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Trotz hoher Corona-Zahlen: Offene Kita-Gruppen sorgen für Kritik

Keine Testung von Kindern unter drei Jahren : „Politisches Versagen“: Eltern kritisieren gemischte Krippen-Gruppen in Kitas trotz hoher Corona-Zahlen

Krippenkinder sind von den regelmäßigen Corona-Tests in den saarländischen Kitas bisher ausgenommen. Dennoch sieht das Gesundheitsministerium auch hier offene Gruppen vor. Dies ruft jetzt verärgerte Eltern auf den Plan.

Für viele berufstätige Eltern hieß es aufatmen, als das saarländische Gesundheitsministerium Anfang Oktober seine Hygieneempfehlungen für die Kitas wieder gelockert hatte. Seitdem können Erzieherinnen und Erzieher wieder in mehreren Gruppen eingesetzt werden und auch die sogenannte Randzeitenbetreuung – also der Betreuung der Kinder auch außerhalb der regulären Öffnungszeiten – ist durch die Aufhebung der Betreuung in geschlossenen Gruppen seitdem wieder möglich.

Krippenkinder von Testregime in Kindertagesstätten ausgenommen

Gleichzeitig gilt in den Kitas ein strenges – wenn auch freiwilliges – Testregime. Dieses sieht vor, dass alle Kinder über drei Jahren zweimal in der Woche mittels sogenannten Lolli-Test auf eine mögliche Corona-Infektion getestet werden sollen. Kinder bis drei Jahre – also der gesamte Krippenbereich – sind von den Testungen allerdings ausgenommen. Und genau das sorgt angesichts der stark steigenden Zahl von Corona-Fällen an den Kitas jetzt bei betroffenen Eltern für Unverständnis.

„Mir kommt das so vor, als hätte die Politik die Allerkleinsten vergessen“, kritisiert etwa die aus Schwalbach stammende Katrin Boßmann, Mutter einer zweijährigen Tochter. Erst kürzlich habe es einen Corona-Fall in der Kita ihrer Tochter gegeben, woraufhin alle Krippenkinder für zehn Tage in Quarantäne gemusst hätten, da aufgrund der nun wieder möglichen Durchmischung der Gruppen ein Kontakt nicht ausgeschlossen werden könne.

RKI geht von Untererfassung von Neuinfektionen aus

Dass diese Gruppenmischung im Krippenbereich stattfindet, kann die Schwalbacher Mutter nicht verstehen. Vor allem, da das Robert-Koch-Institut von einer Untererfassung von Corona-Infektionen bei Krippenkindern ausgeht. Zudem hatte das Landesjugendamt im September die Eltern erst in einem Schreiben über verschärfte Hygienemaßnahmen an den Kitas informiert. So war nach den damaligen Plänen unter anderem noch eine Betreuung in festen Gruppen vorgesehen.

Diese Empfehlung sei vor dem Hintergrund der damals steigenden Inzidenz nach den Sommerferien sowie „eines zu diesem Zeitpunkt nicht vorhandenen Testregimes und fehlender Absonderungsverordnung“ getätigt worden, teilen das Landesjugendamt und das zuständige Gesundheitsministerium auf SZ-Anfrage mit.

Ministerium empfiehlt „Betreuungsangebot der offenen Gruppen grundsätzlich zu ermöglichen“

Allerdings führte diese Empfehlung in vielen Kitas dazu, dass die Betreuungszeiten wegen Personalmangel reduziert wurden. Was wiederum für Beschwerden der Eltern sorgte, die auf die Betreuungszeit angewiesen sind. „Um dieser Problematik gerecht zu werden, wurde im Oktober 2021 die Möglichkeit eröffnet, bis zu drei Gruppen zu durchmischen und somit insbesondere die Randzeitenbetreuung wieder umsetzen zu können“, erklärt eine Ministeriums-Sprecherin.

In seiner aktuellen Hygieneempfehlung an die Kita-Träger geht das Ministerium sogar noch einen Schritt weiter und empfiehlt mit Verweis auf das landesweite Testregime in den Kitas „das Betreuungsangebot der offenen Gruppen grundsätzlich zu ermöglichen“.

Angesprochen auf die hohen Inzidenz-Werte bei den unter Fünfjährigen verwies das Ministerium gegenüber unserer Zeitung auf die landesweit geringe Positivquote bei den in Kindertageseinrichtungen zur Anwendung gebrachten Lolli-Tests von unter einem Prozent. Zuletzt hatte es allerdings auch immer wieder Kritik an der Genauigkeit dieser Art von Antigen-Schnelltest gegeben.

Kita-Träger sollen Durchmischung von Krippen-Gruppen „so gering wie möglich“ halten

Vor dem Hintergrund der aktuellen Pandemieentwicklung werde dennoch zu prüfen sein, „inwieweit das Konzept der ‚Offenen Arbeit’ dauerhaft aufrechterhalten werden kann“, erklärt das Ministerium. Daher habe man den Kita-Trägern auch bereits empfohlen, dass eine Durchmischung der Gruppen im Krippenbereich „so gering wie möglich“ gehalten werden sollte, da hier keine regelmäßigen Testungen durchgeführt werden.

Konsequenzen aus der aktuellen Pandemieentwicklung an den Schulen und Kitas hat auch Katrin Boßmann mittlerweile gezogen. Sie schickt ihr Kind nicht mehr in die Kita, aus Sorge, dass es sich dort anstecken könnte, wie sie im Gespräch erklärt. „Mir scheint es, als würde hier eine Durchseuchung alternativlos hingenommen.“ Das aktuelle Vorgehen der Behörden empfindet die Mutter als „politisches Versagen“.