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Machtübergabe in Berlin: Warum wir Deutschen „Liebe Angela“ und „Lieber Olaf“ brauchen

Kolumne Apropos : Machtübergabe in Berlin: Warum wir Deutschen „Liebe Angela“ und „Lieber Olaf“ brauchen

Etwas ganz Großes ging am Mittwoch in Berlin vonstatten. 16 Jahre Kanzlerschaft von Angela Merkel sind Geschichte. Warum wir Deutschen - laut unserem Redakteur Daniel Bonenberger - einen harmonischen Machtwechsel brauchen.

Haben Sie es gemerkt? Ist da wirklich etwas Großes passiert? Ich weiß nicht so recht. Hat da wirklich ein historischer Machtwechsel in Deutschland stattgefunden?

Ja, tatsächlich. Es ist so: Die erste Ampelkoalition auf Bundesebene ist im Amt. Völlig ungleiche Partner versuchen ein Experiment. 16 Jahre Kanzlerschaft von Angela Merkel sind Geschichte. Das Besondere für mich allerdings war die Coolness und Harmonie, mit der der Regierungswechsel vonstattenging. Allerorten hieß es „Liebe Angela“, „Lieber Olaf“, überall wurden Blumensträuße verteilt und politische Lobreden auf die Amtsvorgänger oder Nachfolger gehalten, wurde ihnen Glück und gutes Gelingen für ihr politisches Handeln gewünscht. Als politischer Beobachter kann ich da nur staunen. Haben da nicht politische Kontrahenten um die Macht in Deutschland gerungen, war im Wahlkampf nicht die Rede vom Schrecken des Sozialismus, Stichwort „rote Socken“, vom Ende des freiheitlichen Kapitalismus, von der Unabwendbarkeit der Klimakatastrophe, der grünen Bevormundungs-Diktatur, vor welcher mal die eine, mal die andere Seite eindringlichst gewarnt hat.  Umso erstaunlicher die Harmonie und fast freundschaftliche Übergabe der Macht. Für mich macht genau das Deutschland stark.

Wir brauchen nicht Bilder wie aus den USA, wo ein wütender Mob das Kapitol erstürmt, auch nicht die durchaus amüsanten Kampfreden aus dem britischen Unterhaus,  die niemals verstummen. Wir Deutschen brauchen genau das, was wir auch bekommen haben. Eine „liebe Angela“ und einen „lieben Olaf“ und einen friedlichen, ja fast harmonischen Machtwechsel.