1. Saarland
  2. Saarlouis

Heiligmorgen in Saarlouis: Viele Wirte der Altstadt erwägen Schließung

Maßnahmen sorgen für Unverständnis : Heiligmorgen in Saarlouis: Viele Wirte in der Altstadt erwägen Schließung

Masken in der gesamten Altstadt, Alkoholverbot im öffentlichen Raum: Viele Gastwirte der Altstadt Saarlouis überlegen, am Heiligmorgen ganz zu schließen – und üben Kritik an den von der Stadt vorgegebenen Regeln.

Im vergangenen Jahr fiel der Heiligmorgen in der Altstadt aufgrund des Lockdowns komplett flach. In diesem Jahr sieht es anders aus, wenn auch nicht wirklich besser. Für die Gastronomen der Saarlouiser Altstadt ist die „spontane“ Zusammenkunft in der Altstadt am Morgen des Heiligabends einer der Umsatz stärksten Tage – wenn nicht der Umsatz stärkste Tag – im Jahr. Das wird in diesem Jahr schwer: Per Schreiben hat die Stadtverwaltung Ende vergangener Woche die Gastronomen über die an diesem Tag geltenden Regeln informiert (die SZ berichtete).

Alles unter Vorbehalt, dass sich die Lage nicht weiter verschlimmert. In einer dazu passenden Pressemitteilung schreibt die Stadt: „Mit einer Allgemeinverfügung erlässt die Kreisstadt Saarlouis ein Alkoholverbot und eine Maskenpflicht für den öffentlichen Raum in der Saarlouiser Altstadt. Theken und Stände werden nicht zugelassen. Damit wird es pandemiebedingt keinen Heiligmorgen geben, wie man ihn kennt. Gaststättenbetreiber können eigenverantwortlich entscheiden, ob sie im ‚Normalbetrieb‘ öffnen wollen.“

Außerdem gilt an diesem Tag ein Glasverbot in der Altstadt. Ebenfalls weg fällt die – seit einigen Jahren übliche – Eingangskontrolle in die Altstadt zum Heiligmorgen. Bis dato hatte ein Sicherheitsdienst Rucksäcke auf selbst mitgebrachte Getränke kontrolliert, das fällt in diesem Jahr ebenfalls weg (die SZ berichtete).

 Alex Kuhn zapft im Ravens. Allerdings hat er derzeit, wie viele seiner Kolleginnen und Kollegen in der Gastronomie, nicht wirklich viel zu tun.
Alex Kuhn zapft im Ravens. Allerdings hat er derzeit, wie viele seiner Kolleginnen und Kollegen in der Gastronomie, nicht wirklich viel zu tun. Foto: Jörg Laux

Eine Maßnahme, die bei den Gastwirten Kopfschütteln auslöst. Hätte man doch im Rahmen der Eingangskontrolle eine 2G-Plus-Regel installieren können, ähnlich dem Saarlouiser Weihnachtsmarkt.

Stattdessen gelten für die Kneipen und Gastrobetriebe dieselben Bedingungen, die das Land aktuell grundsätzlich für deren Betrieb gesetzlich festgelegt hat: Die Gaststätten dürfen öffnen, sind aber an die Einhaltung der entsprechenden Corona-Regelungen gebunden (2G-Plus im Innenbereich, 2G im Außenbereich), heißt es seitens der Stadt. Und weiter: „Entsprechende Kontrollen der Impf- und Testnachweise müssen hier wie zu den regulären Öffnungszeiten durch die Gaststättenbetreiber erfolgen. Nur auf von Gaststättenbetreibern fest zugewiesenen Plätzen darf Alkohol konsumiert werden. Sondergenehmigungen für zusätzliche Theken oder Stände im Außenbereich erteilt die Kreisstadt nicht. Der Konsum der Getränke wäre für Kunden im öffentlichen Verkehrsraum ohnehin nicht möglich.“

„Unter diesen Umständen werde ich an Heiligmorgen nicht öffnen können“, sagt Michael Leinenbach vom Blackout. „Das ist einfach nicht zu stemmen“, sagt er. Und er ist nicht alleine. Voraussichtlich das Ravens wird am Heiligmorgen geschlossen bleiben. Der 7. Himmel wird zwar – gemäß einer alten Tradition, dass mindestens eine Kneipe pro Ort an Heiligabend geöffnet hat – am 24. Dezember abends öffnen, teilt Wirtin Silvia Nied mit. Am Heiligmorgen bleibt aber auch der 7. Himmel geschlossen. Der Grund: Die Auflagen der Stadt ließen einen kontrollierbaren Betrieb nicht zu. Zu Beginn der Woche stand für den Humpen und das OZ in der Bierstraße noch nicht fest, ob sie an Heiligmorgen öffnen oder nicht.

Für Yannick Müller (Humpen) seien noch einige Fragen mit der Stadt zu klären, bevor er sich letztendlich entscheidet. Und auch Olaf Zimmer vom OZ ist noch „am Schwanken“. „Entweder mache ich zu oder ich mache nur etwas drinnen“, sagt Zimmer. Außengastronomie komme für ihn in jedem Fall nicht infrage. Gerade draußen seien die Auflagen nicht zu kontrollieren. „Wenn ich öffne, dann mit einer Bedienung und ich kontrolliere am Eingang“, sagt er. Da viele Kneipen und Gaststätten der Altstadt derzeit – Lage bedingt – nur an den Wochenenden öffnen, war bei unserem Rundgang Anfang der Woche leider nicht zu erfahren, wie es die anderen Kneipen Blondes, Copain oder Coyote Café mit dem Heiligmorgen halten.

Erkennbar aber ist – auch an den reduzierten Öffnungszeiten –, dass unter 2G-Plus und jetzt seit diesem Wochenende, mit Ausnahme der Geboosterten, die Zahl der Gäste und damit die Umsätze massiv eingebrochen sind. „Es werden spürbar immer weniger Leute, die kommen“, sagt Olaf Zimmer. „Denn wann mache ich am Wochenende um zwölf Uhr herum zu, so wie an diesem?“, fragt er weiter.

Von den Geboosterten merken er und seine Wirte-Kolleginnen und -Kollegen nicht viel. „Natürlich sind ein paar Leute geboostert“, sagt Alex Kuhn, der im Ravens zapft, „aber das macht die Kuh auch nicht fett.“

Derweil hat die Stadt angekündigt, an Heiligmorgen verstärkt mit Ordnungsamt und Polizei in der Altstadt zu kontrollieren: „Um die Einhaltung der geltenden Allgemeinverfügung während des Heiligmorgens zu gewährleisten, führt die Ortspolizeibehörde gemeinsam mit der Vollzugspolizei im Rahmen der Sicherheitspartnerschaft Kontrollen durch.“ Weiter weist die Stadt darauf hin, dass sich die vorgesehenen Maßnahmen für Heiligmorgen noch jederzeit ändern können.

Die Stadt sehe sich gezwungen, hier entsprechend zu reagieren, auch wenn die Regelungen des Landes noch nicht feststehen. Gegebenenfalls werde die Stadt noch Anpassungen vornehmen.