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Hochwasser: Einsatzkräfte aus dem Kreis St. Wendel weiterhin vor Ort

Helfer aus St. Wendel weiter im Einsatz : Dimension des Hochwassers macht betroffen

Sie geht weiter – die Unterstützung der Rettungskräfte aus dem Landkreis St. Wendel in den Krisengebieten in Rheinland-Pfalz. Feuerwehr, THW, DRK und DRLG sind gleichermaßen gefordert.

Für den Leiter des Katastrophenschutzes im Landkreis St. Wendel gibt es derzeit einiges zu koordinieren. Doch betrifft es dieses Mal nicht die eigene Heimat, sondern die Katastrophe, die Menschen kurz hinter der saarländischen Grenze, ereilt hat. In der Nacht zu Donnerstag machte sich Dirk Schäfer selbst ein Bild von der Lage vor Ort im Hochwassergebiet (wir berichteten). Jetzt ist er zurück in St. Wendel und steht in stetigem Austausch mit den Hilfsorganisationen im Landkreis, aber auch landesweit. Auch zur Einsatzzentrale in Trier gibt es den direkten Kontakt.

In der Nacht zum Freitag sind neue Katastrophenschutzeinheiten von Feuerwehr, Deutschem Roten Kreuz (DRK) und Technischem Hilfswerk (THW) aus dem St. Wendeler Landkreis zum Einsatz in die Krisengebiete in Rheinland-Pfalz alarmiert worden. Wie Schäfer berichtet, stellt das Saarland auf Antrag des Landes Rheinland-Pfalz eine Einheit zur Trinkwasserversorgung bereit. Darin sind auch Kräfte der Feuerwehren aus Marpingen und Tholey vertreten. Für sie ging es in der Nacht nach Ahrweiler. „Aktuell wurden zwei Einheiten davon vom Krisenstab in Konz angefordert und abgerufen“, so Schäfer. Der Ortsverband des THW Nohfelden ist ebenfalls im Einsatz. Derzeit mit der Fachgruppe Logistik Führung und Logistik Materialerhaltungsgruppe. Sie betreiben einen Bereitstellungsraum in Hermeskeil. Was das DRK betrifft, so sollen die Kreisverbände St. Wendel und Saarlouis gemeinsam eine Einheit bilden und im Raum Ahrweiler helfen. „Uns erreichen viele Anfragen, was Spenden und Unterstützung betrifft“, sagt der Leiter des Katastrophenschutzes. Beides freut ihn. Doch müssten sowohl Sachspenden als auch der persönliche Einsatz im Hochwassergebiet koordiniert werden. Deshalb bittet er diejenigen, die helfen möchten, dies zuvor mit den Verantwortlichen vor Ort abzuklären. Entsprechende Infos gibt es auf den jeweiligen offiziellen Seiten der betroffenen Kreise und Kommunen, wie beispielsweise in Adenau (https://hochwasseradenau.de/hotline-fuer-helfer/).

Die Eindrücke, mit denen St. Wendels Kreisbrandmeister Frank Feid aus der Hochwasserregion zurückgekehrt ist, sind noch ganz frisch. Den Donnerstag hat er in Kordel bei Trier verbracht. Feid, der ebenfalls im Amt für Katastrophenschutz des Landkreises St. Wendel tätig ist, hat als erfahrener Feuerwehrmann schon einige Hochwassereinsätze erlebt. „Aber das ist eine ganz andere Dimension.“ Das komplette Dorf sei regelrecht abgesoffen. Zusammen mit Einheiten des DRLG war die Feuerwehr in den Ort entsendet worden, um beim Retten der Menschen zu unterstützen. Diese saßen beispielsweise im ersten Stock ihrer Häuser fest und konnten diese wegen der Wassermassen, welche die Straßen geflutet hatten, nicht mehr verlassen. „Es ist eine andere Situation, als wenn bei einem Brand das Signalwort ,Menschenrettung’ erscheint“, beschreibt Feid. Da müsse alles ganz schnell gehen. Hier blieb mehr Zeit. Der Kreisbrandmeister bewundert die Art und Weise, wie sich die Bewohner in der Katastrophe verhielten. Sie seien ruhig und besonnen.

Mit den Fahrzeugen sind die St. Wendeler Einsatzkräfte bis zu dem Punkt gefahren, wo das Wasser begann. Vor dort aus ging es in Booten weiter. Feid spricht von starken Strömungen. Daher hätten die kleinen Boote nicht mehr ausgereicht. Größere kamen zum Einsatz. „Einmal ist es zu einer unschönen Situation gekommen“, so Feid. Der Pegel sei plötzlich gefallen, sodass der Motor nicht mehr eingesetzt werden konnte. Da sei selbst das große Boot abgetrieben.

Von starken Strömungen berichtet auch Oliver Neis. Der Vizepräsident des DLRG-Landesverbands war zusammen mit 20 Wasserrettern aus dem Landkreis St. Wendel und entsprechender Ausrüstung ebenfalls in Kordel im Einsatz. „Dabei wurde deutlich, wie wichtig die DLRG als Komponente ist.“ Die Strömungsretter seien in solchen Hochwasser-Szenarien Gold wert. Da die Feuerwehr in Kordel nicht zu einem Hausbrand gelangen konnte, habe auch da die DLRG geholfen. „Am Einsatzort ist es ein Miteinander“, betont Neis.

In der Heftigkeit wie aktuell hat er selbst noch kein Hochwasserereignis erlebt. „In kürzester Zeit lief der Ort voll. Die Menschen hatten keine Möglichkeit mehr, aus dem Haus zu kommen.“ Vereinzelt hätten Bewohner noch gehofft, das Wasser würde wieder schnell abfließen und sie könnten in ihrem Zuhause bleiben. Doch dann ließen sich auch diese Personen von den Helfern ins Trockene bringen. In erster Linie seien alle vor Ort sehr hilfsbereit gewesen. „Aber ich habe auch große Verzweiflung wahrgenommen“, sagt Neis. Es ginge schließlich um Existenzen. Ein Seniorenheim in Kordel konnte noch rechtzeitig, ehe die Flut kam, evakuiert werden, berichtet Neis. Er und seine Wasserretter-Kollegen sind aktuell wieder in der Heimat. Die letzten seien Freitagmorgen vom Einsatz zurückgekehrt. Neis kann sich vorstellen, dass die Truppe wieder gebraucht wird. „Die Einheit ist einsatzbereit.“

Es gibt noch viel zu tun für die Ehrenamtler des Landkreises, die aktuell in verschiedenen Orten die dortigen Organisationen unterstützen. Wenn Brandmeister Feid an Ahrweiler denkt und den Anblick, der sich aktuell bietet, fühlt sich der Nonnweiler an den Tsunami im Dezember 2004 in Indonesien erinnert. Bewegt von den Eindrücken betont Feid, wie viel Glück unsere Region hatte, dass die Unwetterfront daran vorbeizog. „Unser Landkreis ist wie ein weißes Loch in der Karte“, sagt Feid, der den Regenradar am Mittwoch beobachtet hatte.

Für ihn hat das aktuelle Einsatz-Szenario einmal mehr gezeigt, dass der Katastrophenschutz im Landkreis St. Wendel gut aufgestellt ist. Das sei dem Landrat und auch den Bürgermeistern der Kommunen zu verdanken. Mit der Sandfüllanlage und entsprechender Ausstattung für Strom und Licht seien die Helfer, die Mittwochnacht nach Bitburg eilten, quasi auch in der Lage gewesen, als autarke Einheit zu agieren.

Neben der Ausstattung für die Retter ist auch die Warnung der Bürger ein wichtiger Aspekt bei Naturkatastrophen. Darauf macht St. Wendels Landrat Udo Recktenwald (CDU) aufmerksam. Das Saarland brauche daher einen Ausbau und eine Modernisierung des Sirenennetzes. Dieser werde durch den Bund gefördert. „Hier müssen wir schneller vorangehen, denn auch bei uns können jederzeit Wetterextreme und sonstige Katastrophen eintreten. Und darauf müssen wir vorbereitet sein, davor muss unsere Bevölkerung frühzeitig gewarnt werden“, so Recktenwald.

Wassermassen haben viel Leid, Schmerz und Zerstörung gebracht. Aufmerksam verfolgt auch Katastrophenschutz-Leiter Dirk Schäfer die Wetterprognosen. Sonne wird dort angekündigt. Sorgenfalten bilden sich auf seiner Stirn. „Nach dem Wasser beginnt ein Großteil der Arbeit für die Helfer“, weiß Schäfer. „Wenn der Schlamm, der mitgeschwemmt wurde, nun trocknet, wird er hart wie Beton.“