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Halbzeitbilanz: Überblick über die Titelrennen in den Fußball-Landesligen

Große Halbzeitbilanz : Hochspannung vor den Titelrennen in den saarländischen Fußball-Landesligen

In drei der vier Fußball-Landesligen im Saarland geht es an der Spitze äußerst eng zu. Wie die Vereine zur Winterpause auf die erste Saisonhälfte blicken und was sie sich vom Rest der Saison erhoffen.

Landesliga Süd:

Der 1. FC Saarbrücken II ist der große Favorit auf die Meisterschaft in der Fußball-Landesliga Süd. Zur Winterpause führt die Mannschaft von Trainer Sammer Mozain die Tabelle mit einem Punkt vor Aufsteiger SC Friedrichsthal an. Fünf Punkte dahinter ist der FC Kleinblittersdorf in Lauerstellung. „Ich gehe davon aus, dass es ein Dreikampf um die Meisterschaft wird. Wir wollen aufsteigen – und wir wissen auch, dass wir der Favorit sind“, sagt Mozain, der aber auch warnt: „Wir können nicht jedes Spiel gewinnen, und uns erwarten Woche für Woche extrem schwere Aufgaben.“ Schwere Aufgaben haben die anderen Mannschaften aber doch auch, oder? „Ja, mit Sicherheit. Und ich ziehe auch den Hut vor den anderen Vereinen“, sagt Mozain. „Gegen uns sind aber alle Mannschaften nicht zu 100 Prozent, sondern zu 200 Prozent motiviert. Das macht es teilweise sehr unangenehm. Die Gegner stehen immer tief und wollen Nadelstiche setzen. Wir müssen entweder früh Tore schießen oder Geduld haben.“

Bislang funktionierte das. Als Tabellenführer hat der FCS II mit 74 Toren 34 Tore mehr geschossen als Verfolger Friedrichsthal. „Wir hätten schon mehr als 100 Tore schießen können, wenn wir nur die Hälfte der vergebenen Torchancen verwandelt hätten. Bei den zwei Unentschieden haben wir massenweise klare Dinger vergeben und spät den Ausgleich kassiert“, berichtet Mozain. Die einzige Niederlage brachte den Saarbrückern der SC Friedrichsthal bei, der gegen den FCS II mit 2:1 gewann.

An diesem Montag steigen die Blau-Schwarzen wieder ins Training ein, am 26. Februar geht es mit der Partie beim Tabellenzehnten FC Kandil Saarbrücken in der Liga weiter. Nicht mehr dabei sein wird Mittelfeldspieler Abdoulah El Akni, der den Verein in Richtung Frankreich verlassen hat. Dafür gibt es zwei Neuzugänge: Torhüter Merlin Schäfer kommt von der SG VB Zweibrücken und Frederik Finkler vom FV Bischmisheim. Zudem ist Stürmer Vincenzo Accursio nach mehreren Verletzungen und Erkrankungen wieder dabei. Der 22-Jährige erzielte in neun Saisonspielen zwölf Tore und ist laut Mozain wie ein Neuzugang anzusehen.

Landesliga Ost:

Die vielleicht spannendste Rückrunde verspricht die Landesliga Ost. Tabellenführer SV Reiskirchen ist punktgleich mit dem SG Hassel. Dahinter folgen die punktgleichen SG Erbach, TuS Ormesheim und FC Bierbach mit vier Zählern Rückstand. Reiskirchens Trainer Adetunji Adeyemi holt sogar noch den Tabellenachten SVG Bebelsheim-Wittersheim trotz neun Zählern Rückstand mit ins Aufstiegsrennen: „Wenn Bebelsheim-Wittersheim komplett antritt und alle Spieler in Form sind, kann die SVG jede Mannschaft der Liga schlagen. Ich glaube, dass es in dieser Liga bis zu den letzten Wochen der Saison keine Entscheidung geben wird.“

Die Mannschaft des 52-Jährigen hat mit acht Gegentoren die mit Abstand beste Abwehr der Liga. Die zweitwenigsten Gegentore hat der Tabellenvierte TuS Ormesheim mit 22. „Wir spielen von vorne bis hinten mit einem ausgeprägten Abwehrgedanken. Es ist schon schwer, unsere erste Offensivreihe zu überspielen“, erklärt Adeyemi. Und wer wird am Ende Meister? „Die Mannschaft, die es schafft, die Ausfälle in der Rückrunde zu kompensieren. Jede Mannschaft hat drei oder vier Schlüsselspieler. Wenn die ausfallen, dann wird es eng. Das war bei uns in der Vorrunde auch der Fall.“

Trainer Adetunji Adeyemi steht mit dem SV Reiskirchen in der Landesliga Ost an der Spitze.
Trainer Adetunji Adeyemi steht mit dem SV Reiskirchen in der Landesliga Ost an der Spitze. Foto: Stefan Holzhauser

Reiskirchen hat in der Winterpause mit Anas Moutalib (Ziel unbekannt) einen Mittelfeldspieler verloren. Zudem ist Yacine Hadjilen verletzt (Schambein- und Achillessehnen-Entzündung). „Es sieht aktuell nicht gut aus. Aber Walid Mawed kommt zurück, der bislang die ganze Saison mit einem Kreuzbandriss ausgefallen ist“, erklärt Adeyemi, der mit seiner Mannschaft zum Auftakt nach der Winterpause am 26. Februar den Verfolger TuS Ormesheim erwartet.

 Spielertrainer Jens Albrecht von der SG Hassel führt die Torjägerliste in der Landesliga Ost an.
Spielertrainer Jens Albrecht von der SG Hassel führt die Torjägerliste in der Landesliga Ost an. Foto: Stefan Holzhauser

Das Maß aller Dinge in der Offensive ist in der Landesliga Ost der mit Spitzenreiter SV Reiskirchen punktgleiche Tabellenzweite SG Hassel. 59 Tore hat die Mannschaft von Spielertrainer Jens Albrecht erzielt. Am meisten traf der Trainer selber. Er führt mit 24 Toren aus 17 Spielen die Torjägerliste an.

„Ich glaube, es wird entscheidend sein, wer am besten aus dieser langen Winterpause kommt. So eng wie die Liga bislang ist, wird sich wohl auch keine Mannschaft absetzen“, erklärt Albrecht. Und er gibt zu bedenken: „Du kannst auch problemlos gegen eine Mannschaft aus dem hinteren Tabellendrittel verlieren. Dort geht es irgendwann richtig um den Klassenverbleib und vorne um die Meisterschaft. Das wird alles noch sehr spannend.“ Hassel muss zum ersten Spiel im neuen Jahr am 26. Februar beim Tabellen-13. SC Ludwigsthal ran.

Landesliga Nord:

Beim Überraschungs-Tabellenführer der Landesliga Nord, der SG Nohfelden-Wolfersweiler, hat Peter Krämer bekannt gegeben, dass er seinen zum Saison-Ende auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird. „Der Schritt ist mir wahnsinnig schwergefallen. Er hat ausschließlich private Gründe. Ich musste diese Entscheidung als Familienvater treffen, weil ich mehr Zeit für meine Familie haben will“, erklärt der Trainer.

 Kapitän Frederik Staudt (vorne rechts) von der SG Nohfelden-Wolfersweiler, hier bei der 0:1-Niederlage in der zweiten Runde des Saarlandpokals beim Bezirksligisten SF Obersalbach, liegt mit seiner Mannschaft in der Landesliga Nord auf Tabellenplatz eins.
Kapitän Frederik Staudt (vorne rechts) von der SG Nohfelden-Wolfersweiler, hier bei der 0:1-Niederlage in der zweiten Runde des Saarlandpokals beim Bezirksligisten SF Obersalbach, liegt mit seiner Mannschaft in der Landesliga Nord auf Tabellenplatz eins. Foto: Mohr/SaarSport News

Seine Nachfolge ist schon geklärt. Dabei wurde die SG in den eigenen Reihen fündig. Die sportliche Verantwortung wird in der kommenden Saison ein Duo übernehmen: Leistungsträger Steffen Backes, derzeit Co-Spielertrainer, wird zum Spielertrainer. Calogero Bonsignore, derzeit Trainer der zweiten Mannschaft in der Bezirksliga, wird als Übungsleiter von der Seitenlinie fungieren.

Ob Krämer sich mit dem Aufstieg in die Verbandsliga verabschiedet, darüber wird seiner Meinung nach in den ersten Spielen nach der Winterpause eine Vorentscheidung fallen. Seine Elf liegt drei Punkte vor dem FC Kutzhof und startet am 25. Februar zu Hause gegen den Tabellenzwölften SG Neunkirchen-Selbach in die zweite Saisonhälfte. Danach ist die SG beim Tabellenfünften FC Blau-Weiß St. Wendel zu Gast, der sechs Punkte zurückliegt. 14 Tage später reist der Spitzenreiter zum Tabellendritten VfL Primstal II, der vier Zähler weniger hat.

Nohfelden-Wolfersweiler galt vor der Runde zwar als ein Kandidat für einen der vorderen Plätze, aber nicht als Top-Titelanwärter. Und das Saisonziel der SG lautete auch nicht, ganz vorne mitzuspielen. „Wir sehen uns selbst irgendwo zwischen Platz fünf und Platz sieben“, hatte Krämer vor dem Saisonstart gesagt. Dieses Ziel möchte er mit Blick auf die eng beisammen liegende Spitzengruppe vorerst nicht korrigieren. „Ich möchte noch bis Ostern abwarten, dann kam man mich diesbezüglich noch einmal fragen, und dann kann ich auch konkreter werden“, sagt Krämer.

Landesliga West:

Der SV Wallerfangen ist in der Landesliga West das Maß aller Dinge: Die Mannschaft des Spielertrainer-Duos Jannik Theobald und Yannik Schetter liegt elf Punkte vor dem SV Friedrichweiler und zwölf vor den punktgleichen VfB Tünsdorf und SG Körprich-Bilsdorf. Der Spitzenreiter hat aber schon eine Partie mehr absolviert als das Verfolger-Trio. „Die Hinrunde ist für uns wirklich gut gelaufen – und das nicht nur mit Blick auf die Tabelle. Wir haben in allen Mannschaftsteilen überzeugt“, freut sich Theobald. Seine Mannschaft stellt mit 55 Treffern den besten Angriff und mit neun Gegentoren die beste Abwehr der Liga.

Trotzdem ist der SV davor gewarnt, es in der Rückrunde zu locker angehen zu lassen. Vergangene Runde stand Wallerfangen zur Winterpause auch ganz oben. Zu Beginn der zweiten Saisonhälfte wurde der Vorsprung auf bis zu zehn Zähler ausgebaut. Doch dann leisteten sich die Blau-Weißen eine Schwächeperiode. Am Ende zog die FSG Bous noch nach Punkten gleich. Das Entscheidungsspiel um den Titel verlor Wallerfangen durch ein Gegentor in letzter Sekunde mit 0:1. „Die Situation ist mit der von damals aber nicht zu vergleichen“, findet Theobald: „Zum einen, weil man ja aus Fehlern lernen soll. Zum anderen, weil wir dieses Mal einen viel breiteren Kader als vergangene Saison haben und dadurch Ausfälle besser kompensieren können.“

Theobald und Schetter haben ihre Verträge für die kommende Spielzeit bereits verlängert. „Das Mannschaftsgefüge ist überragend. So etwas habe ich im Fußball selten erlebt. Dazu funktioniert die Zusammenarbeit mit dem Vorstand hervorragend“, nennt Theobald seine Beweggründe. „Die sportliche Perspektive war für uns ausschlaggebend zu bleiben. In der Mannschaft und dem Verein stecken noch viel Potenzial“, wird Schetter auf der Facebook-Seite des SV Wallerfangen zitiert, der am 26. Februar den Tabellensiebten SSV Oppen zum ersten Liga-Spiel erwartet.