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Die Vereine aus dem Kreis Saarlouis hatten mit dem Abbruch gerechnet

Handball-Vereine : Viel Verständnis für den Saisonabbruch

Der Handball-Verband Saar hat am Montag entschieden, die Saison in den saarländischen Ligen abzubrechen. Die SZ hörte bei vier Vereinen aus dem Landkreis Saarlouis nach, was sie von dieser Entscheidung halten.

Das Meinungsbild ist relativ eindeutig: Mit der am Montag vom Handball-Verband Saar (HVS) getroffenen Entscheidung, die aktuell ohnehin ruhende Saison im Saar-Handball wegen der Corona-Pandemie ganz abzubrechen, zeigen sich die Vereine aus dem Kreis Saarlouis einverstanden. Das hat eine Umfrage der SZ ergeben: „Gesundheitlich gesehen ist das die einzige richtige Entscheidung, auch wenn wir uns natürlich gewünscht hätten, dass noch einmal gespielt wird“, erklärt Daniel Altmeyer, Trainer des Oberliga-Absteigers HC Dillingen-Diefflen.

  Daniel Altmeyer, Trainer des HC Dillingen-Diefflen
Daniel Altmeyer, Trainer des HC Dillingen-Diefflen Foto: Klos Horst/Horst Klos (Klosfoto)

Terminlich wäre es seiner Meinung nach zu eng geworden, um die Saison noch regulär zu beenden: „Wir hätten ja mindestens vier Wochen Vorbereitungszeit gebraucht. Dann wäre Ostern gekommen und irgendwann auch die Sommerferien.“

Der vor dem Abbruch angedachten Lösung, nur die Vorrunde in den ohnehin schon in Staffeln unterteilten Spielklassen durchzuziehen und die Runde dann zu werten, wäre für Altmeyer keine zufriedenstellende Alternative gewesen. „Nach zehn Spielen kann man ja noch keine richtige Tendenz erkennen“, findet der HC-Trainer.

Stefan Hawner, der Vorsitzende des HSV Fraulautern, der gemeinsam mit dem HC Überherrn als HSG-Fraulautern Überherrn bei den Frauen und Herren in der Saarlandliga spielt, hätte im Falle einer Saisonfortsetzung noch ein anderes Problem gesehen. „Es wäre ja die Frage gewesen, ob die Hallen überhaupt zur Verfügung gestanden hätten.“ Die Saarlouiser Sporthalle in den Fliesen, eine der Heimspielstätten seines Vereins, war zum Beispiel in den vergangenen Monaten als Notfall-Krankenhaus vorgesehen. „Zuletzt hieß es, dies solle so bleiben bis der Impfstoff da ist“, sagt Hawener.

Seine HSG kann die nun getroffene Entscheidung, die Runde abzubrechen, nachvollziehen. „Damit können wir gut leben. Wir haben eigentlich schon seit Dezember damit gerechnet“, lautet Haweners Urteil.

 Stefan Hawner, Vorsitzender des HSV Fraulautern
Stefan Hawner, Vorsitzender des HSV Fraulautern Foto: Hawner/Verein

Eva Weber, Geschäftsführerin beim HC Schmelz, für den drei Herren-, zwei Frauen- und sieben Jugendteams (teilweise in Spielgemeinschaften) auf der „Platte“ stehen, sagt: „Es hätte sich jeder etwas anderes gewünscht, aber die jetzige Entscheidung ist die beste, weil man ja nicht weiß, wann es weitergeht.“

Überrascht von der Pressemitteilung des Verbandes über den Saisonabbruch wurde ihr Verein auch nicht. „Wir hatten damit gerechnet. Unser Präsident Philipp Jäckel ist ja auch im HVS-Vorstand, und deshalb haben wir gewusst, dass es so kommen könnte.“

Welche Folgen der Saisonabbruch haben wird, kann Weber noch nicht so recht einschätzen: „Ich denke, im Aktivenbereich werden alle Spielerinnen und Spieler bei der Stange bleiben. Ob die Kinder tatsächlich alle wieder kommen, oder ob sie es auf der Couch auch ganz schön fanden, wissen wir wohl erst, wenn es wieder losgeht“, mutmaßt die Geschäftsführerin. „Unsere Jugendtrainer versuchen in jedem Fall, im Kontakt mit den Teams zu bleiben.“

Praktische Tipps für Nachwuchs-Handballer gibt Drittligist HG Saarlouis auf seiner Facebook-Seite: Dort haben die Grün-Weißen kleine Trainingsvideos veröffentlicht, bei denen zu sehen ist, welche Übungen Kinder- und Jugendliche auch während des immer noch geltenden Teamsportverbots zu Hause machen können.

Wenn Teamsport wieder erlaubt ist, wollen Schmelz und Diefflen gleich wieder loslegen. „Wir werden dann direkt mit dem Training anfangen und vielleicht auch Freundschaftsspiele machen“, kündigt Weber an. „Wir wollen direkt wieder trainieren um schnell wieder auf den alten Stand zu kommen“, erklärt Altmeyer.

Der TuS Elm-Sprengen hat diesbezüglich ebenfalls einen interessanten Gedanken: „Wir überlegen, die eigentlich noch als Ligaspiele bei den Herren angedachten Partien als Freundschaftsspiele auszutragen, falls dies erlaubt sein sollte“, berichtet der Vorsitzende Raphael Schneider.

Für eine Mannschaft seines Vereins ist der Saisonabbruch besonders bitter: Die A-Jugend des TuS hatte sich im vergangenen Sommer erstmals für die RPS-Oberliga qualifiziert. Danach war der Jubel groß. Doch die Nachwuchs-Akteure werden in der überregionalen Spielklasse nun keine einzige Partie bestreiten.

Denn vor dem HVS hatte auch das Präsidium der Handball-Oberliga entschieden, die Runde abzubrechen. Im Jugendbereich hatte diese in den RPS-Ligen noch gar nicht begonnen. „Alle unsere A-Jugendlichen sind vom älteren Jahrgang und werden kommende Saison zu den Aktiven wechseln“, berichtet Schneider.

Mit einer den Nachwuchs betreffenden Frage beschäftigt sich auch Hawner. Er befürchtet insbesondere für die kleinsten Sportler negative Auswirkungen. „Wer beispielsweise letzte Saison in die E-Jugend gekommen ist, hat dort eine halbe Saison gespielt, bevor die Runde 19/20 abgebrochen wurde. Jetzt hat er gar kein Saisonspiel gemacht und muss dann in die D-Jugend.“ Da in diesen Altersklassen die Grundlagen gelegt werden, ist der Vorsitzende sich nicht sicher, ob dies keine negativen Konsequenzen für die weitere Entwicklung hat.