1. Saarland
  2. Saarlouis
  3. Saarlouis

Traditions-Gesch?ft L. Marx in Saarlouis schlie?t nach 174 Jahren

Handarbeiten-Gesch?ft ?L. Marx? hat geschlossen : 174 Jahre Familientradition enden in Saarlouis

Von Metzer Rahmk?se ?ber??T?ndel-Sch?rzen? bis Kurzwaren und Spitze: In 174 Jahren hat das bekannte Gesch?ft ?L. Marx? viel angeboten. Nahezu unbemerkt hat der Traditionsladen in der Fu?g?ngerzone nun w?hrend des Corona-Lockdowns seine T?r geschlossen.

Aufrecht, aber etwas verloren steht B?rbel Marx zwischen den leeren Holzregalen und der massiven Ladentheke aus den F?nfziger Jahren. Hier hat sie schon als Kind gehockt, als Studentin ausgeholfen und die letzten 27 Jahre t?glich gearbeitet. Nun r?umt sie den Laden leer. Der Name ?L. Marx? prangt zwar noch in goldenen Lettern an der Fassade ihres Elternhauses mitten in der Franz?sischen Stra?e in Saarlouis. Doch der Fachhandel f?r Handarbeiten und Textilkurzwaren ist geschlossen ? nach 174 Jahren Firmengeschichte.

Um sie herum stehen noch ein paar St?nder mit Stickgarn, Tischdecken, Wandteppichen. Dutzende von Schubl?dchen gab es f?r die verschiedenen Stick- und N?hgarne, H?kel- und Stricknadeln. ?Mit Tusche von Hand beschriftet? sind die kleinen Schildchen, einzeln festgenagelt, berichtet die kleine, schmale Frau, ?das hat alles noch mein Vater gemacht.? Mit der Hand streicht Marx ?ber das alte, glatte Holz, das Jahrzehnte ?berdauert hat. Echte Wertarbeit eben. ?Es war mir ein Herzensanliegen, dass die Einrichtung weiterverwendet wird?, betont B?rbel Marx. Und tats?chlich hat sie einen K?ufer gefunden, der die komplette Ladeneinrichtung woanders wieder aufbauen will. Wo, darf sie noch nicht verraten.

Schlie?ung erfolgte nahezu unbemerkt

Ihr Vater Herbert Marx, seine Frau Marlies und seine Schwester Gerda hatten den Familienbetrieb 1958 ?bernommen. Seit 1847 gab es das Gesch?ft der Familie Marx in der Innenstadt (siehe Chronik), mitten in der Fu?g?ngerzone; es ist aus dem Stadtbild kaum wegzudenken. Die Chronik des Gesch?fts hat der Mann von B?rbel Marx, Christoph Dutt, zum 150-j?hrigen Bestehen zusammengefasst. Am 31. Dezember 2020 hatte die Familie den Laden, wegen des Corona-Lockdowns nahezu unbemerkt, geschlossen. Die Firma ist damit erloschen.

?Immer noch fast t?glich klopft jemand an der Ladent?r oder ruft an, ob wir nicht mehr ge?ffnet haben?, berichtet B?rbel Marx. Viele R?ckmeldungen ihrer Stammkunden hat sie in den vergangenen Monaten bekommen, ?das ist sch?n, macht aber auch traurig?. Manche Anrufe und pers?nliche Gespr?che haben sie zu Tr?nen ger?hrt?? besonders der Brief einer langj?hrigen Stammkundin aus England, erz?hlt sie. Ihr selbst und besonders der 91-j?hrigen Mutter ? die bis zuletzt Inhaberin war?? fiel der Abschied vom Gesch?ft sehr schwer. ?Das ist ja auch ein Lebenswerk.? Warum sie schlie?en mussten? Ein Zusammenspiel von ?Altersgr?nden und Krise?, erkl?rt Marx.

Im Schaufenster hat Marx einen Teil der restlichen Best?nde zum Verschenken ausgelegt:??Bei mir wird nichts weggeworfen?. Das Ladenlokal im Haus der Familie m?chte sie dagegen gerne weitervermieten, ?aber nicht an Ketten oder Filialen, es soll nach M?glichkeit ein inhabergef?hrtes Gesch?ft sein?, w?nscht sich B?rbel Marx. ?Denn davon gibt es ja immer weniger.? Interessenten gibt es f?r den Laden genug, doch bei der Auswahl l?sst sich die Familie Zeit.

Von der Damenw?sche zur Tischdecke

Im Laufe der vielen Jahrzehnte hat sich das Angebot deutlich ver?ndert, davon zeugen die zahlreichen Werbeanzeigen, von denen Marx Mann, Christoph Dutt, Collagen erstellt hat. Den Beginn machten Gemischtwaren mit Spezialit?ten wie Metzer Rahmk?se und Limonade, seit 1887 gab es vor allem Damenw?sche: Umhangt?cher, ?T?ndelsch?rzen? und ?Damen-Besatzartikel?. Sp?ter waren auch Wandbeh?nge im Angebot, Handschuhe, Krawatten, auch mal Christbaumschmuck, bis schlie?lich Handarbeitsbedarf und Tischw?sche dazukamen. ?Manches bekam man nur hier: Plauerner Spitze etwa oder eigens zugeschnittene Tischdecke aus Meterware, mit Borte besetzt.?

Online-Handel und Corona sorgt f?r leere Kasse

Doch das Angebot von hochwertigen Platzdeckchen, bestickten Servietten, Handt?chern mit Spitze oder Damast-Tischdecken war in den vergangenen Jahren immer weniger gefragt. Vieles ist aus der Mode gekommen. ?Die Nachfrage war schon eine Weile r?ckl?ufig?, bedauert Marx. Die klassische Aussteuer hat man nicht mehr. Auch wenn Handarbeiten, wie etwa N?hen und Sticken, M?tzenh?keln oder Makramee, auch schon vor Corona, einen neuen Trend erlebten, wei? Marx: ?J?ngere kaufen vor allem im Internet und dann noch zu Preisen, mit denen wir als Fachhandel nicht mithalten k?nnen.?

Durch Corona wurde der Absatz nochmals ausgebremst, schildert sie. ?Zu Weihnachten h?tten wir sicher noch einiges abverkaufen k?nnen.? Dazu kam schlie?lich noch der Umstand, dass die beiden Angestellten im Laden, ?die ihr komplettes Berufsleben bei uns verbracht haben?, wie Marx erz?hlt?? und auch in ihrer Rente immer noch aushalfen?? endg?ltig aufh?ren wollten. Und so fiel die Entscheidung, aufzuh?ren.

?Von einigem kann ich mich nicht trennen?

Ungeplant stieg sie 1994 ganz ins Gesch?ft ein, weil die Diplom-Biologin zun?chst keinen Job fand. ?Und es war nat?rlich auch ein bisschen der Familienstolz.? Marx hatte Kunden aus der ganzen Region, vom Saarbr?cker Raum bis Frankreich und Luxemburg, erz?hlt sie. Und so hat sie sogar ihr Faible f?r die luxemburgische Sprache entdeckt und sie selbst gelernt, ?das hat die Kunden sehr ?berrascht und gefreut?, sagt sie bescheiden.

Seit Monaten r?umt sie nun aus. Der Abschied f?llt schwer. Manches von dem, was noch im Lager liegt, will Marx in den privaten Bestand ?bernehmen: ?Da bin ich noch nicht ganz fertig mit Sortieren, von einigem kann ich mich nicht trennen.? Zumal Handarbeiten auch schon immer zu ihren Lieblingsbesch?ftigungen? geh?rten, verr?t sie. Unz?hlige Ausstellungsst?cke hat sie selbst gefertigt. Schon als Kinder haben sie und ihre Schwester sich im Laden mit kleinen Arbeiten etwas dazuverdient. ?H?keln, Stricken, Sticken, das hab ich manchmal stundenlang am Abend gemacht. So habe ich Arbeit und Hobby verbunden?, erz?hlt sie und lacht. ?Und man muss ja wissen, was man da verkauft.?

Auch deshalb ist sich Marx ist sicher: Ein eigener Online-Shop h?tte das Gesch?ft auch nicht retten k?nnen, weil es ihrer Kundschaft um Beratung gehe und die fehle online einfach. ?Und ich mag den Kontakt zu den Menschen?, sagt sie und l?chelt. Den wird sie auch ohne den Laden nun wieder mehr pflegen k?nnen: ?Durch die Arbeit habe ich pers?nliche Kontakte doch auch vernachl?ssigt, daf?r ist jetzt wieder mehr Zeit.?

Hier geht es zur Bilderstrecke: Traditionsgeschäft „L.Marx“ aus Saarlouis schließt für immer seine Türen