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Integrationsbeirat Saarlouis: Mahnmal für Flüchtling Samuel Yeboah fehlt

Integrationsbeirat Saarlouis : Wieso das Mahnmal für getöteten Flüchtling Samuel Yeboah noch nicht steht

Der Brandanschlag auf eine Unterkunft für Flüchtlinge in Saarlouis liegt 30 Jahre zurück. Aber das Mahnmal für den dabei getöteten Samuel Yeboah steht immer noch nicht. Der Integrationsbeirat informierte über das Konzept für das Gedenken. Und warum es noch nicht vollendet ist.

Das Gedenken an den vor 30 Jahren in Saarlouis bei einem Brandanschlag ermordeten Flüchtling Samuel Yeboah stand im Mittelpunkt des Jahresberichts des Integrationsbeirates der Stadt Saarlouis für 2021. Diesen Bericht stellte der Beirat in seiner jüngsten Sitzung vor. Auch die Aufarbeitung der Ereignisse und der Aktivitäten der rechtsextremen Szene in den 90ern in Saarlouis beschäftigten den Beirat; er hatte dazu ein fünfstufiges Konzept erstellt, das dem Stadtrat Saarlouis im März vorgestellt worden war und von diesem so beschlossen wurde (die SZ berichtete).

„Alle Aktivitäten im Kontext des Gedenkens wurden von einem sehr starken, auch überregionalen Medieninteresse begleitet“, stellte der Beirat selbst fest. Dennoch sind noch nicht in allen der fünf Punkte Fortschritte zu vermelden – der aktuelle Sachstand zum Jahresende zeigt noch Lücken.

So wurde der angekündigte „Arbeitskreis zur kritischen Aufarbeitung der Aktivitäten und Entwicklungen der rechtsextremen Szene in Saarlouis seit Beginn der 90er Jahre“ noch nicht einberufen; es sei „noch festzulegen“, wer in dem Kreis mitarbeiten soll und wer ihn moderieren könne, geht aus dem Jahresbericht hervor.

Immerhin vorbereitet ist inzwischen die Einrichtung eines Mahnmals an zentraler Stelle in der Stadt, das den Opfern von Hass, Diskriminierung und Gewalt gewidmet sein soll; umgesetzt werden soll es nach einem Künstlerwettbewerb, den die Kunstkommission der Stadt ausschreiben soll. Doch die zuletzt recht inaktive Kunstkommission musste erstmal neu besetzt werden. Erst Mitte Oktober lag dem Stadtrat der Vorschlag für den Standort des Mahnmals vor, dem er einstimmig zustimmte: Es soll der Gutenbergplatz werden, gegenüber dem Robert-Schuman-Gymnasium, am oberen Ende des Hohenzollernrings, Ecke Titzstraße.

Doch viel weiter ist man noch nicht: Für den Wettbewerb hat die Kunstkommission Vorschläge erarbeitet, „die den zuständigen Gremien als Diskussionsgrundlage dienen sollen“, heißt es. Ein zeitlicher Rahmen ist nicht vorgegeben. Allerdings ist die bisherige Definition, was das Mahnmal inhaltlich darstellen soll, recht unkonkret, bemängelt der Beirat, „die Zweckbestimmung sollte präziser gefasst werden“, heißt es.

Umgesetzt ist hingegen der geplante Gedenkort für Samuel Yeboah in der Saarlouiser Straße: Hier wurde eine Informationstafel aufgestellt. Anlässlich des 30. Jahrestags des Anschlags führte eine Kundgebung dorthin, und es wurden zahlreiche Blumen abgelegt, berichtet der Beirat.

Der Gedenktag an diesem Jahrestag am 19. September ist erfolgreich umgesetzt worden, findet der Beirat: Sowohl die Kranzniederlegung am Grab Yeboahs auf dem Friedhof Neue Welt sowie die öffentliche Gedenkfeier unter Mitwirkung von Flüchtlingen in der Evangelischen Kirche seien „sehr würdig und gut besucht“ gewesen. Der Gedenktag soll aber künftig in ein umfangreicheres Programm zur Interkulturellen Woche eingebunden werden; ursprünglich war das auch für dieses Jahr schon geplant gewesen.

Der fünfte Baustein des Konzepts, nämlich wiederkehrende Präventivangebote für Jugendliche in der Interkulturellen Woche, soll auch erst 2022 starten: Konzipiert wurde das Pilotprojekt in Zusammenarbeit mit dem Adolf-Bender-Zentrum bereits, es soll ein nachhaltiges und langfristiges pädagogisches Fortbildungsangebot für die weiterführenden Schulen in Saarlouis werden. Drei Schulen hätten bereits Interesse für einen Workshop zur Rassismus-Prävention und Umgang mit Vorurteilen signalisiert.

150 Menschen haben die Ausstellung „Hasserfüllt – Rechtsextremismus in Deutschland“ des Adolf-Bender-Zentrums im Städtischen Museum Saarlouis im Oktober besucht.