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Fußball-Saarlandliga: FV Siersburg empfängt Schlusslicht FV Schwalbach

Fußball-Saarlandliga : Die Karte Profi-Fußball war ihm zu riskant

Timo Wagner ist seit dieser Saison die neue Nummer eins bei Fußball-Saarlandligist FV Siersburg. Vor zwei Jahren war er Profi beim FCS, entschied sich aber gegen die Berufsfußballer-Karriere. Am Sonntag ist er nun mit Siersburg in ungewohnter Rolle.

Fußball-Saarlandligist FV Siersburg galt vor der Saison für viele Beobachter als Abstiegskandidat Nummer eins. Denn nach zahlreichen Abgängen war die Mannschaft, die bereits vergangene Saison zum Zeitpunkt des Abbruchs Schlusslicht war, nominell deutlich schwächer. Doch nach rund einem Viertel der Saison scheint es so, als sei das Team von Trainer Jan Hauser durchaus in der Lage, mit den Ligakonkurrenten mitzuhalten.

Durch einen 2:0-Erfolg beim SC Halberg Brebach gab der FV am vergangenen Sonntag die „Rote Laterne“ ab und kletterte mit fünf Zählern aus sieben Begegnungen auf den 14. Tabellenplatz. „Es war für uns extrem wichtig zu sehen, dass wir auch gegen einen solchen Gegner gewinnen können“, freut sich Siersburgs Torhüter-Neuzugang Timo Wagner.

Der 20-Jährige blieb beim überraschenden Erfolg seiner Mannschaft beim Vizemeister der beiden vergangenen Spielzeiten zum zweiten Mal in der aktuellen Spielzeit ohne Gegentreffer. Insgesamt musste Wagner diese Saison erst neun Mal den Ball aus dem Netz holen – nur drei Ligakonkurrenten kassierten noch weniger Gegentreffer.

Der aus Völklingen stammende Wagner kam vor der Saison von Oberligist SV Röchling Völklingen zum FV Siersburg. Zuvor wurde der Torhüter von der C- bis zur A-Jugend beim 1. FC Saarbrücken ausgebildet. Bei den Blau-Schwarzen hatte der Völklinger in der Saison 19/20 einen Profi-Vertrag im Regionalliga-Team. Der FCS schaffte in dieser Spielzeit den Aufstieg in die 3. Liga und stürmte im DFB-Pokal bis ins Halbfinale.

„Das war schon eine wahnsinnig tolle Erfahrung, unter Profi-Bedingungen zwei Mal am Tag zu trainieren und auch die Fan-Kultur dort zu erleben“, erinnert sich Wagner. Da im Saisonverlauf aber weder Stammtorwart Daniel Batz noch dessen Vertreter Ramon Castellucci ausfielen, schaffte es Wagner in keiner Partie in den Kader.

Danach entschloss sich der Torhüter, nicht mehr auf die Karte Profi-Fußball zu setzen. „Es war eine schwere Entscheidung, aber es war die richtige“, blickt der 20-Jährige zurück. Ein Engagement im Profi-Fußball schien ihm zu riskant. Stattdessen setzt der Schlussmann, um seine Brötchen zu verdienen, jetzt gleich auf zwei berufliche Standbeine: Wagner arbeitet als Fachmann für Versicherungen und Finanzen und hat zudem seit vergangenem Jahr eine eigene Firma im Bereich „Social recruiting.“ Dabei erstellt der Völklinger Stellenanzeigen für Unternehmen. Über Social-Media-Kanäle werden gezielt geeignete Kandidaten für den Job auswählt – und diesen wird dann digital das Stellenangebot unterbreitet.

Ein „Stellen-Angebot“ auf klassischem Weg bekam Wagner diese Saison vom FV Siersburg. Da der bisherige Stammtorwart Michel Gadomsky pausiert, suchten die Blau-Weißen einen geeigneten Nachfolger – und fragten beim 20-Jährigen an. Obwohl Wagner bewusst war, dass der FV als Außenseiter in den Kampf um den Klassenverbleib in die Saison gehen würde, sagte der 20-Jährige zu.

„Die Mentalität und die Leidenschaft, mit der der FV agiert, haben mir gut gefallen“, erklärt der neue Siersburger Torhüter. Eindrücke, die sich mittlerweile verfestigt haben. Wagner fühlt sich bei seinem neuen Verein pudelwohl – und will seinen Teil dazu beitragen, dass der FV vielleicht doch unerwartet den Ligaverbleib schafft. Dies hält der 20-Jährige durchaus für möglich. „Die Außenseiterrolle motiviert uns alle total“, erklärt der Schlussmann.

An diesem Sonntag geht Siersburg nun zum ersten Mal in dieser Saison nicht als Außenseiter in eine Partie – zumindest wenn man die Favoritenrolle nach dem Tabellenstand vergibt. Denn das Team empfängt um 15 Uhr das neue Schlusslicht FV Schwalbach. Mit einem Sieg könnte sich Siersburg weiter vom Tabellenende absetzen. „Das wird eine ganz entscheidende Partie für uns. Da müssen wir alles reinwerfen“, fordert Wagner.