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Esa-Astronaut Matthias Maurer vor seinem Flug zur ISS

Esa-Generaldirektor über saarländischen Astronauten : Matthias Maurer — „fantastischer Kandidat“ für den Mond

Bei einer Pressekonferenz sprach Esa-Generaldirektor Aschbacher über die Chance, dass ein Saarländer der erste Europäer auf dem Erdtrabanten werden könnte. Der Astronaut selbst informierte derweil über seine bevorstehende Cosmic-Kiss-Mission.

Matthias Maurer hat sich am Montag aus dem Saarland verabschiedet. Zumindest vorübergehend. Denn in sieben Wochen wird er die Erde verlassen und zur Internationalen Raumstation (ISS) abheben. In seiner Heimatgemeinde Oberthal ist der Esa-Astronaut dennoch präsent. An den Bushaltestellen lächelt sein Porträt den Menschen zu. Er werde den Kontakt halten und unser kleines Bundesland auch im Weltraum nicht aus dem Blick verlieren, hatte der 51-Jährige bei einem Besuch im Weltraum-Atelier in Mosberg-Richweiler versprochen.

Es war einer von vielen öffentlichen Terminen, die Maurer in dieser Woche wahrgenommen hat. Bei seinem letzten Aufenthalt in Deutschland vor dem Start wollte er noch einmal für die Raumfahrt werben und über seine Cosmic-Kiss-Mission informieren. Die Europäische Raumfahrtagentur (Esa) organisierte daher eine Pressekonferenz im Astronautenzentrum (EAC) in Köln. Medienvertreter aus ganz Europa hatten die Gelegenheit, ihre Fragen loszuwerden – direkt vor Ort und virtuell. Maurer sowie Vertreter der Esa und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) standen ihnen Rede und Antwort.

Neue Tradition

Gleich zu Beginn seines Auftritts verriet der Saarländer von einer neuen Tradition, die er in der Rheinmetropole eingeführt hat. „Alle meine Kollegen, die in den vergangenen Jahren von Kasachstan aus gestartet sind, haben an sehr vielen schönen Ritualen teilnehmen dürfen“, erzählte Maurer. Sie hätten beispielsweise Bäumchen in die Erde gesetzt, bevor sie in die Rakete gestiegen sind. „Da ich nicht von Kasachstan aus fliege, sondern mit einer ganz neuen amerikanischen Kapsel der Firma SpaceX, habe ich den Wunsch geäußert, dass ich den Baum in Köln pflanzen darf und damit vielleicht eine neue Tradition hier am Astronautenzentrum ins Leben rufe“, sagte Maurer. Das Bäumchen sei ein Symbol dafür, dass die Raumfahrt am Wachsen sei – weltweit, aber auch in Europa. Zurzeit liege der Fokus im EAC auf dem Training für die ISS. „In Zukunft möchten wir in Richtung Erkundung gehen und ein ganz neues Zentrum aufbauen, in dem wir für Missionen auf dem Mond trainieren“, verriet Maurer, der die Konzeption für den Aufbau der sogenannten Luna-Anlage leitete.

Neue Ära

Passend dazu stand in der rechten Ecke des Foyers, in dem die Pressekonferenz abgehalten wurde, ein Stein vom Mond, der mit der Apollo-16-Mission zur Erde kam. Diesen hatte der Esa-Astronaut bei der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa abgeholt und nach Deutschland gebracht. „Das war ein besonderes Erlebnis. Dieser Stein ist sehr wertvoll. Für mich ist er unbezahlbar“, sagte er. Der Stein sei ein Symbol dafür, dass sich Europa auf die Erkundung des Erdtrabanten vorbereite. „Er ist der Grundstein. Mit dem Luna-Zentrum werden wir darauf aufbauen und hoffentlich in ein paar Jahren neue Steine vom Mond zurückbringen“, erklärte Maurer.

Flug zum Mond

Die Nasa hat bereits angekündigt, zu dem fernen Himmelskörper zurückkehren zu wollen. Bis 2028 soll im Mondorbit die Gateway-Station entstehen, an deren Herstellung auch die Europäer beteiligt sind. Drei Esa-Astronauten sollen dorthin aufbrechen. Aber wie stehen die Chancen, dass ein Saarländer als erster Nicht-Amerikaner über den Erdtrabanten hüpfen wird? Das wollte einer der Journalisten von Josef Aschbacher, dem Generaldirektor der Esa, wissen. „Das ist eine sehr wichtige Frage. Ich weiß, dass Matthias jetzt ganz genau zuhört“, sagte er und lachte. Die Esa sei dabei, einen europäischen Astronauten für eine Reise zum Mond vorzubereiten. „Wer das im Endeffekt ist, das kann und will ich noch nicht sagen. Das ist noch nicht entschieden“, antwortete Aschbacher. Allerdings fügte er hinzu: „Matthias ist ein fantastischer Kandidat dafür.“

Cosmic-Kiss-Mission

Bevor Maurer seinen Traum vom Flug zum Mond in Angriff nehmen wird, steht für ihn jetzt aber erst einmal die Reise zur Raumstation bevor. Der Start ist auf den 31. Oktober terminiert, kann sich aber durchaus noch nach hinten verschieben. Ein Grund dafür sei das in Florida nur schwer vorhersagbare Wetter. Darüber hinaus sei der Weltraumbahnhof am Kennedy Space Center sehr gefragt. Viele Unternehmen würden von dort ihre Raketen starten. „Wir müssen für unseren Start einen freien Platz finden und die Startrampe muss bereit sein“, erläuterte Maurer. Zwei Wochen vor seinem Flug werde eine Space-X-Schwerlast-Rakete abheben. Diese verursache einen größeren Schaden an der Startrampe, der repariert werden müsse. Erst danach sind Maurer und seine Crew an der Reihe. Das Startdatum könne daher noch um ein paar Tage variieren. „Ich wüsste jedoch auch gerne endlich, wann es genau losgehen wird“, sagte Maurer.

Zeit vorm Start

Die letzten Wochen vor der großen Reise wird der Astronaut in den USA verbringen. Es stünden noch einige finale Proben an. 14 Tage vor Missionsbeginn muss sich Maurer in Quarantäne begeben. Das habe nicht direkt etwas mit Corona zu tun, sondern sei ein Standardvorgehen. „Wir wollen sicherstellen, dass wir uns nicht noch eine Infektion einfangen“, erklärte er. Danach hieße es, endgültig Abschied zu nehmen – von Freunden, Familie und der Erde. Aber: „I’ll be back“, versprach Maurer mit den Worten von Terminator Arnold Schwarzenegger.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Matthias Maurer am Astronautenzentrum in Köln