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Feinschmecker: Zwei Cafés im Saarland gehören zu 500 besten in Deutschland

Vom „Feinschmecker“ ausgezeichnet : Zwei Cafés im Saarland gehören zu den besten 500 in ganz Deutschland

Das Magazin „Der Feinschmecker“ hat die besten Cafés in ganz Deutschland gekürt. In der Liste der Top-500 finden sich zwei aus dem Saarland.

In dem einen riecht es nach Kaffee, in dem anderen nach Wolle. Gemein haben sie, dass die Genuss-Zeitschrift „Der Feinschmecker“ sie zu den 500 besten Cafés in Deutschland zählt und sie beide ausgezeichnet wurden: das Maison Creative in Altforweiler und das Café Plaisir in Saarlouis.

In Altforweiler ist am 1. Mai 2008 ein Café im Nebenraum eines Ladens für Handarbeiten entstanden: „Wir brauchten eigentlich einen Platz für unsere Männer“, schmunzelt die Gründerin Monika Fontaine und räumt ein, dass das Café auch eine Idee gewesen sei, um ihren Laden zu retten, in dem man Wolle und Nähutensilien kaufen kann. Den Laden gibt es heute noch, das Café hat ihn flächenmäßig überholt. „Meine Familie hielt mich für verrückt, denn wir wohnten ja auch in dem Haus. Aber heute machen alle mit“, sagt Monika Fontaine und expandiert. Das Ziel, den Wollladen zu retten, wurde übertroffen durch das heute gut gehende Café, in dem 13 Menschen die Gäste verwöhnen, und in dem man nach wie vor auch Wolle kaufen kann.

„Heute mischen sich die reinen Kaffeetrinker und die Handarbeiter“, sagt sie und muss in einen neuen Backofen investieren, weil die Nachfrage immer größer wird. Die Frauen im Maison Creative backen selbst, keine ist gelernte Bäckerin oder Konditorin. „Wir nutzen ausschließlich die alten Rezepte unserer Mütter und Omas und machen Kirschstreusel, Feuerwehrkuchen, Himbeerschmand oder Schwarzwälder Kirsch. Manchmal backen wir noch Brot dazu“, erzählt Fontaine und freut sich, dass ihre Tochter Nena Niklas mitmacht.

Als die Frauen starteten, backten sie drei Kuchen für die Wochenendgäste, zwei Kuchen reichten für die Gäste unter der Woche. Heute backen sie 30 Kuchen allein fürs Wochenende, und selbst die reichen oft nicht, denn die Oma-Kuchen aus Altforweiler haben nicht nur den Feinschmecker überzeugt, sie haben sich rumgesprochen und werden an Wochenenden auch außer Haus verkauft. Aktuell mache die Corona-Verordnung dem Café zu schaffen, denn seit der ersten Ankündigung der 2G-Plus-Regel hagele es Absagen. Keine Weihnachtsfeier sei noch geblieben, auch Tagesreservierungen fallen in der Regel aus.

 Carsten Schäfer ist Chef im Café Plaisir in Saarlouis.
Carsten Schäfer ist Chef im Café Plaisir in Saarlouis.

„Wir werden nächstes Jahr die Außengastronomie auch vor dem Haus anbieten, gezielt für Radfahrer, die ihre teuren E-Bikes im Blick behalten wollen, und wir erweitern außerdem die Terrasse. Im neuen Ofen werden wir mehr Kuchen backen können“, kündigt Monika Fontaine an.

Der Handarbeitsladen bleibt erhalten, es werde auch wieder die beliebten Uvo-Nächte geben. Uvo steht für „Unvollendet“ und bezieht sich auf nicht abgeschlossene Handarbeiten. Man treffe sich und stricke zum Beispiel ein Paar Socken fertig, Kaffee und Kuchen inklusive. Die Wohnzimmeratmosphäre im Maison Creativ sorgt für Wohlfühlatmosphäre.

 Monika Fontaine und ihre Tochter Nena Niklas (rechts) sitzen in Altforweiler im gemütlichen Café ihres Maison Creative.
Monika Fontaine und ihre Tochter Nena Niklas (rechts) sitzen in Altforweiler im gemütlichen Café ihres Maison Creative.

Deutlich urbaner ist das Café Plaisir in Saarlouis, direkt am Kaufhaus Pieper nahe dem Großen Markt gelegen. Dort ist Carsten Schäfer der Chef, und auch sein Café wurde vom Feinschmecker geadelt. „Wir haben in Saarlouis und Elm zwei Cafés und in Elm unsere Kaffeerösterei. Seit 2007 bin ich dabei, obwohl ich mich früher nie für Kaffee interessierte. Aber ich reparierte Kaffee-Vollautomaten und kam so in Kontakt mit Kaffee. Ich las mich ein, besuchte Röstereien und kam auf den Geschmack. Ich machte eine Zusatzausbildung zum Coffeologen und wurde zertifizierter Barista. Heute besuche ich die Herstellerländer des Kaffees und kaufe ihn an der Quelle ein, um ihn im Saarland zu verarbeiten.“

Schäfer berichtet von Reisen nach Brasilien, Kolumbien, Guatemala, Mexiko, Kenia und Panama. Im März will er, wenn es machbar ist, Costa Rica besuchen. Die Kaffees, die er einkauft, vertreibt er in der Region inzwischen auch bei REWE und Edeka, beliefert Bäckereien und auch das Maison Creative. „Kaffee ist nicht schwarz, heiß und bitter. Man braucht weder Zucker noch Milch, nur die richtige Sorte“, sagt er heute und will für jeden Gast einen Kaffee finden können, den man mit Genuss trinkt. Natürlich bietet er dafür in seiner Rösterei auch Kaffee-Tastings und Seminare an. Die Auszeichnung des Feinschmeckers lasse ihn „nicht ausflippen“, sagt er. Aber es sei eine schöne Bestätigung für die tägliche Arbeit.