen läuft!“