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Rettermarkt Rettich öffnet in Saarlouis gegen Lebensmittelverschwendung

„Rettermarkt Rettich“ : Neuer Laden in Saarlouis seit Samstag eröffnet – mit besonderem Konzept

In Saarbrücken hat sie schon Erfolg, jetzt kommt sie nach Saarlouis: Seit Samstag bietet Fabienne Ebertz in ihrem Laden in der Augustinerstraße hochwertige Lebensmittel außerhalb der Norm an.

Lebensmittel vor der Tonne retten und gleichzeitig Gutes für alle günstig anbieten: Das ist der Ansatz, den Fabienne Ebertz mit ihrem „Rettermarkt Rettich“ verfolgt. In Saarbrücken betreibt die 27-Jährige seit August 2020 ihren ersten Retter-Markt – erfolgreich, denn in Saarlouis eröffnete am Samstag, 4. Dezember, der zweite.

Der Name ist Programm: Ebertz verkauft in ihrem Laden zu einem geringen Preis Lebensmittel, die woanders nicht verkauft wurden oder nicht im Regal landen, aber die viel zu schade für den Mülleimer sind, eben gerettet wurden. Das sind hochwertige Lebensmittel, die aber nicht der Norm entsprechen, etwa Eier in Größe S, Möhren oder anderes Gemüse mit Schönheitsfehlern, aber auch aussortierte Waren wie Konserven mit Dellen, aus dem Sortiment genommene Nudeln oder Saftflaschen mit fehlendem Etikett, bis hin zu Backwaren vom Vortag.

Bei den Herstellern, Supermärkten, Einzelhändlern oder Bäckereien holt ihr Team ab, was noch gute Qualität hat, aber nicht mehr in den Verkauf geht. „Diese Produkte würden normalerweise im Müll laden. So nehmen wir sie“, erklärt Ebertz. Nachhaltigkeit ist der jungen Inhaberin besonders wichtig, darüber redet sie auch täglich viel mit den Kunden: „Lebensmittelverschwendung ist einfach ein Thema. Und es kommen auch viele Nachfragen dazu, wir erklären viel und sensibilisieren.“

Was der Laden täglich im Angebot hat, ändert sich: „Wir posten über Social Media jeden Tag das Backwarensortiment, auch was wir sonst neu hereinbekommen haben“, sagt Ebertz. Das kann auch mal Shampoo sein oder eine größere Menge Schnittblumen. Haltbares wie Marmeladen, auch eigene, Senf, Säfte oder Nudeln stehen schon in den Regalen. Die Ware erhält Ebertz zum Teil kostenlos von Herstellern, lokal oder überregional, von Bauern oder vom Großmarkt, zum Teil kauft sie selbst mit Preisnachlass ein. „An die Kunden geben wir die Produkte 70 bis 80 Prozent unter dem Normalpreis ab. Wir wollen damit nicht den Einzelhandel unterbieten. Aber wir wollen auch zeigen:  Das ist noch was wert, das gehört nicht in die Tonne“, betont Ebertz. „Und so können es sich auch Leute mit geringem Einkommen leisten.“ Mit der Organisation Foodsharing arbeitet sie in beiden Läden zusammen, dabei retten wiederum Ehrenamtliche das, was nicht mehr verkauft wurde.

Die Kundschaft ist vielfältig, hat die Inhaberin in Saarbrücken schon erfahren: „Von Schüler und Studenten sowie Rentnern mit kleinem Geldbeutel bis hin zu Leuten, die sagen, wir finden cool, was ihr macht, ich will euch unterstützen“ sei alles dabei. Und der Laden läuft gut, ergänzt sie bescheiden: „Wir können uns nicht beschweren. Es geht in der Regel fast alles weg.“ Mit einer Aushilfe hat die Gründerin angefangen, mittlerweile braucht sie fünf.

Ebertz ist in Nürnberg geboren, hat in Stuttgart Verpackungstechnik studiert, wohnt in Saarbrücken. Dort sitzt ihr Rettermarkt, der als Start-up-Idee begann, mitten im Nauwieser Viertel. Auch in der Saarlouiser Innenstadt einen Laden zu eröffnen, war schon seit August geplant, dann war auch die Suche nach einem passenden Ladenlokal erfolgreich: In der Augustinerstraße 11, in der ehemaligen Galerie Walzinger, eröffnet der Rettermarkt nun auf rund 80 Quadratmetern, nahe dem Großen Markt und passenderweise um die Ecke zum „Unverpackt“-Laden, dem Ebertz inhaltlich wie persönlich verbunden ist. „Ich bin mir sicher, dass wir hier in Saarlouis auch unser Publikum finden. Und ich freue mich auf die Kunden.“

Zum Laden gehört neben dem Verkaufsraum auch eine gemütliche Kaffeeecke, mit geretteten Möbeln selbstverständlich, mit zehn Sitzplätzen, in der Kaffee und Tee sowie Kaltgetränke oder Backwaren aus dem Sortiment verzehrt werden können. Auch eine Kartoffelsuppe aus gerettetem Gemüse gibt es seit neuestem, gekocht im Restaurant von Ebertz’ Schwester, dem „Café Luuc“ in Saarbrücken, erzählt sie, die kann vor Ort gelöffelt oder auch in mitgebrachten Gefäßen mit nach Hause genommen werden.

Ihr persönliches Erfolgserlebnis: „Dass wir inzwischen einige Stammkunden haben, die einfach überzeugt sind. Und dass wir schon mehr als 140 000 Produkte vor der Tonne gerettet haben!“ Im Geschäft zeigt ihr „Rettometer“ stets den aktuellen Stand an. Dass ihr Laden auch in Saarlouis sein Publikum findet, da ist Ebertz zuversichtlich: „Am Anfang haben alle gesagt: Das geht doch nicht, das kauft doch keiner. Und dann ging es doch ganz gut“, lächelt sie.

Geöffnet ist der Rettermarkt Rettich montags von 15 bis 19 Uhr, dienstags bis freitags, je von 10 bis 19 Uhr, samstags von 10 bis 17 Uhr.

www.rettermarktrettich.de