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Ausstellung „Nützlich und dekorativ - Keramik im Haushalt um 1900“ in Wallerfangen

Keramik um 1900 : Kunstvolle Keramikgefäße zeigen Wandel

„Nützlich und dekorativ – Keramik im Haushalt um 1900“ ist Titel einer neuen Ausstellung des Historischen Museums in Wallerfangen. Was heute Plastik ist, war damals Keramik. Nur schöner.

Uhren aus Wallerfangen? Diese Besonderheit steht in einer Vitrine des Historischen Museums auf der Adolfshöhe. Jedoch stellte die frühere Steingutfabrik Wallerfangen nicht eigene Uhrwerke her, sondern fertigte dafür kunstvoll gestaltete Keramikgehäuse. Statt Plastik dominierte Keramik die Haushalte vor 70 Jahren und mehr. In Küche, Wohnzimmer, Büro und Waschraum. Mit ansprechenden Formen, interessanten Farben und Mustern waren sie oftmals der Blickfang im Haus.

Einen Eindruck davon vermittelt ab Freitag eine Ausstellung im Historischen Museum. Dazu gehört beispielsweise eine Schreibgarnitur aus schwarz glasierter Keramik. Ein edles Stück von etwa 1880, und damit eines der ältesten der Ausstellung. Aber auch asiatisch anmutende Gefäße in dunklem Blau sowie goldener Aufschrift und kunstvoller Verzierung schmückten die Küche betuchter Haushalte. Weiße Keramik mit schlichten Ornamenten war eher für die weniger zahlungskräftige Bevölkerung. Beispielsweise große Butterdosen mit buntem Blumenmuster. Drei Themenbereiche hat Monika Adler aus Beständen des Museums sowie Leihgaben von Keramikliebhabern zusammengestellt. Sie ist im Verein für Heimatforschung Wallerfangen für den Bereich Keramik zuständig.

Einmal geht es dabei um schmückende Objekte für den Haushalt, dann um die Aufbewahrung von Gewürzen und Nahrungsmitteln sowie schließlich um Hygiene in früheren Zeiten. Nachts wurden Nachttöpfe genutzt, um sich den Weg zum stillen Örtchen hinterm dunklen Haus zu ersparen. Anhand der Ausstellungsstücke könne man nachvollziehen, „wie das war, in Zeiten ohne fließendes Wasser und warme Dusche“, erklärt Adler.

 Schwarz wie Tinte ist diese Schreibgarnitur aus Keramik, dahinter steht eine Teedose.
Schwarz wie Tinte ist diese Schreibgarnitur aus Keramik, dahinter steht eine Teedose. Foto: az

Dafür stand eine breite Waschschüssel auf einer Kommode, daneben der große Krug, vielfach mit kaltem Wasser. Entsprechend kurz fiel oftmals die Säuberung aus.

Die Ausstellung vermittelt neben dem Wandel von Formen und Farben verschiedener Zeiten auch die Dimension der Wallerfanger Keramikerzeugung. So belegen einzelne Objekte den Export über den heimischen Markt hinaus. Dazu gehörten unter anderem Bierkrüge mit Deckel, die nach England verschifft wurden. „Das hat nichts mit Drogen zu tun“, schmunzelt Monika Adler vor einer Sammlung mit alten Keramikdosen für Italien. Die Aufschrift Droghe, „das heißt Gewürz“.

 Standuhren aus Wallerfanger Keramik-Produktion.
Standuhren aus Wallerfanger Keramik-Produktion. Foto: az

Statt Fotos an die Wand zu hängen, konnten sich Kunden ihre Lieblinge auf Keramik malen lassen. Mit goldfarbenem Rahmen versehen wirkt so ein Kunstwerk wie eine Schwarz-weiß-Fotografie. „Das war damals auch eine Form von Nachhaltigkeit“, erklärt Adler. Statt mit Wegwerfdosen und Tuben zu hantieren, wurden Gewürze und Lebensmittel in dauerhaft genutzten Töpfen und Tiegeln verwahrt.

Andere Objekte wurden pfleglich behandelt und überdauerten Generationen. „Solche Stücke werden sonst eher selten ausgestellt“, sagt Adler zum Inhalt der Ausstellung „Nützlich und dekorativ – Keramik im Haushalt um 1900“.

Über die Vitrinen hinaus finden sich weitere Beispiele der Wallerfanger Produktion in Schaukästen. Darunter Geschirr aus Porzellan, kunstvolle Motive und Keramik von Anfang des 19. Jahrhunderts.

Die Ausstellung zu Keramik im Haushalt ist bis zum 28. Februar 2021 im Historischen Museum Wallerfangen auf der Adolfshöhe zu sehen. Öffnungszeiten jeweils Freitag bis Sonntag, 15 bis 18 Uhr. Eintritt frei.