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Grundschule in Wallerfangen: Eltern beklagen "unzumutbare" Situation

Ärger um Klasse : Eltern beklagen „unzumutbare“ Situation an Grundschule in Wallerfangen

Die Eltern der Wallerfanger Grundschüler sind verärgert. Ihre Kinder werden in nur einer einzigen Klasse unterrichtet – obwohl das Ministerium vor den Ferien etwas ganz anderes versprochen hatte.

Eigentlich sollte zum Schuljahresbeginn gute Stimmung herrschen, doch bei den Eltern der Erstklässler an der Grundschule Altes Rathaus Wallerfangen ist das Gegenteil der Fall: Sie sind sauer, denn ihre 25 Kinder wurden zum Schuljahresbeginn alle in eine erste Klasse eingeschult – und nicht wie vor den Ferien vom Ministerium angekündigt in zwei Klassen.

Vor dem Hintergrund der beengten Raumverhältnisse im denkmalgeschützten Schulbau in Wallerfangen und den Hygienevorgaben durch die Pandemie finden die Eltern diese Situation „unzumutbar“. Neben den 25 Kindern, von denen mehrere Förderbedarfe haben, und dem Lehrpersonal sitzen drei Integrationshelfer mit im Raum, beklagt Elternsprecherin Simone Schönberger. Außerdem dient das Klassenzimmer im historischen Gebäude, das auch nicht über eine Pausenhalle, Aula oder Turnhalle verfügt, gleichzeitig als Lagerraum aller Jacken und sonstigen Materialien, die gebraucht werden, schildern die Eltern, die sich schon vor den Ferien deswegen an das Bildungsministerium, die Gemeinde und nun auch an die Zeitung gewendet haben. Das Ministerium habe auch keine Begründung geliefert und nur auf den Klassenteiler verwiesen, der im Juli auf 25 Kinder festgesetzt wurde. „Wenn jetzt ein Kind dazukommt, was in Wallerfangen durch die beiden Kinderheime jederzeit passieren kann, werden die Kinder wieder aufgeteilt und alles ist anders“, befürchten die Eltern, die nicht nachvollziehen können, warum dieses Schuljahr nicht wie sonst zweizügig eingeschult werden kann.

Wallerfanger Bürgermeister: Gemeinde hat kein Mitspracherecht

Zudem ärgerlich: Die Nachricht, dass die Klasse nun doch nicht aufgeteilt wird, erhielten die Schüler erst am dritten Schultag, „ohne Ankündigung, die Eltern erfuhren davon erst danach auf einem außerordentlichen Elternabend“, ärgert sich Schönberger, die für alle Eltern der Klasse spricht. „Bei uns ist die Stimmung schlecht. Und bei den Kindern herrscht Verwirrung, sie sind grad erst eingeschult worden, mit den Lockdowns der Corona-Zeit haben sie schon genug mitgemacht, das ist nicht schön.“

Bürgermeister Horst Trenz findet die Situation „mehr als bedauerlich“; die Gemeinde als Schulträger habe jedoch keine Mitsprache beim Klassenteiler. Er selbst hat Rücksprache mit dem Ministerium gehalten und auch schriftlich seine Stellungnahme eingereicht, mit der Bitte, wohlwollend zu prüfen, ob nicht wenigstens eine Doppelbelegung stattfinden könne, also die Klasse für einige Fächer auf zwei Räume verteilt werden könne; dies müsse das Ministerium jedoch entsprechend personalisieren.

Der Klassenraum, um den es nun gehe, sei zwar rund 60 Quadratmeter groß, jedoch, gibt Trenz zu bedenken, sind unter den 25 Kindern allein zwei mit hohem Förderbedarf und weitere vier, die gar kein Deutsch sprechen, sowie zwei, die nur mangelhafte Sprachkenntnisse haben, und entsprechende Zuwendung im Unterricht benötigen – für die Lehrkraft eine echte Herausforderung. Auch er führt an, dass durch die Kinderhilfeeinrichtungen im Ort ständig Neuzugänge zu erwarten sind.

„Wir haben Räume genug, wir waren ja immer zweizügig“, ergänzt der Bürgermeister. Er hofft, dass es nun wenigstens zum Lösungsvorschlag der Doppelbelegung kommt, „das wäre schon ein Fortschritt für die Schule“, sagt Trenz.

Bildungsministerium verteidigt Entscheidung

Das Ministerium selbst erklärte dazu, es habe an der Grundschule Wallerfangen „weder die Zusage unseres Hauses, dass mit 25 Kindern zwei Eingangsklassen gebildet werden können, gegeben noch wurde diese zurückgezogen“. Richtig sei, dass  vor den Ferien 26 Schulneulinge dort gemeldet worden waren, weswegen das Ministerium am Standort Wallerfangen im Rahmen der üblichen Personalvorausplanung Lehrkräfte für zwei Eingangsklassen eingeplant habe.

 „Es ist aber nicht ungewöhnlich, dass es während der Sommerferien zu Abmeldungen oder Anmeldungen kommt“, teilt Pressesprecher Lukas Münninghoff auf Anfrage mit. „Und somit kann die endgültige Klassenbildung erst dann erfolgen. Entsprechend müssen die Planungen dann zu Beginn des Schuljahres, wenn die endgültige Klassengröße feststeht, angepasst werden.“  In Wallerfangen waren es letztlich nur 25 Schulneulinge, so müsse eine Klasse gebildet werden, auch „aus Gründen der Gleichbehandlung“. Landesweit gibt es keine Grundschule, an der die Raumgröße einen limitierenden Faktor darstellt, der zu einer Klassenteilung führen musste, betont das Ministerium. So wird es auch wohl bei einer Klasse bleiben – vorerst, bis eventuell ein Kind dazukommt.