1. Saarland
  2. Saarlouis
  3. Saarlouis

Hygieneinspektor im Saarland sauer: „Für uns ist das ein Schlag ins Gesicht“

Verwunderung im Saarland : Hygieneinspektoren der Gesundheitsämter sind sauer: „Für uns ist das ein Schlag ins Gesicht“

Kopfschütteln – das ist es, was Hygieneinspektoren überkommt, wenn sie von aktuellen Feier-Freigaben hören. Wie begründet das Henning Adam vom Berufsverband dieser Spezialisten?

Die Hygiene­inspektoren der Gesundheitsämter im Saarland und Umgebung sind sauer: Nach den SZ-Artikeln „Wie die Fastnachts-Session im Saarland gerettet werden soll“ und „Heiligmorgen in der Altstadt soll ermöglicht werden“ meldet sich der Sprecher ihres Berufsverbandes in SaarLorLux, Henning Adam, zu Wort. „Meine Kolleginnen und Kollegen und ich selbst haben uns verwundert die Augen gerieben, nachdem wir in der SZ gelesen haben, dass an Heiligmorgen in der Altstadt gefeiert und die Fastnachts-Session gerettet werden soll“, schildert Adam, der beim Gesundheitsamt Saarlouis tätig ist. „Es gibt wohl tatsächlich Menschen, die die Zeichen der Zeit immer noch nicht verstanden haben und in der größten Krise, die die Bundesrepublik seit Jahrzehnten erlebt, an Feiern in der Altstadt und Fastnacht denken“, ärgert er sich.

Für ihn unbegreiflich, sagt der Hygieneinspektor, der täglich hautnah mit der Pandemie zu tun hat: „In den Intensivstationen der Krankenhäuser ringen Covid-Patienten mit dem Leben und sterben. In den Alten- und Pflegeheimen nehmen die Ausbruchsgeschehen rasant an Fahrt auf, und auch hier sind wieder vermehrt Todesfälle zu beklagen“, betont Adam. „Wir sehen überall im Land diffuses Infektionsgeschehen und Clusterbildungen. Die Situation in den Kindertageseinrichtungen und Schulen ist besorgniserregend“, hebt er eindringlich hervor.

Er ist sich sicher, wie viele Wissenschaftler, die das Geschehen beobachten und modellieren: „Die Variante Omikron wird uns in den nächsten Monaten – aufgrund ihrer hohen Infektiosität – massive Sorgen bereiten.“ Der Höhepunkt der vierten Welle stehe noch bevor, eine fünfte Welle im Jahr 2022 ist „sehr wahrscheinlich“, meint Adam unter Berufung auf die Virologen.

„Es werden sich auch hier viele Geimpfte und auch Geboosterte mit Omikron infizieren“, schätzt er. Und betont: „Es muss sich niemand der Illusion hingeben, dass dieses Pandemiegeschehen im Frühjahr beendet ist!“

Er macht deutlich: „Die Pflegekräfte in den Krankenhäusern und Alten- und Pflegeheimen sind bis an die Grenzen belastet. Die Gesundheitsämter können die Kontaktnachverfolgung nicht mehr in Gänze sicherstellen. Für uns in den Gesundheitsämtern, für die Pflegekräfte, mit denen wir eng zusammenarbeiten, sind solche Diskussionen ein Schlag ins Gesicht!“

Man dürfe nun mit der Spekulation, wie etwa Fastnachtssitzungen stattfinden könnten, keine falschen Signale senden: „Wer in dieser Zeit mit fast ignoranter Sturheit an solchen Veranstaltungen festhält und Erkrankungsfälle in Kauf nimmt, hat keinerlei Weitblick, lebt in seiner eigenen kleinen Fastnachtswelt, deren Tradition zu wahren, in Pandemiezeiten wichtiger zu sein scheint als alles andere“, ärgert sich Adam. „Als jemand, der täglich mit den Folgen konfrontiert ist, kann ich nur sagen: Es ist jetzt wirklich nicht die Zeit, über Karneval nachzudenken.“

Die Maßnahmen der Stadt Saarlouis für den Heiligmorgen findet der Fachmann vom Grundsatz her „in Ordnung“. Er sagt: „Es bleibt zu hoffen, dass Wirte und Gäste vernünftig sind.“ Für die Feiertage rät er, möglichst die Kontakte zu beschränken und sich auch als Geimpfter vor Treffen testen zu lassen. „Die Infektionen werden uns nach den Feiertagen einholen“, ist sich Adam sicher.