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Bis zu Matthias Maurer in der ISS: Menschenkette bis zur Raumstation geplant

Mitmacher bei Weltraum-Aktion gesucht : Eine 400 Kilometer lange Menschenkette von Oberthal zum Astronauten Matthias Maurer in der Raumstation

Die Gemeinde Oberthal ruft alle Saarländer zum Mitmachen bei einer galaktischen Mission auf. Der Startschuss fiel an der Grundschule Oberthal.

Schaffen es die Saarländer, an der rund 400 Kilometer entfernten Internationalen Raumstation (ISS) anzudocken? Eine Frage, über deren Antwort Luna, Juliana, Lotte und Philipp nicht lange nachdenken müssen. „Ja, klar!“, rufen sie nahezu gleichzeitig. Die vier Schüler der Grundschule Oberthal sollten es wissen. Schließlich sind sie wahre Experten in Sachen Raumfahrt. „Wir haben im Unterricht ganz viel über Planeten, das Weltall und Astronauten gelernt“, erzählt Philipp. „Und kurz nach dem Start hat uns Matthias Maurer sogar eine Videobotschaft geschickt“, ergänzt Juliana stolz. Kein Wunder also, dass sie mit vollem Eifer dabei sind, als es darum geht, eine galaktische Aktion der Gemeinde Oberthal zu unterstützen.

400 Kilometer bis zur Weltraumstation ISS

„Wir haben uns vorgenommen, nach und nach eine Menschenkette zu bilden und so symbolisch den zirka 400 Kilometer langen Weg von der Erde bis zur ISS zurückzulegen“, erläutert Bürgermeister Stephan Rausch (CDU) das Vorhaben. Regeln gebe es dabei im Grunde genommen nicht. Jeder dürfe mitmachen – Firmen, Schulen, Kindergärten, Vereine, Nachbarschaftsinitiativen, Familien und Freunde. Auch der Kreativität seien keine Grenzen gesetzt. „Wenn sich Hundebesitzer treffen, dürfen sie beispielsweise gerne ihre Vierbeiner integrieren“, schlägt der Rathauschef vor. Selbst die Verwendung von Steinen, Autos oder sonstigen Hilfsmitteln ist gestattet. „Hauptsache es gelingt uns, die Entfernung zu überbrücken und die Lücke bis zu Matthias zu schließen“, sagt Rausch. Eine Anmerkung fällt ihm dann aber doch noch ein: „Die Kette sollte coronakonform sein.“

Aktion für Matthias Maurer

Darauf achten auch die Lehrer und Grundschüler, als sie sich am Donnerstagmorgen in Position bringen. Obwohl alle regelmäßig getestet werden, versammeln sie sich draußen, um die Mission einzuläuten. Mit ausgestreckten Armen stellen sie sich nebeneinander auf. Los geht es am Schulhof, weiter entlang der Schwimmbadstraße bis zum Parkplatz der Bliestalhalle. Dort erst endet die aus fast 200 Jungen und Mädchen bestehende Kette. „Dann werden wir mal schauen, welche Strecke ihr überwunden habt“, kündigt Rausch an. Doch ehe es ans Messen geht, verteilt der Kommunalpolitiker noch drei Matthias-Maurer-Pappfiguren – am Anfang, in der Mitte und am Ende der Schlange. „Die lassen wir nachher in der Schule stehen, damit ihr alle ein Foto mit unserem Astronauten machen könnt“, sagt er.

Unterdessen schnappt sich seine Assistentin Nadine Stemmler den Messroller und marschiert los. Nach etwa zwei Minuten verkündet sie: „Die ersten 50 Meter sind geschafft.“ Ein guter Zeitpunkt für das erste Beweisfoto. Denn alle Teilnehmer der Aktion sind dazu aufgerufen, ihre Kette zu dokumentieren. Die Fotos, samt Längenangabe der zurückgelegten Strecke, können sie per E-Mail an die Gemeindeverwaltung (rathaus@oberthal.de) oder die Firma azzurromedia Werbung & Design (cosmic-kiss@azzurro-media.de) schicken. Sie werden unter anderem im Oberthaler Weltraum-Museum ausgestellt, das Anfang nächsten Jahres im Rathaus eröffnen soll. „Einige Bilder möchten wir auch zu Matthias in die Raumstation schicken, um ihm eine Freude zu bereiten“, verrät Rausch.

Er will die Menschen in der Region und vor allem auch die Kinder in die „Cosmic Kiss“-Mission des Astronauten einbeziehen. Erst am Wochenende habe Maurer bei einer Live-Schalte mit der Stiftung Kinderherz bewiesen, wie gut er Dinge erklären könne. „Das ist ganz wichtig. Kinder sind diejenigen, die sich später vielleicht mal mit der Weltraumtechnik und all der Forschungsarbeit beschäftigen“, gibt der Rathauschef zu bedenken. Je früher sie an das Thema herangeführt würden, desto besser. Diese Auffassung teilen auch die Lehrer der Oberthaler Grundschule. Regelmäßig sprechen sie im Unterricht über Maurer und sein Leben in der Schwerelosigkeit. „Wie schläft er da oben? Wie isst er? Wie geht es ihm? Das sind nur einige Fragen, die wir mit den Kindern durchgegangen sind. Vor allem haben sie sich dafür interessiert, wie die ISS-Bewohner zur Toilette gehen“, berichtet Schulleiterin Sandra Schöneberger.

Zwischen Astronaut und Sternwarte

Astronauten und der Weltraum würden auf Jungen und Mädchen ohnehin eine gewisse Faszination ausüben. „Aber mit Matthias Maurer ist es schon etwas ganz Besonderes. Hier ist ein persönlicher Bezug da, weil der Raumfahrer aus ihrer Heimat stammt. Einige Schüler kennen ihn auch persönlich“, sagt Schöneberger. Gerade die älteren Kinder seien von der Raumfahrt begeistert. Sie könnten es bereits verstehen, dass da ein gigantisches Labor um unseren Planeten kreist. „Mit den Viertklässlern haben wir daher auch die Aufzeichnung des Raketenstarts angesehen“, berichtet die Schulleiterin. Im nächsten Jahr seien zudem Ausflüge etwa zur Sternwarte Peterberg und ins Weltraum-Atelier geplant.

„Könnt ihr euch denn vorstellen, selbst einmal mit einer Rakete abzuheben?“, will der Bürgermeister von den Kindern wissen, während seine Assistentin noch immer mit Messen beschäftigt ist. „Nein, das ist mit zu gefährlich“, antwortet die neunjährige Lotte. „Ich kann mir nicht vorstellen, sechs Monate lang von daheim weg zu sein“, sagt Luna, überlegt kurz und gesteht: „Einen Rückwärtssalto würde ich in der Schwerelosigkeit aber schon gerne einmal ausprobieren.“ Ihre Freunde lachen.

 Nadine Stemmler marschiert mit dem Messrad an den Kindern vorbei. Bürgermeister Stephan Rausch ist ihr dicht auf den Fersen.
Nadine Stemmler marschiert mit dem Messrad an den Kindern vorbei. Bürgermeister Stephan Rausch ist ihr dicht auf den Fersen. Foto: Sarah Konrad

Inzwischen ist die 100-Meter-Marke geknackt. Die Spannung steigt. Das Messrad rollt weiter. 105, 110, 115 Meter. Plötzlich bleibt Stemmler stehen. „120 Meter“, verkündet sie das Endergebnis. Somit fehlen nur noch 399 880 Meter, um das große Ziel zu erreichen. „Ich hoffe, dass viele Menschen mitmachen“, betont Rausch und ist optimistisch: „Vielleicht schaffen wir ja nicht nur den Hinweg zur ISS, sondern auch noch den Rückweg zur Erde.“