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Papierprobleme sorgen bei Edition Schaumberg in Alsweiler für Stau

Ein Verleger in der Warteschleife : So zeigt sich der Papiermangel auch im Saarland

Papiermangel sorgt auch bei Verleger Tom Störmer in Alsweiler für Verzögerungen. Heimatbuch wird später veröffentlicht.

Tom Störmer sitzt in Alsweiler in seinem Büro und macht das, was er beruflich am liebsten macht: Bücher lesen. Als Leiter des Verlages Edition Schaumberg kennt er schon vor Drucklegung das Ende eines Krimis, die Texte einer Dokumentation oder den Ausgang eines Romans. Denn frisch aus der Feder der Autoren bringt er das Manuskript in Form, redigiert und gestaltet das Layout. Dann geht es in den Druck bei externen Unternehmen. Normalerweise sind die Abläufe fließend, und er muss nicht lange auf die druckfischen Exemplare warten. Aktuell ist aber alles anders.

Drei Bücher liegen bei ihm auf Halde und warten darauf, gedruckt zu werden. In der Warteschleife liegt auch das Heimatbuch des Landkreises St. Wendel. Seit November ruht der 35. Band in der Druckerei. Seit 70 Jahren gibt der jeweils amtierende Landrat alle drei Jahre das Buch mit Beiträgen, Gedichten, Forschungsergebnissen und Erzählungen heraus. Die Autoren sind Menschen aus dem Landkreis St. Wendel, die einiges über ihre Heimat zu berichten wissen. „Der Erscheinungstermin war für Mitte Dezember, also noch rechtzeitig für das Weihnachtsgeschäft, geplant. Jetzt wird es wohl Mitte Januar“, berichtet Tom Störmer. Als Redaktionsleiter hat Tom Störmer wieder die Beiträge für die neueste Ausgabe in ein ansprechendes Layout gebracht und den Einband gestaltet. Mit einer Auflage von 800 Exemplaren soll das Heimatbuch gedruckt und dann über den Buchhandel verkauft werden.

Grund für die Druckverzögerung des Heimatbuches ist der allgemeine Rohstoffmangel, der auch vor der Papierindustrie nicht Halt macht. Nahezu alle Branchen verzeichnen derzeit Verzögerungen in der Produktion ihrer Waren. Rohstoffmangel und Lieferprobleme sorgen für eine angespannte Lage. Auch das Verlagswesen ist betroffen, denn der Rohstoff Papier ist knapp geworden. Die Herausgabe von geplanten Publikationen verzögert sich vielerorts. Die Papierindustrie ist ein sensibles Geschäft, hochtechnisiert und durchrationalisiert. „Das im deutschen Buchhandel verwendete Papier kommt vor allem von Plantagen in Skandinavien, die ihre Wirtschaftsforste an die Anforderungen der Papierindustrie angepasst haben“, so Tom Störmer. Papier wird aus Faserstoffen hergestellt, die heute vor allem aus dem Rohstoff Holz gewonnen werden. Die wichtigsten Faserstoffe sind Zellstoff, Holzstoffe und Altpapierstoff. Das durch Papierrecycling wiederverwertete Altpapier ist mittlerweile die wichtigste Rohstoffquelle in Europa.

Auch Verleger  Störmer bekommt zu spüren, dass dem Buchdruck so langsam das Papier ausgeht: „Wenn ich zu normalen Zeiten zum Beispiel im Auslieferungslager in Trier Papier ordere, hatte ich spätestens am übernächsten Tag die Lieferung. Bei Feinpapieren, die gewöhnlich im Stand-by-Modus zeitnah geordert werden können, müssen wir uns aktuell mit Lieferzeiten von mehr als sechs Wochen auseinandersetzen.“ Ein Problem sei auch der Produktionsausfall im vergangenen Jahr: „Durch die Pandemie hat die Buchproduktion etwa einen Monat stillgestanden. Wie bei einem Stau hat das zu Verzögerungen im Buchdruck geführt.“

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie gelten als eine der Hauptursachen der Lieferengpässe. Mit Beginn der Pandemie und des Stillstands mussten viele Rohstofflieferanten ihre Produktion nach unten anpassen. Mittlerweile hat sich die weltweite Nachfrage nach Rohstoffen wie Papier unerwartet rasch nach oben entwickelt. Es bringt die Rohstofflieferanten in die Bredouille, mit dieser Nachfrage nicht Schritt halten zu können. Lieferketten geraten ins Stocken und setzen auch den Alsweiler Verlag Edition Schaumberg in den Wartemodus. „Eine Entspannung in der Druckbranche sehe ich noch nicht in Sicht. Über kurz oder lang wird der Rohstoffmangel auch beim Endverbraucher als Erhöhung des Kaufpreises ankommen. Neben den gestiegenen Papierpreisen sind es wachsende Personal-, Energie- und Transportkosten, die die Verkaufspreise in die Höhe treiben werden“, so der Verleger. „Ich bin überzeugt, dass Bücher, die jetzt neu eingepreist werden, mit einer Preiserhöhung auf den Markt kommen.“

 So sah das Heimatbuch im Jahr 2018 aus. 
So sah das Heimatbuch im Jahr 2018 aus.  Foto: Bonenberger

www.edition-schaumberg.de