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Saarlouis: Klage gegen Gedenktafel für Wehrmacht-Bataillon

Kriegerdenkmal oder Schandmal? : Streit um Steintafel - Saarlouiser klagt gegen Gedenktafel für Wehrmachts-Bataillon

Wegen der Gedenktafel für das MG Bataillon 13 in Saarlouis hat ein Bürger Klage eingereicht.

Von vielen unbeachtet hängt seit gut 60 Jahren im Stadtpark von Saarlouis an der historischen Festungsmauer eine Steintafel, eine Art Kriegerdenkmal für das Maschinengewehr-Bataillon (MG) 13, eine Einheit der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg, die in der Saarlouiser Graf-Werder-Kaserne saß. Doch um diese gibt es nun Streit: Ist es ein Kriegerdenkmal, wie es sich in vielen Orten findet, oder wird hier eine Wehrmachtseinheit im todbringenden Weltkrieg verherrlicht?

Das Kunst-Lexikon Saar listet die Gedenktafel auf als „Kunst im öffentlichen Raum“, mit unbekanntem Urheber, „entstanden nach 1955, vermutlich nach der Saarabstimmung“. Und weiter: „Die in Hochrelief geschnittene Steinplatte befindet sich an der Festungsmauer des Hornwerks. Sie erinnert an die Gefallenen des Maschinen-Gewehr-Bataillons Nr. 13, das zu Beginn des Zweiten Weltkrieges aus dem Jäger-Regiment zu Pferde Nr. 13 hervorgegangen war.“ Sie trägt die Inschrift: „MG BTL. 13 Saarlouis, Einsatz in Dänemark, Norwegen, Russland, 1938 - 1945“.

Ein „Schandmal der politisch Verantwortlichen der Stadt Saarlouis“ nennt es hingegen Gilbert Kallenborn aus Dillingen. Er hat Klage gegen die Stadt Saarlouis eingereicht und will, dass die Tafel entfernt wird. Dass deutschen Soldaten „und derer Einsätze im völkerrechtswidrigem Angriffskrieg“ gedacht werden soll, ist für ihn „unerträglich“. Die Stadt Saarlouis dulde in aller Öffentlichkeit die „Ehrentafel für diese Massenvernichtungseinheit und deren Beteiligung an der Verwüstung Europas“, meint Kallenborn. „Allein aufgrund der Bewaffnung mit Maschinengewehren war dies eine der verheerendsten Vernichtungseinheiten.“

Für ihn wird damit das Verbrechen der Nazi-Zeit verherrlicht, er geht auch davon aus, dass die Tafel nach der Besatzungszeit durch die Franzosen von Nazis angebracht worden ist. Der Soldat mit Stahlhelm im Profil und das Eiserne Kreuz mit Eichenlaub sind für ihn deutliche Verweise auf nationalsozialistische Symbole und Inhalte, führt er weiter aus.

Jüngst wurde die Tafel mit Farbe bespritzt – für Kallenborn ein Hinweis darauf, dass sich noch weitere Bürger an dieser Art von Gedenken stören.

Seit Mai ist beim Verwaltungsgericht ein Verfahren anhängig, das klären soll, ob diese Tafel im öffentlichen Raum hängen darf. Kallenborn hat außerdem einen Beweisantrag gestellt: „Das Gericht möge herausfinden, wer diese Tafel überhaupt angebracht hat, wahrscheinlich gab es nie eine Genehmigung“, vermutet er, „zumal sie an der historischen und geschützten Festungsmauer hängt.“

Die Stadt Saarlouis bestätigt, dass ein Rechtsstreit in dieser Sache läuft. Allerdings teilt der Sprecher der Stadt, Sascha Schmidt, mit: „Wir sind der Auffassung, dass sich die Klage gegen den falschen Beklagten richtet. Die Stadt ist nicht Eigentümerin des Grundstücks, auf dem sich die Platte, die mit der Maueranlage verbunden ist, angebracht ist.“

Mehrfach habe die Verwaltung den Kläger darauf hingewiesen, dass die Tafel nicht in Verantwortlichkeit der Stadt liege; man bedauere auch, dass dieser kein Gespräch gesucht habe, „um solche Missverständnisse aufzuklären“, erklärt Schmidt in der Stellungnahme. Und: „Daneben sieht die Stadt auch eine Reihe weiterer Punkte, weshalb die Klage wenig Aussicht auf Erfolg hat.“

Das Gelände befindet sich in Besitz des Landkreises, da dieser Schulträger des benachbarten Gymnasiums am Stadtgarten ist. Von der Klage ist beim Landkreis bisher nichts bekannt, teilte dieser auf Anfrage mit.

Aber die Pressestelle bestätigt: „Die Tafel hängt an der Wallmauer, die das Areal des Stadtgartengymnasiums umschließt, sie befindet sich also auf dem Gelände des Landkreises. Die Mauer steht mit dem gesamten Festungsareal unter Denkmalschutz.“

 Die Gedenktafel für das MG Bataillon 13 in Saarlouis
Die Gedenktafel für das MG Bataillon 13 in Saarlouis Foto: Gilbert Kallenborn

Ob man vorhabe, die Gedenktafel kritisch zu überprüfen und eventuell auch abzuhängen, lässt der Kreis offen: „Das weitere Vorgehen wird gegebenenfalls geprüft.“