1. Saarland
  2. Saarlouis
  3. Schwalbach

Schwalbach: Kritik an Besuchsverbot über Weihnachten im Pflegeheim

Nach Corona-Ausbruch : Verbittert über Besuchsverbot im Pflegeheim

Das führt zu unfröhlicher Weihnacht: Wegen Corona-Fällen gelten harte Kontaktbeschränkungen im Pflegeheim. Gracierend, was das bei Bewohnern und Angehörigen bewirkt.

Das diesjährige Weihnachtsfest hat sich Christian Wilhelm eigentlich anders vorgestellt. Zusammen mit seinem Vater wollte er seine pflegebedürftige Mutter in Schwalbach besuchen, die dort seit rund einem halben Jahr Bewohnerin des Luise-Deutsch-Hauses ist, einer Senioren- und Pflegeeinrichtung der Stiftung Kreuznacher Diakonie. Doch seit dort vor kurzem mehrere Bewohner und Mitarbeiter positiv auf das Corona-Virus getestet worden sind, herrscht in der Einrichtung auf Anordnung des Gesundheitsamtes und der Ortspolizeibehörde von Schwalbach ein striktes Besuchsverbot – und das noch mindestens bis zum 29. Dezember, also auch über die Weihnachtsfeiertage. Dass dies grundsätzlich für alle Bewohner und deren Angehörige gilt, kann Wilhelm nur bedingt nachvollziehen.

„Das sieht für mich nach einer resoluten, vereinfachten Festlegung aus“, kritisiert der 47-Jährige. Während der ersten drei Corona-Wellen sei dies durchaus noch üblich gewesen, doch seien die heutigen Rahmenbedingungen „ganz anders“. Fast alle Heimbewohner seien mittlerweile geimpft, die meisten sogar bereits geboostert. Zudem schreibe das Infektionsschutzgesetz eindeutig vor, dass die Schutzmaßnahmen „nicht zur vollständigen Isolation von einzelnen Personen oder Gruppen führen“ dürfen. Laut Gesetzestext muss zudem „ein Mindestmaß an sozialen Kontakten“ gewährleistet bleiben (IfSG §28a (2)).

Diese seien auch gegeben, wie der für das Kreis-Gesundheitsamt zuständige Landkreis Saarlouis auf Nachfrage unserer Zeitung betonte. Keiner der negativ getesteten Bewohner müsse „24 Stunden in seinem Zimmer verbringen“, heißt es. Auch könnte man sich frei in den jeweiligen nicht betroffenen Wohnbereichen bewegen. Nach Angaben des Kreis-Gesundheitsamtes sind von dem Corona-Ausbruch im Luise-Deutsch-Haus derzeit 18 Bewohner und sechs Mitarbeiter betroffen (Stand 15. Dezember). In allen Fällen handele es sich um sogenannte Impfdurchbrüche. Die neuartige und sich mittlerweile rasch ausbreitende Omikron-Variante sei jedoch in keinen der bisherigen Fälle nachgewiesen worden, wie es auf SZ-Anfrage heißt.

Monika Kolling, Leiterin des Geschäftsbereiches Seniorenhilfe der Stiftung Kreuznacher Diakonie und die Leiterin des Luise-Deutsch-Hauses, Edeltraut Dörr, haben dennoch Verständnis für den Unmut über die getroffenen Maßnahmen. „Im Alltag einer Senioreneinrichtung zeigt sich, wie wichtig Besuche für unsere Seniorinnen und Senioren sind, welche Folgen eine solche Phase der Isolation hat. Wir müssen uns aber an die gesetzlichen Regelungen halten, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Wir haben Verständnis dafür, dass sich die Angehörigen um ihre Lieben im Seniorenheim sorgen. Unsere Mitarbeitenden vor Ort tun alles dafür, um die Bewohnerinnen und Bewohner vor einer Infektion zu bewahren. Ihr Leben gilt es zu schützen“, erklären die beiden in einer gemeinsamen Stellungnahme mit dem Kreis-Gesundheitsamt auf eine entsprechende SZ-Anfrage.

Neben dem Besuchsverbot werde demnach auch auf Kontaktreduzierungen, eine Trennung der positiv getestete Personen von den Nichtinfizierten sowie auf regelmäßige Testungen gesetzt. „Aktuell werden bei Bewohnerinnen, Bewohnern und den Mitarbeitenden zusätzlich PCR-Tests durchgeführt“, erklärt Monika Kolling. Neben speziellen Hygieneschulungen für das Pflegepersonal verweist die Stiftung auch auf ihre engmaschige Teststrategie. Geimpfte Bewohnerinnen und Bewohner würden demnach einmal wöchentlich per PoC-Antigen-Schnelltest getestet, ungeimpfte zweimal. Bei den geimpften Mitarbeitenden erfolge mindestens zweimal pro Woche ein Test, ungeimpfte würden täglich getestet.

Das Kreis-Gesundheitsamt wie auch Dr. Michael Sicker, der leitende Hygiene-Experte der Stiftung Kreuznacher Diakonie, verwiesen zudem darauf, dass auch geboosterte, aber hochbetagte Bewohnerinnen und Bewohner vor lebensgefährdenden Covid19-Verläufen nicht zu 100 Prozent geschützt sind. Eine Ausnahme von dem Besuchsverbot gebe es nur für den Fall, dass sich ein Angehöriger in seiner Sterbephase befinde. Doch auch in diesem Fall müssten für alle Beteiligten entsprechende Schutzvorkehrungen – wie etwa passende Schutzkleidung und ein vorheriger Antigen-Schnelltest – getroffen werden.

Christian Wilhelm ist dennoch unzufrieden mit dem Vorgehen der Verantwortlichen, welches er als „unmenschlich, unethisch, unchristlich“ empfindet. „Das hätte ich nach 22 Monaten Corona nicht mehr erwartet“, sagt der 47-Jährige.