1. Saarland

Schöne Bilderbücher. Kinderbuch-Tipps der Saarbrücker Zeitung

Kinderbuch-Tipps : Wo Pferde Geburtstag feiern und Tiger tauchen

Es soll ja zu diesem Weihnachtsfest Lieferengpässe geben für all diese elektronischen Geräte, die heute so in Kinderzimmern rumstehen und vom Lesen abhalten. Umso schöner, dass es für Bücher keine Lieferprobleme gibt. Diese Fantasie-Beflügler sind vorrätig. Und wir stellen wieder einige der Schönsten vor.

Ein Pferd zum Geburtstag. Es dürfte nicht wenige Kinder geben, die sich genau so eine Geburtstagsparty wünschen. Eine, zu der ein Pferd zu Besuch kommt. In diesem Fall heißt das Pferd Robin, ist braun-weiß gefleckt und von äußerst freundlichem Gemüt. Gemeinsam mit einer wilden Geburtstagsparty-Kinderschar reitet Robin durch die Prärie im Kinderzimmer, findet köstliche Früchte in der Küche und erobert steile Gipfel auf dem Dachboden. „Robin kommt“ von Thomas Müller ist ein wunderbar fröhliches Bilderbuch, mit gut gelaunten Kindern, die vor lauter Fantasie fast platzen. Es hat unbedingt das Zeug zum Lieblingsbuch. Moritz Verlag, ab vier Jahre, 12.95 Euro.

Weihnachten à la Budde. Wenn es jemanden gibt, der Kinderbücher macht, bei denen einem das Etikett „schräg“ einfällt, dann ist das Nadia Budde. Ihre glubschäugigen Bilderbuchwesen habe immer etwas Subversives, nachdrücklich Unniedliches. Wenn sie einem von der Buchseite entgegenschauen, scheinen sie den Erwachsenen mit Spott zu begegnen, aber den Kindern mit Komplizenschaft. Ganz klar, dass bei Nadia Budde auch ein Weihnachtsbuch nicht so wirklich beschaulich ist. Zumal ihre wilden Verse ohnehin nicht dafür taugen. „Eins zwei drei Rentier“ der würdige Nachfolger ihres Bilderbuch-Klassikers „Eins zwei drei Tier“ ist. Also ein Büchlein mit überraschenden Reimen, in dem ein Lebkuchenmann schonmal dem Schaf von nebenan folgen kann. Frau Holle taucht irgendwann auf, und natürlich Santa Klaus. . .  Peter Hammer  Verlag, ab drei Jahre, 10 Euro.

Skurril und originell ist das Bilderbuch „Aus heiterem Himmel“ von Jon Klassen. Und spannend auf eine ganz eigene Weise. In schlicht-schönen Pastellbildern werden Geschichten von einer etwas dickköpfigen Schildkröte erzählt, von Freundschaft, einer dunklen Bedrohung und dem rettenden Zufall. Wobei letzterer gar nicht so zufällig ist. Denn die Rettung kommt für die Schildkröte immer dadurch, dass sie sich dann doch auf die Freunde zubewegt. Ein kleines, weises Bilderbuch-Kunstwerk. Nord-Süd Verlag, ab vier Jahre, 18 Euro.

Der unsichtbare Freund mal anders. Die Bilderbuchwelt ist voll von allerlei Freunden, die Kinder sich so einbilden. Aber wann je war es andersrum? In „Kevin, der erfundene Freund, an den du wirklich glauben kannst“, wird nämlich das Kind selbst zum unsichtbaren Freund des unsichtbaren Freundes. Zu kompliziert? Es ist eigentlich ganz einfach. Als Max dem unsichtbaren Kevin mal wieder seine Ungeschicklichkeiten in die Schuhe schiebt, dreht die Geschichte einfach mal den Spieß um. Max gerät in Kevins Welt und ist dort: unsichtbar. Das ist in Idee und Umsetzung einfach großartig. Nicht nur, dass Rob Biddulph das Ganze in wunderbar schlitzohrigen Bildern erzählt, er erzählt auch durchgehend in Reimen. Was das Vorlesen zu einem großen Vergnügen macht. Diogenes Verlag, ab vier  Jahre, 16 Euro.

Ein Einhorn muss kein Kitsch sein. Natürlich mögen kleine Mädchen Einhörner. Und die Welt ist voll mit zuckersüß verkitschten entsprechenden Büchern. Aber  „Emmas Einhorn“ ist etwas ganz und gar anderes. Dieses Einhorn nämlich ist nicht nur weit weg von Rosa, auch Emmas neue Welt hat nix von Bonbon. Eher was von rauer Natur, Sturm und Regen. Und Einsamkeit. Emma ist neu mit ihren Eltern aufs Land gezogen. Inmitten der Wildnis  findet sie ein Einhornbaby, das die Herde beim Zug nach Süden vergessen hat. Und, ja, dieses Einhorn, das Briony May Smith gemalt hat, ist auch wahnsinnig niedlich. Überhaupt ist die ganze Geschichte bezaubernd und, ja, auch süß. Aber eben auf eine unkitschige Art und Weise. Esslinger Verlag, ab drei Jahre, 15  Euro.

Ein Buch mit Wow. Manchmal begegnet einem unter all den vielen Bilderbüchern etwas, das man tatsächlich noch nie sah. Johanna Schaibles „Es war einmal  und wird noch lange sein“ ist so ein  Buch. Es beginnt mit Feuer und Geröll und dem Satz „Vor Milliarden Jahren formte sich das Land.“ Dann werden die Buchseiten nach und nach kleiner, die Zeit schreitet voran. Von „Vor Tausenden von Jahren...“ bis „Vor einer Minute wurde das Licht gelöscht“. Dann werden die Seiten wieder größer und es folgen Fragen nach der Zukunft wie „Was machst du morgen“ oder „Woran wirst du dich erinnern, wenn du alt bist“. Am Ende sind die Seiten wieder groß und das Universum auch. Ein  Buch über Zeit und Zukunft, das unendlich Stoff zum Nachdenken und miteinander Reden bietet. Hanser Verlag, ab fünf Jahre, 18 Euro.

 So schräg ist Weihnachten nur bei Nadia Budde: Illustration aus „Eins Zwei Drei  Rentier“.
So schräg ist Weihnachten nur bei Nadia Budde: Illustration aus „Eins Zwei Drei  Rentier“. Foto: Peter Hammer Verlag

Ein toller Tiger. Die Tiefsee fasziniert nicht nur Forscher wie Jacques Cousteau, auch der kleine Tiger Theo will unbedingt mit eigenen Augen sehen, was da unten vor sich geht und baut sich ein U-Boot. In  frechen  Bildern voller geheimnisvoller Fische begleitet Sharon Renita in ihrem reizenden Bilderbuch „Tiger Theo in der Tiefsee“ diese spannende Tauchfahrt, bei der die Kinder so nebenbei noch ein bisschen was darüber lernen, was wir Menschen so anrichten, wenn wir achtlos Müll ins Wasser werfen. Ein schönes, lesenswertes Bilderbuch. Gerstenberg Verlag, ab drei Jahre, 14 Euro.