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Klage in Saarlouis: Gedenktafel ehrt deutsches Maschinengewehr

Klage in Saarlouis : „Schandmal“: Warum ehrt Gedenktafel ein deutsches Maschinengewehr aus dem Zweiten Weltkrieg?

Über Jahre fast unbemerkt hing eine Gedenktafel im Saarlouiser Stadtgarten. Sie erinnert an den Zweiten Weltkrieg, aber nicht an die Opfer. Was es damit auf sich hat und warum nun Klage droht.

Viele Jahre weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit hing eine Gedenktafel zum Zweiten Weltkrieg im Stadtgarten Saarlouis, an der Festungsmauer nahe der Holtzendorffer Straße. Eines von vielen Kriegerdenkmalen, könnte man denken. Doch bei genauerer Betrachtung werden hier nicht Tote der Weltkriege geehrt, sondern das MG (Maschinengewehr) Bataillon 13 für seine Einsätze im Zweiten Weltkrieg in Dänemark, Norwegen, Russland zwischen 1938 und 1945.

Ein „Schandmal“, findet Gilbert Kallenborn, er will, dass es verschwindet: Gegen die „Glorifizierungstafel für die Einsätze des MG Bataillon 13 in völkerrechtswidrig überfallenen Ländern“ hat der Dillinger Klage eingereicht, die sich inzwischen gegen den Landkreis als Grundstückseigner richtet (die SZ berichtete). „Allein aufgrund der Bewaffnung mit Maschinengewehren war dies eine der verheerendsten Vernichtungseinheiten“, betont Kallenborn.

Er hält es nicht nur für unangebracht, die Kriegseinsätze mit vielen Toten zu verherrlichen. Kallenborn hebt hervor, dass die Tafel nicht hätte an der denkmalgeschützten Festungsmauer angebracht werden dürfen. Dass hierfür keine Genehmigung erteilt wurde, wurde ihm schriftlich bestätigt; weder dem Landesdenkmalamt noch der Untere Denkmalschutzbehörde der Kreissstadt Saarlouis ist ein Antrag hierzu bekannt. Auch wird die Tafel selbst nicht in der Denkmalliste geführt. Als „Kunst im öffentlichen Raum“ wird sie jedoch im Kunstlexikon Saar des Instituts für aktuelle Kunst in Saarlouis gewürdigt: hierzu ist vermerkt „unbekannter Urheber, entstanden nach 1955, vermutlich nach der Saarabstimmung“.

Wer einst die Anbringung der Tafel organisiert und durchgeführt hat, geht aus den bisher vorliegenden Unterlagen nicht hervor. Recherchen ergaben indes durchaus Erstaunliches: Die Tafel hängt nicht etwa seit rund 60 Jahren an dieser Stelle. Sie wurde, wie auch ein Zeitungsartikel dazu belegt, erst Ende September 1981 angebracht – im festlichen Rahmen einer „Wiedersehensfeier“, unter Teilnahme „einer beachtlichen Anzahl“ ehemaliger Soldaten aus diesem Bataillon aus „allen Bundesländern“. Als Ehrengast waren unter anderem der damalige Saarlouiser Bürgermeister Willi Jakob und Dechant Heidger zugegen, außerdem Vertreter der Bundeswehr, der Arbeitsgemeinschaft Traditionsverbände, des Bundes Deutscher Fallschirmjäger sowie der Verbände Deutscher Soldaten und Deutsches Afrika-Korps, listet der Artikel der Saarbrücker Zeitung vom 3./4. Oktober 1981 auf. Die Feier wurde „von dezenter Musik umrahmt“ und man „verbrachte noch einige schöne Stunden“, in Erinnerung an die alte Kameradschaft, heißt es.

Enthüllt wurde die Tafel dann im Anschluss an einen Gottesdienst im Stadtpark, durch Dr. Edi Fries, eingesegnet wurde sie durch Oberstudienrat Werner Recktenwald. Der Vorsitzende des MG Bataillons 13, Rudi Borreck, überreichte bei einem Empfang dem damaligen Oberbürgermeister Manfred Henrich eine „Dankurkunde“ für die Unterstützung, eine weitere ging an die Bundeswehrgarnison Saarlouis – soweit der Bericht.

 Die Gedenktafel hängt an einer Festungsmauer in Richtung Gymnasium am Stadtgarten, nahe der Holtzendorffer Straße.
Die Gedenktafel hängt an einer Festungsmauer in Richtung Gymnasium am Stadtgarten, nahe der Holtzendorffer Straße. Foto: Nicole Bastong

Ob die Tafel nun hängenbleibt oder nicht, ist nicht entschieden: Der Landkreis hat in einer Stellungnahme bei Gericht Mitte November beantragt, die Klage gegen die „militärische Gedenktafel“ abzuweisen. Allerdings unabhängig von der eigentlichen Frage, ob sie rechtswidrig angebracht worden ist, dies werde hausintern geprüft. Sondern vor allem, weil Kallenborn als „nicht persönlich Betroffener“ hier kein Klagerecht habe, geht aus dem Schriftsatz hervor, der der SZ vorliegt. Der Landkreis sei bisher davon ausgegangen, dass die Tafel Bestandteil der denkmalgeschützten Gesamtanlage sei; auf der Landesdenkmalliste von 2018 sei die Tafel explizit erwähnt. Für die Einordnung sei aber das Landesdenkmalamt zuständig. Ausdrücklich verschließt sich aber der Kreis nicht der „Entfernung, Beseitigung oder Überdeckung“ der Tafel – sofern es sich „tatsächlich um ein rechtswidriges Objekt“ handele. Angeführt wird auch, dass ein Schülerprojekt dazu geplant sei. Auch der Kreis bemängelt, wie zuvor die Stadt Saarlouis, dass es „für den Kläger einfachere, schnellere und billigere Wege“ gegeben hätte als die Klage. Kallenborn zeigt sich damit nicht zufrieden, er will weiter für die Entfernung der Tafel klagen. Landrat Patrik Lauer selbst fordert er in einem Schreiben auf, die „ersatzlose Entfernung der Naziarmee-Gedenktafel“ zur „Chefsache“ zu machen.