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Auftakt der Jazztage in St. Wendel

St.Wendeler Jazztage : Jazztage, auf das Wesentliche reduziert

Warum die 30. Auflage in St. Wendel kein Jubeljubiläum ist, das erklärt Jazz-Macher Ernst Urmetzer.

Ein auf das Wesentliche reduziertes Plakat-Motiv, das eine Scheibe Brot abbildet, hängt ziert die Bühne im Saalbau. Auch für Jazzmusiker ist in den Hochzeiten der Corona-Pandemie nicht viel drin gewesen, ihre Musik zu präsentieren. Brotlose Künste und leere Geldbeutel. Die 30. Internationalen St. Wendeler Jazztage sind ebenso auf das Wesentliche reduziert. „Es ist kein Jubel-Jubiläum“, sagt Festivalleiter Ernst Urmetzer. Denn im Grunde genommen fehle alles, was zu einem solchen Konzert gehöre. „Viele Auflagen, viele Einschränkungen, alles zu künstlich“, findet er. Aber es freue ihn riesig, dass viele Jazzfreunde beim Prolog des Festivals im Saalbau beieinander sitzen. Was dann folgt, davon hat sich jeder Besucher gerne eine Scheibe abgeschnitten: Zwei Bands, die alles andere als brotlose Künste präsentierten. Frisch, dynamisch und richtig flott legt das Jakob Manz Projekt los. Mit perfektem Tastenanschlag treibt Pianist Hannes Stollheimer eilig an, Bassist Frieder Klein und Schlagzeuger Paul Abrecht bauen ein stabiles Soundgerüst zusammen.

Dann setzt der 19-jährige Jakob Manz das Saxofon an, lehnt sich beim Spiel zurück, beugt sich nach vorne und geht mal in die Knie. Das Projekt kann nicht genug kriegen und füllt viele Facetten und Nischen aus. Mal klingt es nach ausgeflipptem Free Jazz oder handfester Soulmusik, dann dominieren Funkriffs, die melodiös klingenden Smooth Jazz nach sich ziehen. Das, was die vier jungen Musiker spielen, haben sie selbst geschrieben.

Keep on burning“, stammt vom Pianisten Stollheimer. Vor der Interpretation des Werks „Bombylius“ warnt Manz: „Das nächste Lied hat einen 7/4-Takt. Bei so vielen Takten müssen wir aufpassen, dass wir selbst nicht rausfliegen“. Passt schon. Mit ihren Instrumenten lässt das Projekt aus Baden-Württemberg stimmungsvolle Tongemälde entstehen, die geprägt sind von Wendungen und scharfen Klängen. Zunächst harmonisch, entkommen sie später sicher dem kreativen Chaos.

 Eingespielt: Trompeter Patrice Lerech und Saxofonist Damien Prud`homme vom französischen Quintett Canal de I’ Est
Eingespielt: Trompeter Patrice Lerech und Saxofonist Damien Prud`homme vom französischen Quintett Canal de I’ Est Foto: Frank Faber

Zu bremsen sind sie nicht. Jeder hat seinen eigenen Stil, seine eigene Spielweise. Das Lied „Prospering“, so Bandleader Manz, sei symbolisch für die Zeit nach der Pandemie. „Das alles so aufblüht, wie es einmal war“, hofft er. Tasteninstrument und Schlagzeug erzeugen die Landschaft, die Manz mit dem Saxofon erweckt und kräftige Farben zeichnet. Nie scheint er Luft holen zu müssen. Vielfarbig, perfekt abgestimmt und getragen vom instrumentalen Können begeistert das Jakob Manz Projekt bis zum allerletzten Ton.

Den Abend eröffnet hat zuvor das französische Quintett Canal de I´Est aus Metz. Diesmal darf Saxofonist Damien Prud´homme sofort mitspielen. Vor ein paar Wochen hat er bei einer Videoaufzeichnung die Formation Kai Sommer and The French Horns erst nach negativem PCR-Coronatest verstärken dürfen. Der Sound von Canal de I’Est weckt die Tradition, geht Richtung Hard Bop, dem Jazzstil der 1950er Jahre. Verstaubt klingt es nicht, obwohl der Aufbau der vorgestellten Kompositionen immer in der gleichen Reihenfolge abläuft. Matthieu Roffé am Piano leitet, ehe sich Prud’homme und Trompeter Patrice Lerech auf den Soloweg begeben.

Das Saxofon genießt alle Freiheiten, Lerechs Trompete bringt die Musik in die Melodiespur zurück. Und beim Prolog der 30. Internationalen St. Wendeler Jazztage ist für mehrere Stunden die Kunst und Kultur retour. Festivalleiter Urmetzer bedauert jedoch: „Wir hätten gerne das Jubiläum adäquat gefeiert. Doch die Politik hat die Bedürfnisse der Kultur-im Gegensatz zum Sport nicht im Blick und beschließt Auflagen, die bei der Umsetzung vor Ort keine förderlichen und sinnvollen Rahmenbedingungen schaffen“. Ab dem nächsten Freitag schneidet der St. Wendeler Jazzförderkreis ein frisches Brot an und veranstaltet vom 17. bis 19. September drei Jazztage im Saalbau. Karten dazu gibt es bei allen Ticket Regional Vorverkaufsstellen und an der Abendkasse.

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