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Wildschweine verwüsten Garten in Marpingen

SZ-Leser fühlt sich im Stich gelassen : Wildschweine verwüsten Garten in Marpingen

Bereits neun Mal ist das Grundstück eines SZ-Lesers den Tieren zum Opfer gefallen.

Tierisches Chaos in Marpingen: Dort haben Wildschweine bereits zum neunten Mal den kompletten Garten von Wolfgang Meisberger durchwühlt. „Anfang des Jahres sind sie zum ersten Mal vorbeigekommen. Zurzeit ist es extrem“, klagt der SZ-Leser. Seit 40 Jahren lebt er bereits in seinem Haus, das in einem Tal nahe des Waldes gelegen ist. Warum die Tiere jetzt plötzlich ins Wohngebiet vordringen, kann sich Meisberger nicht erklären. Auch weiß er nicht, um wie viele Wildschweine es sich überhaupt handelt. „Ich habe sie bisher nie zu Gesicht bekommen. Sie graben das Gelände immer nachts um. Am nächsten Morgen sehe ich dann, was sie angerichtet haben“, erzählt er.

Nachdem er die Schäden mehrmals beseitigt hatte, kontaktierte der Marpinger die Gemeindeverwaltung. „Dort hat man mich an die Untere Jagdbehörde verwiesen“, sagt er. Auch sein Gespräch mit dem zuständigen Jäger sei erfolglos verlaufen. „Er kam vorbei und hat sich meinen Garten angesehen. Dann meinte er, ich müsse einen Zaun ziehen“, berichtet der SZ-Leser. Er ist verärgert, weil sich niemand seinem Problem annehme. Aus diesem Grund wandte er sich an die Saarbrücker Zeitung, die wiederum bei den zuständigen Behörden nachgehakt hat.

Den Verantwortlichen im Rathaus ist der Fall bekannt. „Herr Meisberger stand in Kontakt zu unserer Ortspolizeibehörde. Er hat sich im Gespräch über die Untätigkeit der Jagdpächter und der Jagdgenossenschaft beschwert“, erläutert ein Sprecher der Verwaltung. Nach Meisbergers Meldung habe die Ortspolizeibehörde die Jagdgenossenschaft zu diesem Fall befragt und folgende Auskunft erhalten: „Da das besagte Grundstück in einem Wohngebiet (befriedeter Bereich) liegt, kann dort nicht gejagt/geschossen werden. Ein Antrag auf Ausgleich der Wildschäden hat daher auch keine Aussicht auf Erfolg.“ Alternative Maßnahmen, etwa das Aufstellen eines Zaunes, seien laut des Sprechers mit dem Betroffenen besprochen worden. Ähnliches ist aus dem Landratsamt zu hören. Dort habe sich ein Sachbearbeiter der Unteren Jagdbehörde dem Fall angenommen. „Herr Meisberger wurde auch von unserer Seite noch mal erläutert, dass in Wohngebieten nicht gejagt werden darf, da dies für die Anwohner zu gefährlich ist“, berichtet ein Sprecher.

Generell besagt das Bundesjagdgesetz, dass die Jagdgenossenschaft Schäden, die durch Schalenwild, Kaninchen oder Fasanen verursacht werden, an Grundstücken, die zu einem gemeinschaftlichen Jagdbezirk gehören, erstatten muss. „Gemäß des Saarländischen Jagdgesetzes wird Wildschaden an Grundstücken, auf denen die Jagd ruht oder dauernd nicht ausgeübt werden darf, nicht erstattet. In befriedeten Gebieten ruht die Jagd kraft Gesetzes“, erklärt der Sprecher. Zu befriedeten Bezirken gehören demnach etwa Gebäude, Hofräume und die unmittelbar an eine Behausung anstoßenden und eingefriedeten Hausgärten – und somit auch das Grundstück von Meisberger.

 Wildschweine haben in Marpingen zum wiederholten Mal den Garten von SZ-Leser Wolfgang Meisberger durchwühlt.
Wildschweine haben in Marpingen zum wiederholten Mal den Garten von SZ-Leser Wolfgang Meisberger durchwühlt. Foto: Wolfgang Meisberger

„Will ein Grundstückseigentümer Wildschäden vermeiden, muss er selbst aktiv werden“, stellt der Sprecher klar. Dies könne beispielsweise durch Anbringen bestimmter Schutzvorrichtungen geschehen. Wie diese auszusehen haben, ist ebenfalls im Saarländischen Jagdgesetz geregelt. Üblich seien Zäune mit einer Höhe von 1,5 Metern. Sie müssten an Erdpfählen so befestigt sein, dass ein Hochheben durch Schwarzwild ausgeschlossen sei. Wie der Sprecher erklärt, ließen sich Wildschweine auch durch sogenannten Wildprell, kleine Pellets, vertreiben. „Kurze Zeit nach der Aufnahme entwickelt sich für die Tiere ein äußerst unangenehmer Geschmack, den sie so schnell nicht wieder loswerden.“ Das negative Erlebnis würden die Wildschweine mit dem Terrain verbinden und das Gebiet künftig meiden. Eine weitere Möglichkeit, um die Tiere in die Flucht zu schlagen, sei das Versprühen von Duftstoffen. „Die effektivste Wildschweinabwehr ist aber immer noch ein vorschriftsmäßiger Zaun, wie er Herrn Meisberger auch von den Marpinger Jagdpächtern empfohlen wurde“, sagt der Sprecher.