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Neues Verkehrskonzept in Saarlouis: Wird die Innenstadt zur Fahrradzone?

Wo Bürger Probleme sehen : Neues Verkehrskonzept in Saarlouis: Wird die Innenstadt zur Fahrradzone?

Bei der Planung des neuen Radverkehrskonzepts der Stadt Saarlouis konnten Bürger Vorschläge einbringen. Dabei kam einiges zusammen. Auch Probleme wurden klar angesprochen – und Radwege teilweise „lebensgefährlich“ genannt.

In der Kreisstadt wird aktuell ein neues Radverkehrskonzept erstellt. Das bisherige Konzept datiert noch aus dem Jahr 1998. Bei einem Online-Workshop am Dienstagabend war dazu die Meinung der Bürger, insbesondere der Radfahrer, gefragt. Es ging darum, „die Schwächen des Radverkehrs aus Sicht der Bürger gezielt herauszuarbeiten“, erläuterte Reiner Körner vom städtischen Amt für Tiefbauwesen und Vermessung.

Derzeit befinde man sich noch in der Aufstellung des Konzeptes, bei der die Bestandsanalyse, also die Herausarbeitung problematischer Punkte des Radverkehrs, ein wesentlicher Teil ist. Ziel des Konzeptes ist es, eine planerische Grundlage für eine moderne Radinfrastruktur mit Radwegen, Abstellanlagen und weiteren Serviceangeboten in Saarlouis zu erstellen.

Mit der Erarbeitung des Konzeptes ist das Ingenieurbüro PGV-Alrutz aus Hannover beauftragt, das auch den zweistündigen Workshop moderierte. Die Veranstaltung wurde zeitgleich in den Festsaal des Thea­ters am Ring übertragen, um denjenigen, die keinen Internetzugang besitzen oder mit der Online-Technik nicht zurechtkommen, die Möglichkeit zur Teilnahme zu bieten.

Mit rund 70 online zugeschalteten Bürgern und einigen Gästen vor Ort traf die Veranstaltung auf eine rege Resonanz. „Der Bürger-Workshop ist eine einmalige Chance, die Belange der Radfahrer in das Konzept einfließen zu lassen“, betonte der Saarlouiser ADFC-Sprecher Marcel Scherf. Als Knackpunkte aus ADFC-Sicht nannte Scherf schon im Vorfeld Finanzierung und personelle Ausstattung der Stadt im Bereich der Radverkehrsplanung, die Ausweisung der Innenstadt als Fahrradzone sowie Radwege aus allen Stadtteilen in die Innenstadt. Zudem sollten Einbahnstraßen-Regelungen mehr Platz für das Fahrrad bieten, Radschutzstreifen bis zur Ampel vorgezogen werden und Radwege baulich getrennt werden, um das Zuparken mit Autos zu vermeiden.

Diese und zahlreiche weitere Anregungen brachten die Workshop-Teilnehmer denn auch ein. Schon während der Präsentation durch PGV-Geschäftsführerin Heike Prahlow wurde der Chat eifrig genutzt. Und nachdem Leander Fricke die ersten Eindrücke aus Sicht des Planungsbüros dargestellt hatte, durften die Bürger ihre Hinweise zur Radverkehrs-Infrastruktur, Rad-Parken und Serviceangeboten auf einer virtuellen Pinnwand eintragen. Dabei kam in fast 30 Minuten „sehr vieles“ zusammen, wie Prahlow erfreut feststellte. Mehr Radrouten und eine bessere Anbindung der Stadtteile an die Innenstadt wurden ebenso gewünscht wie etwa überdachte, sichere Abstellanlagen an Bahnhof oder Theater.

Danach stellte Jonas Gäber von der PGV einen ersten Entwurf einer Radnetz-Konzeption vor, bei der hauptsächlich der Alltagsverkehr stärker in den Fokus rückt. Auch dazu hatten die Bürger Gelegenheit, auf einem digitalen Stadtplan von Saarlouis den bestehenden Handlungsbedarf zu dokumentieren.

Mehr als 200 Hinweise wurden im Stadtplan eingetragen, viele bezogen sich dabei auf die Innenstadt, aber auch der Radverkehr an Hauptverkehrsstraßen wie der Wallerfanger Straße („lebensgefährlicher Radweg“) und der Metzer Straße („problematisch für Radfahrer“) wurde sehr kritisch beurteilt. Gefordert wurde zudem eine bessere Radwege-Verbindung nach Dillingen auf der rechten Saarseite über den Röderberg („in desolatem Zustand“) sowie eine Anbindung von Ensdorf.

Nun werden Kritik und Anregungen der Radfahrer als Teil „einer zusammenfassenden Analyse in das fertige Konzept“ einfließen, kündigte Körner für die Stadt Saarlouis an. Auch die weitere Bearbeitung könne von der Öffentlichkeit begleitet werden. Das Thema solle demnächst auch in den politischen städtischen Gremien der Kreisstadt vorgestellt werden. Die Beteiligung von Rat und Bevölkerung am weiteren Planungsprozess versicherte auch der Beigeordnete Günter Melchior, der ebenfalls am Workshop teilnahm.

Nach Angaben von Heike Prahlow soll das neue Radverkehrskonzept „spätestens Mitte 2022“ vorliegen. Für die Umsetzung der ersten wichtigen Maßnahmen müsse ein Zeitraum von fünf bis zehn Jahren veranschlagt werden. „Ein Umbau der Autostadt Saarlouis in eine fahrrad-freundliche Stadt wird nicht in wenigen Jahren umsetzbar sein“, zog Melchior ein nüchternes Fazit.

Noch bis eine Woche nach der Veranstaltung können Bürger ihre Hinweise an das PGV-Büro per Mail senden an AnmeldungRVK@saarlouis.de. Ständiger Ansprechpartner für die Belange des Radverkehrs bei der Stadt Saarlouis ist Reiner Körner: KoernerR@saarlouis.de