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ADFC und OB von Saarlouis sprechen über Sicherheit für Radfahrer

ADFC und Oberbürgermeister im Dialog : Wie die Stadt Saarlouis für mehr Sicherheit für Radfahrer sorgen will

Vertreter des Radfahrerclubs haben sich mit Saarlouis’ Oberbürgermeister Peter Demmer getroffen. Es ging um die Situation der Wege in der Stadt. Ein Ergebnis: Fehlende „Radverkehr frei“-Schilder sollen ergänzt werden. Die Bilanz zeigt aber noch mehr.

„Radeln gegen die Einbahnstraße“ titelte die Saarbrücker Zeitung im Februar 2020. Hier wurde – auf Grundlage eines Stadtratsbeschlusses von 2019 – darüber berichtet, dass in insgesamt 19 Straßen im Innenstadtbereich nun die Regelung gilt, dass Radfahrer gegen den Einbahnstraßenverkehr radeln dürfen, darunter die Adler- und die Friedensstraße, Karcher-, Stift und Augustinerstraße sowie der Gaswerkweg. Entsprechende Schilder sollten darauf hinweisen.

So weit, so gut. Zeitsprung November 2021. Beim regelmäßigen Radeln durch Saarlouis fällt Marcel Scherf auf, dass die versprochenen Hinweisschilder an vielen der benannten 19 Einbahnstraßen fehlen. Der Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) ist irritiert und sucht das Gespräch mit Oberbürgermeister Peter Demmer (SPD). Der ist ebenfalls irritiert über dessen Beobachtung, berichtet Marcel Scherf nach dem Gesprächstermin. Denn, so der OB zu Scherf, er habe gedacht, dass es da nichts mehr zu tun gäbe. Sprich, dass die Schilder hängen.

„Das Gespräch war sehr kon­struktiv“, sagt Scherf weiter, denn der Oberbürgermeister habe anerkannt, dass hier Handlungsbedarf bestehe. Die Verwaltung werde das nun checken und dort, wo noch Schilder fehlten, welche aufhängen. „Das ist erst einmal positiv und so in Ordnung“, resümiert Scherf. Aufgrund gemeinsamer Erfahrungen mit Autofahrern, die auf Radfahrer, die ihnen in Einbahnstraßen entgegenkommen, verständnislos reagierten – auch der OB sei in einem solchen Fall schon beschimpft worden, berichtet Scherf, – war man sich einig, dass hier zusätzliche Aufklärungsarbeit notwendig sei.

Vielen Autofahrern sei noch immer nicht bewusst, dass die besagten Einbahnstraßen nur noch für den motorisierten Verkehr gelten und Radfahrer offiziell auch in die Gegenrichtung fahren dürfen.

Zusätzlich einigte man sich außerdem darauf, dass geprüft werden soll, ob auch noch weitere Einbahnstraßen entsprechend gekennzeichnet werden. Ein Beispiel dafür sei die Gymnasiumstraße am Robert-Schuman-Gymnasium. „Hier wird der Radfahrer quasi in die Illegalität getrieben“, sagt Scherf. „Hier geht es über einen hohen Felgenbrecher-Bordstein in die Einbahnstraße, die aber nicht für Radfahrer freigeben ist.“ Dieser Missstand soll nun ebenfalls ins Radverkehrkonzept der Stadt aufgenommen werden.

Marcel Scherf nutzte die Gelegenheit ebenfalls dazu, dem Oberbürgermeister eine Unterschriftensammlung mit 319 Unterschriften für ein „Kinder- und fahrradfreundliches Saarlouis“ zu überreichen, die im Rahmen der Kidical Mass 2021 (die SZ berichtete) gesammelt wurden.

Peter Demmer habe die Liste dankbar entgegengenommen und unterstrichen, dass sichere Schulradwege oberste Priorität hätten. Auch die Möglichkeit der Anschaffung eines freien Lastenrades für die Stadt Saarlouis wurde erörtert.

Der ADFC bot hier an, ein Buchungssystem zur Verfügung zu stellen, während sich der Saarlouiser Unverpackt-Laden bereit erklärt habe, die Vermietung zu übernehmen. Die Stadt wolle nun eine mögliche Förderung durch die Stadt prüfen. Laut Scherf gehe es dabei um 2500 bis 3000 Euro.

Letzter Punkt auf der Liste des ADFC war das Anbringen sogenannter Tote-Winkel-Aufkleber an den Bussen der KVS. Diese werden an den Seiten und am Heck von Bussen angebracht und sollen den anderen Verkehrsteilnehmern verdeutlichen, welche Bereiche sich für den Fahrer im sogenannten Toten Winkel befinden. Das soll helfen, schwere Unfälle mit Radfahrern oder Fußgängern zu vermeiden. In Frankreich sind solche Aufkleber inzwischen Pflicht. Oberbürgermeister Demmer sagte auch hier zu, dass er das Thema bei der nächsten Aufsichtsratssitzung der KVS ansprechen werde, so Scherf.

Er zog eine durchweg positive Bilanz für das Gespräch. In Saarlouis werde viel für den Radverkehr getan. „Wir bleiben aber dran“, so Scherf abschließend.