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Archäologen graben in Rehlingen römische Opferstätte mit vielen Fundkstücken aus

Ausgrabungen : Römische Fundstücke bei Rehlingen geben noch Rätsel auf

Wo bald ein Haus gebaut werden soll, haben Archäologen eine römische Opferstätte ausgegraben. Eine Münze könnte aus Griechenland stammen.

Ziegeln waren das Erste, was auffiel. Aber keine gewöhnlichen Ziegel, sondern römische und nahezu 2000 Jahre alt. Die gab es in solchen Mengen, dass Denkmalpfleger Dr. Wolfgang Adler stutzig wurde. „So eine Grube wie hier, besonders mit dieser Ziegelschicht, das ist etwas Ungewöhnliches“, sagte Adler vor Ort. „Das sind ausschließlich Dachziegel.“ In mehreren Lkw-Ladungen erfolgte der Abtransport. Doch ihrem recht guten Zustand nach waren sie keine Überreste abgerissener oder neu gedeckter Gebäude. „Wir haben keine Fehlbrände hier gefunden.“

Der Ursprung dieser Ziegelmengen in Rehlingen ist bislang rätselhaft. In einer Baugrube im Herrenwieschen tauchten sie auf, beim Aushub für ein ganz normales Wohnhaus. Daraus wurde eine Notgrabung von Anfang April bis Ende Juli. Denn der Eigentümer wollte Anfang August mit seinem Haus anfangen. Bis dahin, so die Einigung, konnten Archäologen den Untergrund durchforsten. Durch die Grabung anfallende Kosten übernimmt das Land.

Über Wochen hinweg wurde eine römische Opferstätte freigelegt. Auf einer Fläche von etwa zehn mal zwölf Meter. Die liegt inzwischen unter dem Betonfundament des Wohnhausneubaus. „Aus dem ersten Jahrhundert nach Christus“, schätzte Adler die Stätte in nahezu zwei Meter Tiefe. Vielleicht sogar um 50 n. Chr. Für genauere Zeitangaben laufen noch Untersuchungen. „Interessanterweise haben wir hier fast nur Münzen gefunden.“ Darunter eine mit einer Eule, dem Symbol des antiken Athens. Unklar ist, ob sie auf Handelsbeziehungen mit dem alten Griechenland hinweist. „Dann wäre sie die erste Athener Münze, die im Saarland gefunden wurde“, sagte Adler. Oder diese Münze war einfach nur durch viele Hände gegangen und schließlich in Rehlingen geopfert worden. Denn die Fundstätte könnte mit Handelswegen in Verbindung stehen, die bei Rehlingen durch eine Furt der Saar führten. Vom Niedtal aus weiter ins Haustadter Tal oder das Primstal.

Vielleicht gab es auch Verbindungen über die Saar nach Trier. Eine zerbrochene silberne Münze zeigt eine Figur, die einen langen Stab mit halbkreisförmigem Ende trägt. Ein sogenannter Halsring der Keltenzeit. Und womöglich ein Hinweis auf die Übergangsphase von der Kultur der vormals ansässigen Bevölkerung zu jener der römischen Eroberer.

Zur Opferstätte in Rehlingen gehörte ein Opferteich, vermutete Grabungsleiter Dominik Wegner. Denn am tiefsten Punkt sammelt sich heute bei feuchterem Wetter Wasser und bildet einen Tümpel. „Die Randbereiche sind mit Lehm bestrichen.“ Etwas höher liegen im Halbkreis weitere Opferstellen. Bei den kultischen Handlungen waren auch halbe Schweinekiefer verwendet worden. Das komme regelmäßig in Heiligtümern vor, sagte Adler. Aber den Hauptanteil der Funde machten Münzen aus. Mehrfach lagen je vier davon nach den Himmelsrichtungen ausgerichtet. Abgedeckt mit Tonschüsseln, die heute nur noch Scherben sind. Andere waren verteilt auf verschiedene Fundstellen. Für das Saarland wohl einmalig sind die Münzen, die in Tonziegeln mit gebrannt wurden. Das waren keine Zufälle bei der Herstellung, sind sich die Archäologen sicher. Die Bedeutung ist jedoch vorerst ein Rätsel.

Die Ziegel sind 36 mal 48 Zentimeter groß und wirken recht klobig. Auf ihnen finden sich Spuren römischer Sandalen, aber auch Tierpfoten und eingeritzte Zeichen. Kreise, Bögen und fischähnliche Muster verweisen womöglich auf die Hersteller. „Wir haben keine eindeutigen Funde für eine Opferstätte, wie zum Beispiel Statuen“, sagte Adler. Eine solche wurde in den 1970er-Jahren etwa 70 Meter weiter östlich gefunden. Eine Statue des Gottes Pan. Dieser und weitere Funde zeigten schon damals, dass Römer in Rehlingen lebten. „Ich kann mir das hier kaum vorstellen ohne Bezug zu Pachten“, sagte Adler jetzt. Hinzu komme wohl auch die verkehrsgünstige Lage Rehlingens.

Im größeren Rahmen betrachtet sei diese Opferstätte Teil der Besiedlung unseres Raumes zur Römerzeit. Mit Landhäusern und Gütern beispielsweise zwischen Beckingen und Dillingen oder dem Quellheiligtum „Sudelfels“ bei Ihn.

 Scherben von Tonkrügen aus der römischen Opferstätte .
Scherben von Tonkrügen aus der römischen Opferstätte . Foto: az
 Diese Münze trägt eine Figur mit keltischen Utensilien.
Diese Münze trägt eine Figur mit keltischen Utensilien. Foto: az
 Diese in der Opferstätte in Rehlingen gefundene Münze mit Eulensymbol hat einen noch ungeklärten Bezug zu Athen.
Diese in der Opferstätte in Rehlingen gefundene Münze mit Eulensymbol hat einen noch ungeklärten Bezug zu Athen. Foto: az
 Dieser Ring gehörte zu Funden der römischen Opferstätte in Rehlingen.
Dieser Ring gehörte zu Funden der römischen Opferstätte in Rehlingen. Foto: az

Fragen wirft auch das wohl kleinste Fundstück der Rehlinger Opferstätte auf. Ein Körnchen Azurit. Das könnte mit dem römischen Bergbau bei Wallerfangen zu tun haben. Oder es gelangte über Handelswege nach Rehlingen. Antworten soll hier eine chemische Analyse liefern.