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Direktkandidat der ÖDP sieht für seine Partei gute Chancen zur Bundestagswahl

Direktkandidat der ÖDP zur Bundestagswahl : „Wir sind eine neue Kraft im Saarland“

Nach dem Listen-Dilemma bei den Grünen hofft die ÖDP im Saarland auf zusätzliche Wählerstimmen. Im SZ-Gespräch erklärt der Direktkandidat des Wahlkreises Saarlouis, Philipp-Noah Groß, warum ein Einzug seiner Partei in den Bundestag für ihn durchaus im Bereich des Möglichen liegt.

Herr Groß, 2019 sind Sie in die ÖDP eingetreten, nun sind Sie stellvertretender Landesvorsitzender. Ganz schön steile Karriere.

Groß Ich denke, das haben kleine Parteien so an sich, dass man da schneller in Führungspositionen kommt. Auch wenn wir mit rund 40 Mitgliedern im Saarland noch recht klein sind, sehe ich auf jeden Fall Potential für uns - wegen unseres inhaltlichen Engagements und weil wir eine neue Kraft im Saarland sind. Die Grünen haben sich zerstritten, auch deshalb suchen momentan viele Wähler nach einer ökologischen Alternative.

Was unterscheidet ihre Partei aber konkret von den Grünen?

Groß Ich sehe uns als konsequent-ökologische Kraft. Wenn die Grünen ihrem Selbstverständnis als ökologische Partei nicht nachkommen, sind wir in der Rolle, das zu kritisieren. Zudem stehen wir für direkte Demokratie, zum Beispiel für Volksentscheide auch auf Bundesebene, und haben schon erfolgreiche Volksbegehren in anderen Ländern gestartet.

In Ihrem Vorstellungsvideo fordern Sie, dass Deutschland bis 2035 klimaneutral werden soll. Wie realistisch ist das?

Groß Aus meiner Sicht ist die Frage aus der falschen Richtung gestellt. Politiker versuchen gerne Kompromisse auszuhandeln. Aber unser Planet verhandelt nicht. Wir müssen uns fragen: welche Schäden kommen auf uns, also auch auf unsere Wirtschaft zu, wenn wir den Klimaschutz nicht konsequent durchziehen? Durch die Klimakrise drohen uns unvorstellbare soziale Verwerfungen. Sozial gerechter, aber auch zügiger Klimaschutz ist also geboten.

Und wie soll das gehen?

Groß Wir befürworten unter anderem eine pro Kopf ausgezahlte Klimadividende. Das reicht aber als sozialer Ausgleich nicht - wir brauchen auch zielgerichtete Steuerentlastungen für Menschen mit niedrigen Einkommen.

Steuerentlastungen müssen ja aber irgendwo gegenfinanziert werden.

Groß Wir haben erlebt, dass der Spitzensteuersatz in den letzten Jahren stückweise reduziert wurde. Es macht keinen Sinn, dass die reichsten drei Prozent der Gesellschaft weniger Steuern zahlen müssen, während wir im Zuge der Klimakrise über soziale Ungerechtigkeiten reden. Indem man klimaschädliche Investitionen einstellt, kann man Steuergelder einsparen. Und auch wenn er nur einen kleinen Teil im Haushalt ausmacht – der Bundestag muss wirksam verkleinert werden.

Bei den Bundestagswahlen 2017 kam die ÖDP nur auf etwa 0,3 Prozent. Wie realistisch ist das, dass sich das nun ändert?

Groß Das entscheiden die Wählerinnen und Wähler. Ich denke aber, dass unsere Ideen gefragter sind als je zuvor. Auch weil wir wieder bundesweit antreten, halte ich es für möglich, dass wir in den Bundestag einziehen.