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Wirte in Altstadt in Saarlouis ziehen düstere Bilanz wegen 2G-Plus-Regeln

2G-Plus-Regeln : Wirte in Altstadt von Saarlouis ziehen düstere Bilanz: „Bleibt wieder alles an uns hängen“

Saarlouiser Altstadtwirte ziehen eine düstere Bilanz des ersten Wochenendes unter 2G Plus-Bedingungen.

Der Dezember zählt normalerweise unter den Gastronomen in der Saarlouiser Altstadt zu den umsatzstärksten Monaten. Im Dezember, sagt Yannick Müller vom Humpen, mache man die Überschüsse, mit denen man die eher schwachen Monate November, Januar und Februar über­brücke. Nicht so in diesem Jahr. „Das ganze Wochenende war schlechter als ein normaler Freitag“, resümiert Yannick Müller das erste Wochenende unter 2G-Plus-Bedingungen, also mit Zutritt nur für Geimpfte und Genesene mit tagesaktuellem Test zusätzlich. Und unter der Woche mache man jeden Tag Verlust, während die Fixkosten wie Miete, Personal, Strom, Heizung weiterlaufen. Gerade die reinen Schwankwirtschaften treffe die Regel besonders. „Wenn man abends fein essen geht, macht man eher einen Test. Um ein Bierchen trinken zu gehen, macht man das eher nicht. Und ein spontanes Bier fällt ganz weg.“

Außerdem, neben den zusätzlichen Kontrollen bei jedem Gast, nerven auch die Masken im Innenraum, lediglich am Tisch darf die Maske abgenommen werden. Und so hört man auch von der ein oder anderen Servicekraft, dass es sehr anstrengend ist, die Gäste beim zehnten Mal darauf aufmerksam zu machen, dass sie die Masken tragen müssen, wenn sie ihren Platz verlassen. Einig ist man sich auch unter den Gastwirten, dass es nicht in Ordnung ist, dass die gesamte Verantwortung für die Einhaltung der Regeln mal wieder zu 100 Prozent auf die Gastwirte abgeschoben wird.

 2G Plus hält in der Saarlouiser Altstadt viele Gäste von einem Kneipenbesuch ab.
2G Plus hält in der Saarlouiser Altstadt viele Gäste von einem Kneipenbesuch ab.

„Es bleibt wieder alles an uns hängen“, sagt Michael Leinenbach vom Blackout, „Bei 2G-Plus kann ich einen Mann zum Kontrollieren an die Tür setzen, den ich von dem Geld bezahlen muss, das ich im letzten Jahr nicht eingenommen habe.“ Dazu kommt dann die Maskenpflicht für die Bedienungen. „Jeder, der das beschließt, sollte mal acht Stunden mit Maske hier stehen“, empfiehlt Leinenbach. Ihm geht es ziemlich auf den Wecker, dass „Ungeimpfte jetzt gemobbt werden und es immer hieß, dass es keine Impfpflicht gibt. Eigentlich müsste man 1G für alle machen.“ Also, Tests für jeden, egal ob geimpft, genesen oder ungeimpft. Das Wochenende war im Blackout wie überall schlechter als zuvor. Und auch die Woche über sieht es mau aus, sodass Leinenbach überlegt, ob er seine Öffnungszeiten über die Woche einschränken soll. Da sei aber noch nichts entschieden. Derzeit gilt es abzuwarten, was noch aus Saarbrücken oder Berlin kommt. Alles bis hin zum Lockdown ist möglich. Die Entscheidung zum Heiligmorgen in der Altstadt hat Leinenbach schon getroffen: „Falls der Heiligmorgen laufen sollte, werde ich da nicht mitmachen. Das lässt sich einfach nicht mehr kontrollieren.“

Erik Bulle von der Bierbar hat seine Entscheidung bereits vergangene Woche getroffen, dass er derzeit nur am Wochenende öffnet. Und wie war sein erstes Wochenende unter 2G-Plus? „Katastrophal, mehr muss man nicht sagen!“, lautet sein Urteil.

Und auch im 7. Himmel war es am Wochenende „verhalten“, erzählt Silvia Nied. Dabei sei es unter 2G noch relativ gut gelaufen an den Wochenenden. Jetzt ist es wie abgeschnitten. „Ich habe am Samstag um halb zwei zugemacht“, sagt die Wirtin des 7. Himmels. Fürs Wochenende zu früh. Aber sie bleibt optimistisch: „Es kann nur besser werden. Ich bin noch nicht bereit aufzugeben“, sagt sie. Und das, obwohl man jetzt wieder in der Luft hängt. „Man kann nicht planen und muss abwarten, was noch entschieden wird“, sagt sie weiter. Sie tausche sich auch mit einigen Kollegen aus, die inzwischen teils auf einen Lockdown hoffen, mit entsprechendem Ausgleich natürlich. Sie ärgert, dass es wieder die Gastronomen sind, die abgestraft werden: „Wir haben alles mitgetragen, trotz aller zusätzlicher Anstrengungen und Kosten. Und es hieß immer, dass die Gastronomie kein Pandemietreiber ist. Trotzdem müssen wir am meisten leiden. Warum wird man bestraft, wenn man sich an alles hält?“

Gleichzeitig würde die Angst der Menschen so geschürt, dass sie nicht mehr weggehen: „Die Leute haben einfach Panik!“ Für den Heiligmorgen ist der 7. Himmel vorbereitet, allerdings hat Silvia Nied nur wenig Hoffnung, dass es dazu kommen wird.

Ähnlich lau war es im OZ in der Bierstraße. „Der Freitag war erst ruhig, dann kamen aber noch ein paar Gäste“, sagt Wirt Olaf Zimmer. „Aber gar kein Vergleich zu sonst!“ Zwei Drittel des Umsatzes fallen weg, schätzt Zimmer. Am Samstag konnte er das OZ nicht öffnen, weil ihm kurzfristig Personal ausfiel – Personal zu finden, ist derzeit ein großes Problem in der Gastronomie. Stand ist derzeit, dass das OZ über die Woche offen bleibt. Auch Olaf Zimmer wartet ab, was in den kommenden Tagen noch beschlossen wird. „Würde der Heiligmorgen stattfinden, wäre ich natürlich froh, ich glaube aber nicht daran.“

Die ständige Ungewissheit zehrt an den Nerven. Ein Gefühl von Frust und Schicksalsergebenheit, das man bei allen Wirten spürt, macht sich breit. Auch wenn man dieser Tage durch die Altstadt geht. Geschlossene Läden über die Woche und die, die geöffnet haben, sind kaum besucht bis leer. Keine Weihnachtsfeiern, stattdessen leere Tresen und Tische. Von vorweihnachtlicher Stimmung keine Spur.