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Klinikum in St. Wendel: Viele Veränderungen in Geburtshilfe

Sitzung des Kreistages : Im Marienhaus Klinikum in St. Wendel verändert sich so einiges – auch in der Geburtshilfe

Einstimmig hat sich der Kreistag am Montag für den Erhalt der kompletten Versorgung in Sachen Frauenheilkunde im Marienhaus Klinikum ausgesprochen.

Im Marienhaus Klinikum in St. Wendel sind in den nächsten Jahren zahlreiche Veränderungen geplant. So soll das Krankenhaus mit neuen Schwerpunkten und einer baulichen Optimierung eine gute medizinische Versorgung sicherstellen. Andererseits sollen bereits im Frühjahr 2022 altbewährte Bereiche wie die Operative Gynäkologie und das Brustzentrum nach Neunkirchen umziehen. Der Kreistag St. Wendel lehnt diese Verlagerung ab und hat daher in seiner Sitzung am Montagabend – auf Antrag der CDU-Fraktion – einstimmig eine Resolution verabschiedet.

Deren Vorsitzender Dennis Meisberger erklärte: „Die pandemische Entwicklung in den vergangenen Wochen und Monaten hat deutlich gemacht, wie wichtig eine gute und wohnortnahe gesundheitliche Versorgung ist.“ Der Kreistag begrüße daher, dass die Landesregierung mit der Fortschreibung des Krankenhausplanes die Grundlage für die Weiterentwicklung und den Ausbau des Krankenhausstandortes St. Wendel gelegt habe.

Die Entwicklung in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe betrachtet der Kreistag allerdings mit Sorge. „Zwar hat sich die Zahl der Geburten auf rund 600 pro Jahr in den vergangenen Jahren positiv entwickelt, jedoch geht die Zahl der chirurgischen Eingriffe in der Gynäkologie weiter zurück“, konstatierte der Kommunalpolitiker. Die Verlagerung der beiden Abteilungen bedeute eine Verschlechterung des Angebotes. Der Kreistag fordert den Krankenhausträger daher auf, alle personellen und organisatorischen Anstrengungen zu unternehmen, auch künftig ein gutes Versorgungsangebot für Frauen im Landkreis zu gewährleisten. „Insbesondere muss auch die Zukunft der Geburtshilfe gesichert und attraktiver werden“, betonte Meisberger. In seiner Resolution verlangt das Gremium deshalb, dass der Träger des Klinikums den Kreißsaal modernisiert, Partnerzimmer einrichtet und bereitstellt sowie einen eigenen Chefarzt für die Geburtshilfe am Standort St. Wendel einstellt. Gleichzeitig solle mit einer breiten Öffentlichkeitsarbeit das Angebot der Geburtshilfe beworben werden.

„Wir alle wollen, dass auch in zehn Jahren noch kleine Erdenbürger in St. Wendel auf die Welt kommen“, stellte Magnus Jung, Vorsitzender der SPD-Fraktion, klar. Er befürchtet, dass nach dem Umzug der Operativen Gynäkologie und des zertifizierten Brustzentrums auch die Geburtshilfe nicht mehr in der Kreisstadt gehalten werden kann. Aus diesem Grund fordert er die Verantwortlichen dazu auf, ihre Entscheidung noch einmal zu überdenken. „Leider hat das bisherige System gynäkologische und insbesondere geburtshilfliche Behandlungen zu schlecht finanziert. Für die Träger war es oft ein Minusgeschäft, wenn sie nicht extrem hohe Fallzahlen aufweisen konnten. Das war ungerecht“, sagte Jung. Allerdings sehe der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung im Bereich der Geburtshilfe Verbesserungen in der Finanzierung vor. Angesichts dessen plädierte der Politiker dafür, noch abzuwarten und nichts zu überstürzen. „Wir sollten ein Kuratorium gründen, uns noch mal zusammensetzen und Alternativen zu der Verlagerung erarbeiten“, erklärte Jung. Schließlich seien die Qualität und die Zahlen der beiden Bereiche in der Vergangenheit gut gewesen.

Auch Heike Kugler von den Linken sprach die finanzielle Situation in Kliniken an. Sie sieht die Gefahr, dass durch die zunehmende Privatisierung von Krankenhäusern nur noch Behandlungen abgewickelt werden, die sich finanziell rentieren. Davon müsse man wegkommen. Ein erster Schritt wäre es, die Gynäkologie in St. Wendel vollumfänglich zu erhalten. „Wir wollen ein lebendiger Landkreis sein und keiner, in dem man nur auf dem Sterbebett begleitet wird“, sagte Kugler. Diesen Worten schloss sich Lars Schlaup von den Grünen an. Er betonte, dass die Geburtshilfe und Frauenheilkunde ein ganz wichtiger Standortfaktor seien. „Wir brauchen junge Familien, die hier gesund und glücklich ihre Kinder zur Welt bringen können“, erklärte er.

Die Resolution des Kreistages sieht Landrat Udo Recktenwald (CDU) als ein wichtiges Signal. „Gesundheitsvorsorge ist auch Daseinsvorsorge“, ist er überzeugt. Die Geburtshilfe, die Frauenheilkunde und die Gynäkologie seien Aushängeschilder für den Krankenhausstandort und die Region. Der Beschluss des Gremiums sei daher nicht der Abschluss, sondern der Auftakt. „Wir verbinden damit Erwartungen, deren Umsetzungen wir mit den Verantwortlichen verfolgen wollen. Die Diskussion wird weitergehen müssen“, sagte der Landrat.