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Peter Altmaier ist Direktkandidat Bundestagswahl Wahlkreis 297 Saarlouis

Direktkandidaten im Wahlkreis 297 : Seit 27 Jahren im Einsatz für die Heimat

Die SZ stellt die Direktkandidaten für die Bundestagswahl 2021 im Wahlkreis 297 vor: Peter Altmaier, CDU.

Bei Schwarzwaldbecher und Espresso beim Eismann um die Ecke seines Wahlkreisbüros kommt Peter Altmaier schnell ins Erzählen. Wie er etwa zum 300-jährigen Bestehen seiner ehemaligen Schule, dem Saarlouiser Gymnasium am Stadtgarten, die Festrede, gespickt mit Anekdoten aus der Schulzeit, halten durfte. „Ich hatte ein paar gute Lacher dabei.“ Das nimmt man dem ebenso begnadeten wie unterhaltsamen Redner, der schon mit einer legendären Tonton-Rede glänzte, gerne ab. Die Schulzeit in Saarlouis, „die mir bis heute unglaublich viel bedeutet“, betont Altmaier, hat sich aber nicht nur deshalb gelohnt.

„In Saarlouis ist eine Buchleidenschaft entstanden, die mich bis heute begleitet“, hebt der 63-Jährige hervor. Sein Geschichtslehrer am Gymnasium habe dabei eine wichtige Rolle gespielt, der mit seiner Empfehlung eines Taschenbuchs über Otto von Bismarck den Grundstein gelegt habe. Und dann drückte sich der junge Peter Altmaier regelmäßig bei Pieper herum; „die hatten damals schon eine sehr gute Buchhandlung im Haupthaus und da bin ich hin, wenn die Schule aus war, und hab heimlich in den Büchern geschmökert.“ Lesen konnte er zwar auch in der Stadtbücherei in der alten Kaserne: „Aber ich wollte die Bücher schon selber haben. Das waren fast alles Taschenbücher damals, die richtig gebundenen konnte ich mir nicht leisten.“ Noch heute besitze er diese Exemplare. Zu den gebundenen Ausgaben kam er dann, erinnert sich der gebürtige Ensdorfer, „als Mitglied im Bertelsmann Lesering, später ClubCenter, das war am Kleinen Markt, schräg gegenüber vom Prisunic.“

Lesen ist sein Stichwort: „Ich lese fast alles, ich lese ganz viel.“ Im Moment sind es Bücher über die neuesten Ausgrabungen in Pompeji und über Prinz Wilhelm, den letzten Kronprinzen des Deutschen Reiches. Dass sich der Politiker insbesondere „für historische Schinken“ begeistert, hat sich herumgesprochen, und auch dass er nicht nur leidenschaftlicher Leser, sondern auch Sammler ist.  Bis nach Mitternacht blättert er sich bisweilen online durch den Katalog des ZVAB, dem Zentralen Verzeichnis antiquarischer Bücher, schwärmt er. Seine zahlreichen Schätze bewahrt er zur Hälfte in Berlin, zur Hälfte in Rehlingen auf.

Nüchterner wird Altmaier, wenn es um den Beruf geht: Was die regionale Wirtschaft in seinem Wahlkreis betrifft, zeigt sich der Bundeswirtschaftsminister durchaus  optimistisch, trotz der Pandemie und ihren Folgen. „Die kurzfristige Perspektive ist sehr gut“, meint er. „Die Corona-Krise war eigentlich für alle Menschen, auch für Familien mit Kindern, vor allen Dingen für Inhaber von kleinen Geschäften und Restaurants, eine dramatische Herausforderung, die wir gemeinsam gut überstanden haben“, ist sich Altmaier sicher. „Wir haben viele Milliarden eingesetzt, es ist uns gelungen, mit dem Kurzarbeitergeld viele Arbeitsplätze zu retten, das hat sich gerade auch im Kreis Saarlouis bemerkbar gemacht, und wir haben im Wahlkreis Hunderten von Restaurants, Einzelhandelsgeschäften, Fitnessstudios das Weiterbestehen ermöglicht.“

Auch die zu erwartenden Spätfolgen der Krise, zeigt sich der Minister zuversichtlich, werden nichts daran ändern, „dass wir im Augenblick einen weltweiten Wachstumsschub haben“ – von dem ein Industrieland wie Deutschland, das auf Export spezialisiert ist, besonders profitiere. „Im Saarland haben wir besondere Herausforderungen, wie man gerade im Kreis Saarlouis sehen kann, nämlich die Stahlindustrie und die Automobilzulieferindustrie.“ Diesen will die Bundesregierung, zu der Altmaier zählt, durch Programme den Fortbestand ermöglichen: „Ich hab mich immer dafür eingesetzt, dass Deutschland Industrieland bleibt, das heißt, die Industrie muss klimaneutral werden.“ Sprich: Die saarländische Stahlindustrie soll ihre Produktion schrittweise klimaneutral gestalten. Und die Automobilindustrie und ihre Zulieferer sollen „weg vom Verbrennungsmotor hin zu umweltfreundlichen, klimaneutralen Alternativen“. Im Autoland Saarland müsse „eine völlige Neustrukturierung“ stattfinden; „all diese Unternehmen müssen sich fragen, wie ihr Geschäftsmodell in der Zukunft aussieht“, macht Altmaier deutlich, „und wir werden sie mit Fördergeldern dabei unterstützen.“ Doch an der Stelle lässt der Minister auch einen Funken Ungeduld durchblitzen: Der Wandel ist unausweichlich, das macht er gerade hier in Dillingen deutlich.

Und diesen Wandel zu flankieren, versteht er als seine Aufgabe auch in den kommenden Jahren. Ford dauerhaft in Saarlouis zu halten, „das ist das Ziel, auf das ich hinarbeite, seit mehr als zwei Jahren“, betont Altmaier. „Ich werde mich dafür einsetzen, dass nach dem Auslaufen der jetzigen Produktion 2025 bei Ford in Saarlouis dauerhaft neue Aufgaben verankert werden, am besten dann auch im Zusammenhang mit erneuerbarer Mobilität.“ Die geplante Ansiedlung des Batterieherstellers sVolt begrüßt der Politiker deshalb „außerordentlich“; dass er die Ansiedlung von Batteriezellenfabriken in Deutschland und Europa in Gang gebracht hat, schreibt er sich als Bundeswirtschaftsminister auf die Fahnen.

Dies sei nur ein Beispiel unter vielen dafür, was er für seinen Wahlkreis in Berlin schon ausrichten konnte, hebt er hervor. Ein weiteres, neben der Mithilfe zur Entlastung des Saarlandes um Milliarden bei der Bundesländerfinanzneuordnung: „Ich habe mitgewirkt seit ungefähr 27 Jahren, seit ich im Deutschen Bundestag bin, an praktisch allen Verkehrsprojekten, die vom Bund im Kreis Saarlouis und im Kreis Merzig-Wadern finanziert worden sind.“ Als Beispiele nennt er die  A 8, B 51 und B 269.

Darüberhinaus habe sich Altmaier um etliche kleine Anliegen gekümmert, ob der Lärmschutz in Saarfels, die Förderung von Denkmalsanierungen wie der Ludwigskirche Saarlouis oder Projekten im Bereich der angewandten Industrieforschung – „aber das ist die selbstverständliche Aufgabe eines saarländischen Bundestagsabgeordneten“, findet er. „Persönlich stolz“ ist Altmaier, „dass es uns gelungen ist, bei der Arzneimittelreform vor zwei Jahren den Weiterbestand eines großen Arzneimittelunternehmens im Saarland zu sichern“.

Und so soll es auch weitergehen, wenn es nach ihm geht: „Mein Einsatz für das Saarland und auch für den Wahlkreis läuft seit nunmehr über 25 Jahren immer so, dass wichtige Neuerungen an mich herangetragen werden und ich dann versuche, diese Projekte in Berlin zu unterstützen, häufig mit Erfolg.“

Denn im Bundestag bleiben will Altmaier auf jeden Fall – für den Berufspolitiker ist kaum etwas anderes denkbar. Im Wahlkreis 297 tritt er erneut gegen Heiko Maas an, beim letzten Mal hat er gewonnen; das ungewöhnliche Duell zweier Bundesminister um denselben Wahlkreis beschreibt Altmaier als „fairen Wettkampf“. Ob er auch Minister bleiben wird? „Jeder Kanzler behält sich vor, selbst über die Ministerposten seiner Partei zu entscheiden. Da braucht man einfach Nerven“, hält er sich bedeckt.

In der Heimat ist Altmaier gern und „so oft es geht“. Seit 20 Jahren verbringt er immer seinen Sommerurlaub im Saarland, „das gibt mir die Möglichkeit, entspannt einkaufen und spazieren zu gehen, mit dem Fahrrad zu fahren und halt eben viele Menschen zu treffen, die ich kenne oder die mich kennen und das ein oder andere Gespräch zu führen.“ Gerne ist er mit dem Rad, „nein, kein E-Bike“, am Ökosee in Dillingen oder an der Saar Richtung Merzig oder Ensdorf unterwegs. Berufliche Termine ließen sich zwar auch im Urlaub nicht vermeiden, „aber ansonsten lege ich großen Wert darauf, dass auch ein Politiker die Möglichkeit haben muss, in Ruhe mal im Café zu sitzen, das dient ja auch dem Ziel, die Batterien aufzuladen, damit man für die Arbeit genug Kraft hat.“

 Peter Altmaier in der Dillinger Fussgängerzone
Peter Altmaier in der Dillinger Fussgängerzone Foto: Ruppenthal

Denn, das hat er mit den Jahren gelernt: „Ich bin jetzt wirklich fast ein ganzes Leben lang Politiker. Aber 27 Jahre im Bundestag, fast zehn Jahre Minister, das ist schon eine wahnsinnig lange Zeit. Und das hält man nur aus, wenn man die Arbeit, dort, wo es möglich ist, so organisiert, dass man das Angenehme mit dem Notwendigen verbindet.“ Und, fügt er beinahe pathetisch hinzu: „Meine Heimat gibt mir Kraft.“ In den Jahren als Minister war die Freizeit „gleich null“, räumt er ein. „Aber, das gehört eben dazu und irgendwann wird auch diese Zeit zu Ende gehen. Wann, das kann niemand wissen.“