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Ist Weihnachten eine Franchise-Unternehmung und wann kommt die Endzeit

Es weihnachtet sehr : Vom Himmel hoch kommt Franchise her

SZ-Redakteur Thorsten Grim hat sich Gedanken zum bevorstehenden Weihnachtsfest gemacht. Dabei wurde ihm etwas offenbar.

Alle Jahre wieder, kommt das Christuskind, auf die Erde nieder, wo wir Menschen sind. Doch anders als wir unserem Nachwuchs weismachen wollen, bringt es keine Geschenke mit. Die müssen wir selbst besorgen. Das Christkind leiht uns lediglich den Namen für unsere gemeinsame Unternehmung (Weihnachten). Überspitzt formuliert könnte man von Franchise reden. Als Franchisegeber räumt das Christkindchen seinen Kooperationspartnern – uns – das Recht ein, sein über Jahrhunderte immer weiter entwickeltes Konzept nutzen zu dürfen. Also Tannenbaum, Krippe, Christmette, Bescherung, Weihnachtsbraten und so. Bezahlt wird mit Gebeten, Gesängen, Barmherzigkeit, Nächstenliebe und gottgefälligem Verhalten – wobei da die eine oder andere Rechnung noch offen sein dürfte. Jedenfalls: Wie lange das Franchise-System Bestand hat, legt der Franchise-Geber fest. In unserem himmlischen Fall macht das aber nicht der Junior-Chef. Sondern der Senior persönlich sagt, wann es so weit ist. So heißt es in Matthäus 24,36: „Von jenem Tag aber und jener Stunde weiß niemand, auch nicht die Engel in den Himmeln, auch nicht der Sohn, sondern der Vater allein.“ Die Rede ist von der Wiederkunft Jesu. Die bringt zwar den ersehnten Weltfrieden – so ist es prophezeit –, aber die Endzeit bedeutet eben auch das Ende von Weihnachten (weniger ersehnt). Ich rechne jedoch zumindest in diesem Jahr nicht damit – auch wenn das eine oder andere Zeichen, das laut Bibel der Endzeit vorausgeht, bereits wahrnehmbar ist –, dass alles zu Ende geht. Wenigstens nicht vor Heiligabend. Es bleibt also nichts anderes übrig, als die kommenden Tage zu nutzen – so fern noch nicht getan –, um Geschenke für die Liebsten zu besorgen. Selbstredend im regionalen Einzelhandel. Übrigens fällt es mir beim Schreiben dieser Zeilen wie Schuppen von den Augen, dass meine Eltern meine Schwester und mich früher immer veräppelt haben, wenn es in der Adventszeit hieß: Wir fahren nach Saarbrücken zum Christkind. Das wohnt doch überhaupt nicht in der Landeshauptstadt.