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Corona - Zwei Wochen 2G im Saarland: "Wie ein Lockdown"

Strengere Corona-Regeln im Saarland : „Wie ein Lockdown“: St. Wendeler Unternehmer ziehen kritische Bilanz nach zwei Wochen 2G

Gastronomen und Geschäftleute im St. Wendeler Land klagen über die Corona-Beschränkungen. Aber es gibt auch zuversichtliche Stimmen.

Alle Jahre am 6. Dezember kommt der Nikolaus. Dem stationären Einzelhandel sind an diesem Tag keine Geschenke überreicht, sondern von der Landesregierung neue Corona-Beschränkungen in Form der 2G-Regel verordnet worden. Das bedeutet, dass in Geschäften, die nicht der Grundversorgung dienen, nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt haben.

Weihnachtsgeschäft „extrem eingebrochen“

Auch ohne diese Regelung ist das Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr schlecht angelaufen. Und nach dem dritten Adventswochenende gibt es für Ekkehart Houy, Geschäftsführer des St. Wendeler Textilhauses Houy in der Bahnhofstraße, überhaupt keinen Anlass zu frohlocken. Im Gegenteil. „Seit 2G haben wir deutlich weniger Kunden“, stellt Houy fest. Zudem seien durch den erneuten Ausfall des Weihnachtsmarktes viele Besucher in St. Wendel, sprich Kunden für das Textilhaus, weggefallen. „Am vergangenen langen Samstag war in der Stadt kein Betrieb“, sagt Houy. Und deshalb könne er überhaupt nicht verstehen, dass im Lebensmittel-Einzelhandel oder im Baumarkt, wo viel mehr Betrieb als in seinem Laden herrsche, die 2G-Regel nicht angewendet werden müsse. „Wir tun alles, damit sich der Kunde bei uns sicher fühlt, aber auf der anderen Seite geht leider nicht alles“, klagt Houy. Von „süßer die Kassen nie klingeln“ könne beim diesjährigen Weihnachtsgeschäft erneut keine Rede sein. „Das Weihnachtsgeschäft ist extrem eingebrochen. Der Vorteil ist, dass wir uns über den Besuch von jedem einzelnen Kunden freuen, um ihn dann umfänglich bedienen und beraten zu können“, meint er.

Aktuell hat der Handelsverband Textil Schuhe Lederwaren (BTE) eine „sofortige Abschaffung der 2G-Beschränkungen“ im Modehandel gefordert. Der stationäre Handel gerate dadurch in eine „dramatische, vielfach existenzbedrohende Situation“, sagt BTE-Präsident Steffen Jost.

40 Prozent weniger Umsatz seit 2G

Mit Beginn der 2G-Regel hat Nicole Glaab, vom Sporthaus Glaab in Marpingen, einen deutlichen Rückgang der Kundenfrequenz registrieren müssen. „Man merkt es gewaltig, es macht keinen Spaß mehr. In den eigentlich stärksten Wochen haben wir 40 Prozent weniger Umsatz“, beklagt Glaab. Mit der 3G-Regel sei alles schon schwierig gewesen, mit 2G sei dann noch die Laufkundschaft weggebrochen.

Dagegen ist im Oberthaler Free Out Corner von Frank Henkes die 2G-Regel bislang kein Auslöser zur Klage. „So weit ist alles in Ordnung, auch bei 3G ist nicht aufgefallen, dass weniger Kunden gekommen sind“, sagt Henkes. Seine Kundschaft wolle die Kleidung oder Schuhe anprobieren und nicht im Internet bestellen und danach nicht dreimal umtauschen, weil nichts gepasst habe.

Hans Klein, von Buch und Papier Klein in der St. Wendeler Bahnhofstraße, hat seit der  Beschränkung einen leichten Rückgang der Kundenfrequenz festgestellt. „Trotz der vorherigen Erwartungen und Ängste läuft es bei uns überraschend gut“, sagt Klein. Aber es sei mit dem Weihnachtsgeschäft in der Zeit vor Corona keinesfalls zu vergleichen. „Wir tun alles dafür, dass sich unsere netten und treuen Kunden bei uns sicher fühlen“, hat für Klein oberste Priorität. Den Wegfall des Weihnachtsmarktes habe auf sein Geschäft keine größeren Auswirkungen gezeigt. „Das betrifft die Kollegen, die mitten im Marktgeschehen drin sind, stärker als uns“, weiß Klein.

„November war ganz schlecht“

Quasi mit Beginn der Corona-Welle Ende Februar 2020 hat Nils Henkes Slappys Local Skateshop in der St. Wendeler Balduinstraße eröffnet. „Ich habe noch keine Erfahrung, was abgeht, wenn es normal läuft“, meint er. Momentan sei wenig los, und die Anzahl der Laufkundschaft sei zurückgegangen. „Der November war ganz schlecht, auch weil dann die Skateboard-Saison beendet ist. Jetzt geht mehr Kleidung als Weihnachtsgeschenk. Im März wird es dann wohl wieder losgehen“, blickt Henkes voraus.

Für die Gastronomiebetriebe bedeutet die 2G-Plus-Regel ein dickes Minus. Seit Anfang Dezember muss der Gast geimpft oder genesen sein und einen tagesaktuellen negativen Corona-Schnelltest vorzeigen. „Der Dezember ist sonst der stärkste Monat“, sagt Christian Lüdeke, Geschäftsführer der St. Wendeler Felsenmühle. Mit 2G-Plus habe der Monat wie ein Lockdown begonnen. „Sonntags haben wir schon am späten Nachmittag zugesperrt“, berichtet Lüdeke. Beim Tagesgeschäft sei es ganz ruhig geworden. „Das hatten wir jetzt aufgebaut. Aber nur für in der Mittagspause essen zu gehen, lässt sich nicht jeder extra testen. Außerdem dürfen wir ja nur Firmentests anerkennen, die von einem Arzt durchgeführt worden sind“, erklärt Lüdeke. Etliche Weihnachtsfeiern mit großen Gruppen seien abgesagt oder die Gästezahl noch einmal reduziert worden. „Sonst waren wir für einen Monat im Voraus ausgebucht“, beklagt er. Zudem ist der Gastronomiebetrieb mit der Übernahme der Bewirtung im St. Wendeler Saalbau breiter aufgestellt worden. „Auch da sind Veranstaltungen weggefallen oder sind nicht so gut besucht. Aber wir haben unser Personal behalten können“, teilt der Felsenmühle-Geschäftsführer noch mit.

„Lockdown während der Woche“

Udo Schmitt, Betreiber der St. Wendeler Musikkneipe Spinnrad und des Hotels La Wendel verdeutlicht: „Die 2G-Plus-Regelung ist praktisch gleichgesetzt mit einem Lockdown während der Woche“. Spontane Gaststätten- oder Restaurantbesuche seien aufgrund der Testpflicht völlig weggefallen. „Das ist vielen zu umständlich. Junge Leute lassen sich noch teilweise für den Gaststättenbesuch testen, aber ab dem Alter von 35 oder 40 Jahren hört dann auch mal die Spontanität auf“, sagt Schmitt. 2G-Plus treffe die Gastronomie hart, und das im sonst umsatzstärksten Monat. „Auch wir müssen überlegen, wie wir unsere Öffnungszeiten nach den Weihnachtsfeiertagen anpassen“, kündigt Schmitt an. Gehe die Regelung im Januar weiter, dann seien über die Woche neue Öffnungszeiten für das Spinnrad unumgänglich, kündigt er an. Dass nun im Saarland geboosterte Menschen von der Testpflicht ausgenommen sind, wird in den gastronomischen Betrieben und Hotels wohl kaum für einen großen Andrang sorgen. Der stationäre Einzelhandel und die Gastronomie-und Hotelbetriebe bekommen die vierte Corona-Welle wie kaum eine andere Branche zu spüren.