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Der Heimat- und Verkehrsverein Berschweiler stellt sich vor

Film zeigt Dorf aus der Vogelperspektive : Verein erkundet Heimatort mit einer Drohne

Der Film „Berschweiler von oben“ ist fertig und damit ein weiteres Projekt des Heimat- und Verkehrsvereins Berschweiler abgeschlossen. Womit sich dessen Mitglieder außerdem beschäftigen, hat sich SZ von den Vorsitzenden berichten lassen. Es ist der Auftakt zu einer Serie über die Heimatvereine in der Region.

Raimund Meisberger, Jahrgang 1948, stellvertretender Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins (HVV) Berschweiler, hat viel zu erzählen. Und zwar nicht am Handy – sondern lieber persönlich, wie er betont. Er bedauert, dass das Interesse an heimatkundlichen Themen in der Bevölkerung, vor allem bei den Jüngeren, abnimmt.

Einzug erhält die neue Technologie aber dennoch – und zwar in Form von Drohnenfotografie und Drohnenfilm. Denn der Verein hat den Film „Berschweiler von oben“ realisiert. Dazu kam es, als der Verein ein aktuelles Luftbild vom Ort fertigen wollte, das man den Mitgliedern und der Berschweiler Bevölkerung zum Erwerb als Erinnerung oder Geschenk anbieten wollte. Ermöglicht hat die Produktion der Internetbeauftragte des HVV Berschweiler, Patrick Gebhardt, mit seiner Drohne. Er ist im Besitz des Führerscheins für Drohnenpiloten und hat den Überflug mit der Obersten Luftfahrtbehörde im Saarland abgestimmt. Die Luftaufnahmen können über die Internetseite www.hvv-berschweiler.de, den Facebook- oder Instagram-Account des Vereins sowie über YouTube aufgerufen werden.

Gegründet wurde der Verein 1953 von dem Berschweiler Ehrenbürger Emil Wagner. Er ist Herausgeber des Berschweiler Heimatbuches und war 1957 Initiator eines gemeinnützigen Schullandheimes, der heutigen „Biber-Burg“. Wichtige Ziele des gemeinnützigen Vereins sind die Traditionspflege durch verschiedene Veranstaltungen, wie „Rommelbooze schnitzen“ und „St. Martin“ (mit Feuerwehr und Ortsvorsteher), sowie die Förderung und Bewahrung des Heimatgedankens und des Gemeinschaftssinnes der Berschweiler Bewohner.

In dem viel zu kleinen Lagerraum im Obergeschoss des Wohnhauses des Vorsitzenden und Biologen Stefan Hell sind die Mitglieder mit dem Anlegen von Archiven zu Bildern, Urkunden und alten Schriften beschäftigt. Dazu zählen Bannbücher aus dem Jahr 1773, in denen jedes Grundstück auf der Berschweiler Gemarkung vermessen und erfasst worden war und die inzwischen eingescannt und digital erfasst sind. Auch andere ortsspezifische Utensilien werden gesammelt. So gibt es das Grammophon aus „Bruche Wirtschaft“ zu bestaunen, mit dem Ende der 1940er bis in die 1950er-Jahre hinein dort Musik geboten wurde, gespendet vom ehemaligen Eigentümer Herbert Schwingel. Sogar ein echter „Berschweiler Rindskopf“ hängt an der Wand.

Zurückblickend wurden über die Jahre viele Veranstaltungen organisiert – von Vorträgen zu historischen und aktuellen Themen, über Tagesfahrten, bis hin zu  Theaterabenden.

 Sie lenken die Geschicke des Heimat- und Verkehrsvereins (HVV) Berschweiler (von links): Raimund Meisberger (Vize-Chef) und Stefan Hell (Vorsitzender).
Sie lenken die Geschicke des Heimat- und Verkehrsvereins (HVV) Berschweiler (von links): Raimund Meisberger (Vize-Chef) und Stefan Hell (Vorsitzender). Foto: Katja Janoschek

Auch verschiedene Wanderungen werden immer wieder angeboten mit dem Ziel, die Wahrnehmung und das Bewusstsein für den Heimatort und die Natur zu stärken und Nutzungsbeziehungen, wie die Bewirtschaftung des Waldes oder die Wirkung und Verwertung von Kräutern zu erklären, teilweise mit regionaler Verköstigung.

Gesellig ging es auch bei Veranstaltungen unter dem Motto „Von der Hand in den Mund“ zu. Das waren Kurse zur Herstellung von Schinken und Würsten, Schmalzfleisch oder Wurst im Glas. Am „Tag des guten Lebens“ traf man sich auf dem Festplatz hinter dem Dorfgemeinschaftshaus, um gemeinsam an der großen Tafel Selbstgemachtes zu genießen.

Mit der Beteiligung am Kinderferienprogramm der Gemeinde in Form von Tages-Aktionen wie Baumwipfelpfad, Vulkanmuseum, Radtouren oder Drachenbaukurse will der Verein den Jüngeren die Chance auf Heimaterlebnisse in der näheren und weiteren Umgebung geben und Traditionelles, wie den Bau einer „Tarätsche“, einer Pfeife aus Weidenrinde, wieder aufleben lassen.

Ideen für Aktivitäten gibt es genügend. Was fehle, sei ein Vereinsraum, in dem sich die Mitglieder treffen und Dinge erarbeiten können, und „Men/Women-Power“, erklärt Hell. Letzteres sei das drängendste Problem. Es fehle an Menschen, die helfen, die Veranstaltungen zu organisieren und durchzuführen. Vereine wie die Landfrauen oder den Gesangsverein gibt es in Berschweiler nicht mehr.

Dabei hat es durchaus Vorteile, sich ehrenamtlich zu betätigen, gerade auch für junge Menschen. Durch freiwilliges Engagement kann man nicht nur sein direktes Umfeld mitgestalten und anderen helfen, sondern auch ganz persönliche Vorteile daraus ziehen. Wie Hell erwähnt, könne neben der unentgeltlichen Nutzung von Tischgarnituren oder Grill für private Feste oder das Entleihen des vereinseigenen Beamers, auch das persönliche Netzwerk ausgebaut werden.

Ideen für weitere Projekte hat der Verein bereits. So könnte ein Backhaus für die Berschweiler Dorfgemeinschaft entstehen oder Aktionsgruppen für gemeinsame Erlebnisse wie die Heu- oder Obsternte.

Der Mitgliedsbeitrag beträgt zehn Euro pro Jahr und wird auf die angebotenen Aktionen angerechnet. Der Heimatverein will vor allem den Jüngeren, die wenig Kontakt zur Heimat haben, „Wurzeln geben“, die Motivation, ihre Heimat zu schätzen und zu bewahren und zu sagen: „Ich bin Berschweiler Bürger, ich identifiziere mich mit dem Ort“, denn, so Stefan Hell: „Flügel kriegen sie früh genug!“