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3G am Arbeitsplatz:  So gehen große Unternehmen im Saarland damit um

Von Fresenius Medial Care bis Nestlé Wagner : 3G-Regel am Arbeitsplatz: So gehen große Unternehmen im Saarland damit um

Drei große Unternehmen im St. Wendeler Land berichten, wie sie die neue Regelung umsetzen und welche Herausforderungen damit für sie verbunden sind.

Seit nunmehr zwei Wochen greift im Saarland die 3G-Regelung am Arbeitsplatz: Angestellte vor Ort müssen geimpft, genesen oder getestet sein. Viele Firmen stellt dies vor große Herausforderungen. „Es treten zahlreiche Detailfragen und Abgrenzungsprobleme auf, die den Unternehmen die Umsetzung nicht einfach machen“, weiß Mathias Hafner, Sprecher der Industrie- und Handelskammer (IHK) des Saarlandes. Um den Betrieben die wichtigsten Fragen schnell beantworten zu können, hat die IHK eine Hotline (Tel. 06 81 9 52 05 00) eingerichtet. Besonders häufig würden die Arbeitgeber folgende Unklarheiten ansprechen: Was ist mit Außendienstmitarbeitern? Ist die Testzeit Arbeitszeit? Welche Tests sind zugelassen? Wie werden Verstöße sanktioniert? Was ist mit dem Datenschutz? „Der Teufel steckt im Detail“, sagt Hafner. Trotz allem betont er, dass die IHK die 3G-Regelung prinzipiell positiv sehe.

Gleiches ist von der Arbeitskammer des Saarlandes zu hören. Deren Geschäftsführerin Beatrice Zeiger erklärt auf SZ-Nachfrage: „Wir halten den Beschäftigten-Datenschutz vor allem für sensible Gesundheitsdaten nach wie vor für ein wichtiges Gut. Angesichts der aktuellen Corona-Lage haben hier die Belange des Infektionsschutzes/Arbeitsschutzes allerdings Vorrang. Auch im Sinne des Gesundheitsschutzes der Kollegen im Betrieb. Wichtig ist uns aber, dass die Nachweise einer Impfung oder Genesung für keine weiteren Verwendungen missbraucht und nach sechs Monaten auch wieder gelöscht werden.“

Zum Umgang mit 3G rät die Arbeitskammer den Unternehmen, erstmal den Status ihrer Beschäftigten auf freiwilliger Basis abzurufen. „So machen wir es als Arbeitgeber auch. Also fragen: Seid Ihr genesen oder geimpft und bis wann gelten die Zertifikate?“, erläutert Zeiger. Um auf der sicheren Seite zu sein, müsse der Arbeitgeber sich auch Kopien der Zertifikate schicken lassen. „Wichtig ist zudem der Hinweis an die Beschäftigten, dass sie die Zertifikate – für den Fall einer Kontrolle durch das Ordnungsamt – während ihrer Tätigkeit mit sich zu führen haben“, erklärt Zeiger.

Bei den Personen, die sich nicht freiwillig melden, müsse der Arbeitgeber kontrollieren. Wer seinen Impfnachweis nicht vorzeigen will, gilt als ungeimpft. Das heißt: Er muss sich jedes Mal vor Betreten der Betriebsstätte testen lassen. „Wenn jemand nicht geimpft ist und sich auch nicht testen lassen will, kann geprüft werden, ob eine Tätigkeit im Homeoffice möglich ist. Wenn das nicht möglich ist, muss der Arbeitgeber auch keinen Lohn zahlen. So eine Verweigerungshaltung kann auch zu Abmahnungen oder sogar zur Kündigung führen“, stellt Zeiger klar. Gleichzeitig sei der Arbeitgeber aber auch dazu verpflichtet, den Beschäftigten zwei Mal in der Woche ein kostenloses Testangebot zu unterbreiten. Diese Tests zahle der Arbeitgeber. Falls jedoch weitere Tests nötig seien, müssten die Arbeitnehmer sich diese selbst organisieren und auch bezahlen.

Für die Betriebe bedeutet 3G somit vor allem eines: jede Menge Aufwand. Trotzdem befürworten die großen Unternehmen im Landkreis St. Wendel die neue Regelung. „Sie ist in der derzeitigen Lage wichtig, sinnvoll und absolut notwendig. Nachdem es auch Fälle von infizierten Geimpften in der Gesellschaft gibt, die das Virus weitergeben können, sollten sich auch Geimpfte und Genesene häufig testen“, sagt beispielsweise Gerdi Klinkner von Fresenius Medical Care in St. Wendel. Das Unternehmen setze die 3G-Regelung entsprechend der Vorgaben des Gesetzgebers um und überprüfe die Angestellten konsequent.

Bei einer Beschäftigtenzahl von mehr als 2000 Personen sei die Kontrolle sowie die Dokumentation eine sehr große Herausforderung. „Da wir 24 Stunden an sieben Tagen pro Woche im Drei-Schicht-Betrieb arbeiten, haben sich bisher noch nicht alle Mitarbeitenden registrieren können. Der momentane Stand ist, dass mehr als 73 Prozent aller im Werk Beschäftigten geimpft oder genesen sind“, teilt Klinkner mit. Und wie geht Fresenius Medical Care mit Verweigerern der neuen Regelung um? Personen ohne akzeptablen Nachweis dürften das Werksgelände nicht betreten. Wenn ihre Tätigkeit mobiles Arbeiten von zu Hause aus zulasse, sei das für viele eine Option. „Ansonsten gibt es keine Entgeltfortzahlung für diejenigen, die nicht auf dem Gelände ihrer Arbeit nachgehen können“, sagt Klinkner. Insgesamt zeige die Belegschaft bisher jedoch großes Verständnis für die Maßnahme.

Diese Beobachtung hat auch Kristin Kremer von der Nestlé Wagner GmbH in Otzenhausen gemacht. Es habe noch keinen Fall gegeben, in dem die 3G-Regel abgelehnt wurde. Die Angestellten hätten bislang immer den erforderlichen Nachweis erbracht, der rein zur Zugangskontrolle benutzt werde. Und diese wiederum sei folgendermaßen geregelt: Vor Inkrafttreten von 3G hätten alle Beschäftigten mit ihren Mitarbeiter-Ausweisen Zugang auf das Unternehmensgelände gehabt. Am 24. November sei dieser zunächst deaktiviert worden. „Alle geimpften Mitarbeitenden, die das Zertifikat gebracht haben, wurden freigeschaltet und erhalten damit wieder uneingeschränkten Zugang“, berichtet Kremer. Alle genesenen Angestellten, die den Nachweis vorgelegt haben, wurden ab dem angegebenen Datum für sechs Monate freigeschaltet. „Alle getesteten Beschäftigten, die das Zertifikat vorzeigen, werden immer aktuell bei einem Schnelltest für 24 Stunden und bei einem PCR-Test für 48 Stunden freigeschaltet“, sagt Kremer. Die tägliche Kontrolle der Testnachweise bei der Vielzahl an Beschäftigten in einem Drei-Schicht-Betrieb sei nicht gerade einfach. Dennoch begrüße die Nestlé Wagner GmbH die 3G-Regel, da man den Angestellten so einen noch besseren Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus bieten könne.

Als „den richtigen Weg“ bezeichnet auch Oliver Bardel, Werksleiter der Hörmann KG Freisen, die Einführung der neuen Regelung. Allerdings kritisiert er die halbherzige Umsetzung. „Als Arbeitgeber sollten wir mindestens die gleichen Rechte wie jeder Kneipen- oder Kiosk-Besitzer haben und den Impfstatus der Mitarbeiter auch aktiv erfragen dürfen.“ Die Regierung habe es leider immer noch nicht geschafft, Arbeitgeber mit diesem Recht auszustatten. „Zur Durchsetzung der 3G-Regel dürfen wir unsere Beschäftigten dazu auffordern, eines der drei G nachzuweisen. Somit kann der Angestellte weiter seinen Genesen- oder Impfstatus geheim halten, wenn er alternativ eine negative Testung nachweist“, erläutert Bardel.

In Zusammenarbeit mit einer Arztpraxis und der Betriebsärztin habe das Unternehmen zu einem früheren Zeitpunkt jedoch bereits eine Vielzahl an Impfungen für Beschäftigte organisiert. „Daher ist uns der Impfstatus dieser Angestellten bekannt. Weitere Mitarbeiter, die sich auf eigene Initiative oder durch Mitgliedschaften in ehrenamtlichen Vereinen extern impfen haben lassen, haben uns aufgrund einer freiwilligen Abfrage ihren Impfstatus mitgeteilt“, berichtet Bardel. Er könne daher ziemlich genau abschätzen, dass mehr als 80 Prozent der Angestellten geimpft seien.

Personen, die nicht geimpft sind, oder ihren Status nicht preisgeben möchten, seien aufgefordert, das Gebäude nur durch den Eingang an der Anmeldung zu betreten und dem dort ansässigen Wachdienst einen tagesaktuellen Testnachweis vorzulegen. „Ich selbst stand am ersten Tag der Umsetzung morgens um 5 Uhr am Tor, um die Mitarbeiter zu kontrollieren. Insgesamt habe ich sechs Personen identifiziert, die weder Statusnachweise noch einen aktuellen Test vorweisen konnten. Wir haben diese Mitarbeiter dann einem Selbsttest unter Aufsicht unterzogen, den wir am ersten Tag kulanzhalber noch kostenfrei durchgeführt haben. Zukünftig erheben wir dafür eine Gebühr“, sagt Bardel.

Bisher sei die Umsetzung der 3G-Regelung „relativ geräuschlos“ verlaufen. Die Angestellten hätten von Beginn an alle Maßnahmen zur Bekämpfung von Corona toll und erfolgreich unterstützt. „Dafür sage ich gerne allen unseren Mitarbeitern ein herzliches Dankeschön, ebenso für das überdurchschnittliche Engagement in diesen schwierigen Zeiten“, bilanziert Bardel und fügt hinzu: „Wir dürfen zu Recht stolz sein auf unsere Belegschaft.“