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Solarpark Roden: Was es mit den 20 „Solarschafen“ auf sich hat

Energiewende mit tierischer Hilfe : Was es mit den 20 „Solarschafen“ im Solarpark Roden auf sich hat (mit Bildergalerie)

Beim Tag der offenen Tür im Solarpark Roden zeigte die BEG Köllertal, wie in Saarlouis und dem Saarland in Zukunft saubere, klimafreundliche Energie erzeugt werden kann – mit Bürgerbeteiligung.

Die Sonne wärmt kräftig an diesem Samstag. Grillen zirpen im hohen Gras, leider fast übertönt vom Verkehrslärm der nahen A8. Gegenüber bläst die Dillinger Hütte dicke Dampfschwaden in die Luft. Die Gäste auf der Rodener Seite haben sich heute hier allerdings wegen ganz anderer Attraktionen eingefunden. Und eine davon nutzt deren Ankunft auch gleich als Gelegenheit zum Ausbüxen.

„Nico!“ schimpft Besitzerin Nina Utesch dem frechen Schaf hinterher. Die anwesenden Kinder quietschen vor Vergnügen, aber schnell hat die Schäferin den Ausreißer wieder eingefangen und zurück auf seine umzäunte Weide gebracht. Dabei handelt es sich nicht um eine gewöhnliche Wiese. Nico ist eines von 20 „Solarschafen“, die im Solarpark Roden ihrer Arbeit nachgehen: Sie „mähen“ an den schwer zugänglichen Stellen unter den Photovoltaik-Modulen das Gras.

Diese Idee hat der Bürgerenergiegenossenschaft (BEG) Köllertal unlängst einen Nachhaltigkeitspreis eingebracht. Vorstandsvorsitzender Karl Werner Götzinger muss selbst schmunzeln, als er davon erzählt. 500 Euro hat die BEG dafür erhalten – so viel, wie ein Anteil an einem der zahlreichen Projekte kostet, welche die BEG seit ihrer Gründung im Jahr 2015 realisiert hat. Der Solarpark Roden ist das erste Freiflächenprojekt: Auf 1,9 Hektar liefern hier 4 389 Photovoltaik-Module seit April sauberen Strom. 2,1 Millionen Kilowattstunden im Jahr, so die Prognose – genug für 600 Haushalte.

Bis es soweit war, waren zwei Jahre Planung nötig. „Die Stadt Saarlouis hat uns bei allem unterstützt“, betont Götzinger. 750 Anteile hat die BEG für dieses Projekt ausgegeben, die innerhalb einer Woche vergriffen waren. Über 100 Neu-Mitglieder stammen direkt aus Saarlouis. Einige davon haben sich an diesem Samstag zum Tag der offenen Tür eingefunden, um ihre Investition zu begutachten.

Gerhard Strzyzewski ist allerdings schon länger dabei.  Der 73-Jährige aus Saarlouis-Steinrausch hat selbst Solar-Zellen auf dem Dach. Von den Projekten der BEG war er von Anfang an begeistert – allen Widerständen zum Trotz, unter denen die Energiewende zu leiden hat. „Es gibt Leute, die sind grundsätzlich gegen alles“, meint er. Eine Haltung, die auch die anderen Besucher nicht nachvollziehen können. „Die Sonne ist da, die kann man doch nutzen“, sagt eine.  „Das ist praktisch kostenlose Energie.“ Die Dividende von 2,3 Prozent, welche die Anteilseigner der BEG erhalten, sei zwar „gerade in der heutigen Zeit“  nicht schlecht. Der Hauptgrund, sich am Bürger-Solarpark zu beteiligen, sei aber ein anderer: „So tue ich etwas Gutes für die Umwelt.“

Klimaschutz ist auch Götzingers größtes Anliegen. Wie auch alle anderen aktiven Mitglieder arbeitet der 59-Jährige ehrenamtlich für die BEG. Und er ist überzeugt: Die Energiewende funktioniert am besten, wenn die Menschen vor Ort selbst daran beteiligt sind. „Mitmach-Bürger statt Wutbürger“ ist ein Satz, der bei ihm immer wieder fällt. Auch deshalb achtet die BEG darauf, bei ihren Projekten immer auch Genossenschafts-Anteile für die Anwohner bereitzustellen.

Der Erfolg gibt der BEG recht: In nur sieben Jahren ist das Eigenkapital auf 1,7 Millionen Euro gewachsen. Bisher errichtet sie hauptsächlich Photovoltaik auf Dächern – für ein weiteres Freiflächen-Projekt in Bliesransbach (Kleinblittersdorf) läuft allerdings gerade das Genehmigungsverfahren. Dieses würde laut Planung satte 20 Megawattstunden Leistung bringen – zehnmal mehr als die Anlage in Roden.

Bitter nötig: Gerade erst hat Saar-Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) angekündigt, den Anteil erneuerbarer Energien im Saarland bis 2030 von aktuell 20 auf 40 Prozent verdoppeln zu wollen. Was beeindruckend klingt, ist tatsächlich deutlich unter dem Ziel, das sich der Bund bis dahin gesetzt hat (65 Prozent). Im Bundesländervergleich landet das Saarland derzeit auf dem elften Platz – nur die Stadtstaaten  sowie Nordrhein-Westfalen und Sachsen sind noch schlechter.

Viel zu tun also für Götzinger und sein Team. Für die „Solarschafe“ hat sich das Engagement der Köllertaler aber schon gelohnt. „Für mich ist das eine Win-Win-Situation“, erklärt Schäferin Nina Utesch. „Die Schafe sind hier geschützt vor Raubtieren, die Anlage bietet ihnen bei Sonne Schatten und einen Unterschlupf bei Regen.“ Und mit ihrer nachhaltigen Mäh-Methode leisten sie ihrerseits einen Beitrag zum Klimaschutz.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der Solarpark Roden hat tierische Mitarbeiter