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Reiseck: Wie zwei Brüder mit Onigiri das Saarland erobern

Erfolgsgeschichte „Reiseck“ : Wie zwei Brüder mit japanischem Reis das Saarland erobern

Zu ihren Kunden zählen die Universität in Mainz und sogar Japaner: Die beiden Neunkircher Ahmed und Benjamin Al-Baghdadi stellen seit mehreren Jahren schon selbstgemachte japanische Reisecken her. Doch mit der Erfolgsgeschichte „Reiseck“ soll noch lange nicht Schluss sein.

Dass sie mit ihrer Idee im Saarland so erfolgreich sein würden, überrascht Ahmed und Benjamin Al-Baghdadi noch heute. Denn das, was die beiden Brüder aus Neunkirchen in ihren Filialen in Saarlouis und Saarbrücken anbieten, ist der durchschnittliche europäische Gaumen nicht gerade gewohnt. Und der saarländische wohl noch weniger.

Gerade einmal vier Silben sind es, die regelmäßig für Warteschlangen vor dem Verkaufstresen sorgen und die aus einer zunächst fixen Idee mittlerweile ein erfolgreiches Unternehmen mit mehr als 25 Mitarbeiter gemacht haben, über das sogar im fernen Japan berichtet wird: „Onigiri.“

Erster „Feldversuch“ beim Saar-Spektakel

Die Idee, die gefüllten japanischen Reisecken ins Saarland zu holen, hatten die beiden Brüder – die eigentlich als Großhändler für Tee und Teezubehör angefangen haben – während einer Geschäftsreise in Japan. „Onigiri war da immer der perfekte Snack. Den gibt es in Japan gefühlt an jeder Ecke“, erinnert sich Ahmed Al-Baghdadi.

Den ersten Versuch hierzulande gab es dann 2017 beim Saar-Spektakel in Saarbrücken. Dort verkauften die Al-Baghdadi-Brüder ihre ersten selbstgemachten Onigiri in einem Zelt. Und trafen offensichtlich einen Nerv: „Die Leute haben von der ersten Sekunde bis zum Ende des Festes Schlange gestanden“, gibt Al-Baghdadi seine Eindrücke von damals wieder.

Filialen in Saarland, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg

Ein Jahr später folgte nicht weniger erfolgreich die erste Ladeneröffnung in Trier. Nur wenige Tage später öffnete die „Reiseck“-Filiale in Saarbrücken in der Kaltenbachstraße ihre Türen. Heute besitzt die „OhNigiri GmbH“, wie die Al-Baghdadi-Brüder ihre Firma nennen, noch eine weitere Verkaufs-Filiale in Saarlouis und Heidelberg.

In Neunkirchen befindet sich die Großküche, in der mehrere Mitarbeiter zusammen mit dem Chef die japanischen Reisecken täglich frisch zubereiten. Zudem gehören zum Unternehmen noch ein eigener Foodtruck, mit dem Al-Baghdadi nicht nur auf Veranstaltungen und Festivals im Saarland unterwegs ist, sondern auch Firmen und die Universitäten von Saarbrücken und Mainz regelmäßig beliefert.

„Unser Ansporn ist es, es besser als die Japaner selbst zu machen“

Der japanische Reis-Snack, der auf dem fernöstlichen Inselstaat sogar beliebter als Sushi ist, hat mit dem hierzulande beliebten „Reiskichelche“ allerdings nur wenig gemeinsam. Denn eine Hauptzutat für Onigiri sind die sogenannten Nori-Blätter, gepresste und getrocknete Algen. Diese importieren Ahmed Al-Baghdadi und sein Bruder direkt aus Japan. Genau wie den hochwertigen Reis, den ein Bauer dort eigens für sie anbaut. „Unser Ansporn ist es, es besser als die Japaner selbst zu machen“, gibt Al-Baghdadi das ehrgeizige Qualitäts-Ziel seiner Firma wieder.

Deswegen achten sie auch bei den Zutaten für die Füllung auf höchste Qualität. Und das scheint nicht nur bei den europäischen Kunden anzukommen. „Wir haben auch Japaner als Kunden. Und diese sind normalerweise nur sehr schwer zu überzeugen, wenn es nicht ein Japaner macht“, sagt Al-Baghdadi.

Für den Neunkircher, der selbst als Geschäftsführer noch so viel Zeit wie möglich hinterm Verkaufstresen verbringt, auch jetzt noch überraschend: Ihre Onigiri kommen nicht nur bei jungen Menschen gut an. „In Saarlouis kommen vor allem ältere Menschen“, sagt Al-Baghdadi. Diese seien anfänglich zwar meist noch skeptisch, danach würde sich aber regelmäßig durch das Sortiment probiert.

 Hier ist selbst das Logo selbstgemacht: Seit diesem Sommer kommen im „Reiseck“ Fans der gefüllten japanischen Reisecken auch am Großen Markt in Saarlouis voll auf ihre Kosten.
Hier ist selbst das Logo selbstgemacht: Seit diesem Sommer kommen im „Reiseck“ Fans der gefüllten japanischen Reisecken auch am Großen Markt in Saarlouis voll auf ihre Kosten. Foto: Tom Peterson

Insgesamt 12 verschiedene Onigiri-Sorten bieten die Al-Baghdadi-Brüder in ihren Läden als Grundangebot an. Wöchentlich wechselnd kommen besondere Angebote hinzu, wie etwa Onigiri, die mit Braunalgensalat, Tofu Teriyaki oder Süßkartoffeln gefüllt sind. Im Gegensatz zu den Onigiri in Japan, wo vor allem der Reis im Vordergrund steht und die Füllung nur zwischen drei bis fünf Prozent ausmacht, haben ihre Onigiri bis zu 20 Prozent Füllung, erklärt Al-Baghdadi.

Neue Filiale ab Frühjahr 2022

Zu experimentierfreudig soll es in Sachen Füllung aber auch nicht werden. Onigiri mit Fleischkäse-Füllung werde es in absehbarer Zeit wohl eher nicht geben, erzählt Al-Baghdadi von einem besonders skurrilen Kundenwunsch.

Dem täglich großen Kundenandrang dürfte diese Ankündigung dagegen wohl kaum einen Abbruch tun. Denn die Firma der beiden Neunkircher Brüder ist trotz Corona weiterhin am Wachsen. So werden nicht nur zusätzliche Mitarbeiter gesucht, auch eine fünfte „Reiseck“-Filiale wird im Frühjahr 2022 in Köln entstehen. „Ganz interessant ist in Zukunft auch der Standort Kaiserslautern für uns“, verrät Al-Baghdadi mit einem Augenzwinkern.