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Saarlouis: „Sahnestückchen“ wird jetzt zum neuen Stadtquartier in Saarlouis

Letztes großes unbebautes Grundstück in zentraler Lage : „Sahnestückchen“ in Saarlouis wird zum neuen Stadtquartier

Das Areal mitten in der Innenstadt wird sogar noch größer werden als ursprünglich vorgesehen – so ist der Stand der Planungen.

Es soll der große Wurf in Sachen Stadtentwicklung werden: Mitten in der Saarlouiser Innenstadt soll ein neues Quartier entstehen, das nachhaltige und moderne Ideen zu Bauen, Wohnen und Arbeiten vereinen soll. So sieht die noch recht vage Vision der schwarz-grün-gelben Stadtratskoalition aus für ein großes Gelände im Stadtzentrum, die durch neue Entwicklungen nun an Fahrt aufnimmt: Mittelpunkt ist das Parkplatz-Areal zwischen Lisdorfer Straße und Walter-Bloch-Straße, etwa 1,4 Hektar groß und im städtischem Besitz, ein „städtebauliches Saarlouiser Sahnestückchen“ und außerdem auch das letzte große unbebaute Grundstück in zentraler Lage. Die Diskussion darüber, was man mit dieser Freifläche machen könnte, schlug politisch Ende 2019 hohe Wellen, als OB Peter Demmer dem Stadtrat plötzlich die Pläne einer Immobilienbaugesellschaft zur Abstimmung vorlegte, die vorhatte, dort drei große Gebäude aufzuziehen unter anderem mit Dutzenden Wohnungen, einem großen Aldi- und Rewemarkt und einem Pflegeheim. Man war sich damals einig, dass ein Konzept für das „Walter-Bloch-Quartier“ breit diskutiert und gut durchdacht sein sollte.

Entsprechend hatte der Stadtrat auf Antrag der Koalition im Dezember 2019 eine Konzeptvergabe für das Walter-Bloch-Quartier beschlossen.  Sie sieht vor, dass für die „städtebaulich sehr hochwertige Fläche“ nach deutschlandweiter Ausschreibung die beste Idee ausgesucht werden soll; auch angrenzende große Bauprojekte sollen dabei berücksichtigt werden.

Viel getan hatte sich seitdem in der Sache nicht mehr, aber nun gibt es eine neue Entwicklung: Zunächst hat die Stadt mit der Kreissparkasse und einer privaten Eigentümergemeinschaft notariell einen Vergleich geschlossen, der ermöglicht, dass das baufällige und leer stehende Parkhaus in der Lisdorfer Straße, in dem zuletzt noch das Juz Utopia und das Kinder-, Jugend- und Familienhaus der Stadt untergebracht waren, abgerissen werden kann. Entweder von der Stadt selbst oder von einem möglichen Investor, der dann dort etwas Neues bauen würde – das ist noch nicht beschlossen. Dieses Parkhaus-Gelände könnte aber nun integriert werden in die Pläne für das gegenüberliegende Walter-Bloch-Quartier.

Und überraschend kam noch ein weiteres, wirklich großes Gelände dazu, das in diese Planung aufgenommen werden könnte: Das ehemalige „Blumen Marion“-Areal, das von inexio für einen großen Neubau angekauft worden war; allerdings hatte inexio im Frühjahr seine Pläne geändert (die SZ berichtete) und stellt das satte 5,7 Hektar große Gelände wieder zur Verfügung.

„Wir haben hier die Riesenchance, zentral in der Stadt ein neues Quartier zu entwickeln“, erklärt CDU-Fraktionsvorsitzender Raphael Schäfer. Und diese Chance will er mit seinen Bündnispartnern Grüne und FDP nicht ungenutzt lassen: Die Koalition hat nun zum einen die Aufstellung eines Bebauungsplans für das „Blumen Marion“-Gelände beantragt, um dort einer anderen Nutzung vorzubeugen. Dies wurde im Juli einstimmig vom Stadtrat beschlossen.

Der Beschluss sieht vor, bei dem großen, überwiegend unbebauten Gelände zwischen Lisdorfer Aue und Innenstadt, das bisher als faktisches Gewerbegebiet eingestuft war, als Stadt durch einen Bebauungsplan die künftige Nutzung mitzubestimmen. „So kann die Kreisstadt ihre kommunale Planungshoheit durch die Bauleitplanung wahren und selbst die Zielrichtung für die städtebauliche und gestalterische Entwicklung mitbestimmen“, heißt es im Antrag der Koalition. „Wir wollen damit klar machen, dass wir als Stadt dort Ideen und Vorstellungen haben“, ergänzte Schäfer: Man könne das Gelände entweder selbst kaufen oder mit einem Investor gemeinsam entwickeln. Eine Wohnbebauung sei aber ausgeschlossen, hieß es in der Stadtratssitzung dazu. „Für uns ist es enorm wichtig, diese Ecke auf lange Sicht zu entwickeln“, sagte Gerald Purucker, Fraktionsvorsitzender der Grünen dazu, „auch unter Beachtung der Verkehrssituation.“ Diese soll ein Gutachten aufschlüsseln.

Die Koalition im Rat will nun eine Arbeitsgruppe gründen, um gemeinsam mit dem Stadtrat und der Verwaltung die Parameter zusammenzutragen, die in der Konzeptvergabe dann entscheidend sein sollen; von nachhaltigem Bauen über autofreie Straßen bis Coworking-Spaces gibt es schon einige Vorstellungen. Auf dem Gelände „Blumen Marion“ könnte etwa ein neues Parkhaus entstehen, um den Wegfall der derzeit 500 Stellplätze am Walter-Bloch-Gelände und der weiteren im abzureißenden Parkhaus aufzufangen. „Wir wollen eine Gesamtlösung und der beste Vorschlag soll den Zuschlag erhalten“, fasste Schäfer zusammen.