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„Keine generelle Wildschweinproblematik im Landkreis St. Wendel“

Kreisjägermeister Michael Saar : „Keine generelle Wildschweinproblematik im Kreis St. Wendel“

Im SZ-Interview spricht der Kreisjägermeister über das Vordringen von Schwarzwild in Wohnsiedlungen und was dagegen unternommen werden kann.

Herr Saar, wie groß ist die Wildschweinproblematik im Saarland und insbesondere auch im Landkreis St. Wendel?

Michael Saar Eine Häufung von Schwarzwild im Saarland lässt sich derzeit vor allem – aber bei weitem nicht nur – in urbanen Bereichen, wie zum Beispiel dem Stadtverband Saarbrücken beobachten. Dort vor allem auch in Siedlungsnähe. Im Landkreis St. Wendel, der mehr ländlich geprägt ist, kann von einer generellen Wildschweinproblematik nicht die Rede sein. Zumindest liegen keine weiteren Beschwerden über massive Schäden, die durch das Schwarzwild in Siedlungsgebieten verursacht wurden, vor.

Warum dringen immer mehr Wildschweine in Wohngebiete vor?

Saar Wie im Falle von Marpingen, kann das dadurch begründet sein, dass die Wildschweine im Wald zurzeit kaum Futter finden, weil es in diesem Herbst kaum Eichel- und Bucheckernmast gab. Sie suchen dann Siedlungsnähe auf, weil sie dort in verwilderten Gärten und im Kompost Futter finden und zudem aus Sicherheitsgründen nicht bejagt werden können. Dies lernt das intelligente Wild sehr schnell. Auch der Freizeitdruck, der bis in die späten Abendstunden etwa durch Sportler, Hundebesitzer und Wanderer betrieben wird, insbesondere auf Wander- und Feldwegen, kann dazu führen, dass das Wild sich in ungestörte Bereiche zurückzieht. Ebenso wird der Jagddruck, den insbesondere das Schwarzwild durch zum Teil starke Bejagung erfährt, um Wildschäden in der Landwirtschaft zu vermindern, aber auch zur ASP-Prophylaxe (ASP steht für Afrikanische Schweinepest, Anm. d. Red.) dringend erforderlich ist, eine Rolle spielen, sodass sich das Wild in diese Bereiche zurückzieht. Das Schwarzwild muss allein durch vorgenannte Gründe stark bejagt werden.

Was können Sie tun, um zu verhindern, dass Wildschweine in Wohngebiete vordringen?

Saar Dauerhaft erfolgversprechend ist lediglich intensive Bejagung des Schwarzwildes, was aber ohnehin geschieht. Böllerschüsse oder Chili-Wasserspray versprechen allenfalls kurzfristigen Erfolg bei der Vergrämung des Wildes in Siedlungsgebieten. Im Zweifel wird man das Schwarzwild immer dort finden, wo das beste Äsungsangebot ist. Und in Zeiten, in denen unsere Wälder hier wenig zu bieten haben und die Feldflure weitestgehend abgeerntet sind, ist das der Siedlungsbereich des Menschen. Hier schützen immer noch am besten massive Einfriedungen vor Schäden. Manchmal ist es auch leider so, dass vermeintliche Tierfreunde das Schwarzwild durch Futtergaben anlocken. Das sollte auf jeden Fall vermieden werden.