1. Saarland
  2. Saarlouis

Reisebüros im Kreis Saarlouis verzeichnen mehr Nachfrage

Reisen in der Pandemie : Corona-Variante dämpft bei vielen Urlaubern noch die Reiselust

Viele Menschen sehnen sich wieder nach einem Sommer-Urlaub. Doch das verstärkte Aufkommen der Delta-Variante verunsichert viele Urlauber. Das bekommen auch die Reisebüros im Landkreis Saarlouis zu spüren.

„Nach vier Wochen, in denen es schon wieder recht gut lief, spüren wir seit dieser Woche doch wieder mehr Zurückhaltung bei den Kunden“, berichtet Jan Petry vom First Reisebüro Dillingen. „Die Diskussion um und die Warnungen vor der Delta-Variante des Virus‘ scheint den Kunden doch viel Kopfzerbrechen zu bereiten und sie zu verunsichern“, vermutet der Geschäftsführer. Nachgefragt wurden im vergangenen Monat vor allem Flugreisen nach Spanien und Griechenland. Pauschalreisen erlebten ein Revival, schon seit längeren totgesagt, seien sie wieder sehr beliebt, weil sicher und risikolos. Die Beratung sei sehr viel komplexer und aufwendiger geworden. Viele Kunden seien nur ganz grob und sehr vage informiert, hier müssten die Reiseberater sehr viel Aufklärungsarbeit leisten.

„Die Menschen zieht es vor allem auf die Balearen und die Kanaren sowie nach Griechenland“, hat Klaus Kreis vom Reisebüro Rainer Lorenz im Einkaufscentrum (EKC) Bous festgestellt. Er steht für seinen Chef Rede und Antwort, der gerade erst aus einem 14-tägigen Griechenland-Urlaub zurückgekehrt ist und sich erst einmal wieder einarbeiten muss. „Auch bei Busreisen zieht die Nachfrage langsam wieder an, zumal es so aussieht, als ob diese Form zu reisen ab Juli wieder verstärkt angeboten wird“, erklärt Kreis. Für Busreisen interessiere sich vor allem die ältere Generation, die schon komplett geimpft ist. Für Familienurlaub mit Kindern bestehe hingegen zurzeit noch recht wenig Bedarf.

 Giuseppe Scillaci (rechts) und Savatore Fiandaca von „GS Reise & Freizeit“ aus Fraulautern.
Giuseppe Scillaci (rechts) und Savatore Fiandaca von „GS Reise & Freizeit“ aus Fraulautern. Foto: Oliver Morguet

„Es herrscht wieder Betrieb, aber von einem Boom kann noch lange nicht Rede sein“, meint Gaby Paetow vom Wadgasser Reisebüro. Vieles sei noch nicht möglich, deshalb würden aktuell vor allem Ferienwohnungen und -häuser gebucht, weil viele Kunden die eigene Anreise bevorzugen. Beliebte Ziele seien dabei die Nord- und Ostsee, Österreich und Südtirol. Bei Flugreisen seien vor allem Ziele in Spanien, hier besonderes die Balearen und die Kanaren, sowie Griechenland gefragt, aber auch vereinzelt nach Übersee, zum Beispiel in die Dominikanische Republik. Vor allem komplett Geimpfte interessierten sich auch wieder für Busreisen wie einen Städtetrip nach Dresden.

„Die Nachfrage ist extrem gestiegen. Seit 14 Tagen geht es sehr gut voran, aber wir sind noch nicht auf dem Niveau der Zeit vor Corona“, meint Giuseppe Scillaci von „GS Reise & Freizeit“ in Fraulautern. Viele Kunden würden sich für Ziele entscheiden, die mit eigener Anreise zu erreichen seien. Wenn geflogen wird, dann meist nach Griechenland, Italien und Spanien sowie vereinzelt nach Kroatien oder Bulgarien. Die Firma tritt auch als Reiseveranstalter auf. Die meisten eigenen Angebote über den Sommer seien mittlerweile komplett ausgebucht oder es seien maximal noch wenige Restplätze frei.

 Muss wegen Corona ihr Reisebüro schließen: Angelina Anglade-Messina aus Saarlouis.
Muss wegen Corona ihr Reisebüro schließen: Angelina Anglade-Messina aus Saarlouis. Foto: Oliver Morguet

Die Pandemie nicht überlebt hat der ltur-Reise-Shop in der Französischen Straße in Saarlouis: „Ich habe am Mittwoch, 30. Juni, meinen letzten Arbeitstag“, berichtet Inhaberin Angelina Anglade-Messina. Schuld daran ist Corona: „Nur Ausgaben, aber keine Einnahmen, das hat mein junges Unternehmen nicht verkraftet.“ Im November 2018 mit viel Elan und Engagement gestartet, habe die Zeit nicht gereicht, sich ein finanzielles Polster zu schaffen, um die lange Durststrecke zu überstehen. Daran hätten auch die finanziellen Hilfen nichts geändert.