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WND Jazz: zahlreiche Stars der Szene beim Internationalen Musikfestival

St. Wendeler Jazztage : St. Wendeler Festival-Brot ist reich belegt

Die 30. Auflage von WND Jazz wartet mit musikalischen Leckerbissen auf. Prolog am kommenden Samstag im städtischen Saalbau.

„Musik ist so wichtig wie das tägliche Brot“, ist St. Wendels Ober-Jazzer Ernst Urmetzer überzeugt. Und darum ziert eine schlichte ungebutterte Brotscheibe auch Plakate, Sticker, Flyer und Tickets der diesjährigen Ausgabe von WND Jazz. Denn folgt man Urmetzers Gedanken, haben Musiker, Kunst- und Kulturschaffende eine äußerst entbehrungsreiche Fastenzeit hinter sich gebracht. Ebenso ihr Publikum. Und noch immer ist infolge der Corona-Pandemie der Zugang zum Grundbedürfnis Musik mit Schwierigkeiten verbunden – auch wenn die Zeit des Stillstands im kulturellen Bereich zunächst einmal vorbei ist. In kleinen Häppchen geht es voran.

In diesem Sinne eine Vorspeise – um im Bild zu bleiben – ist der Prolog zum 30. internationalen St. Wendeler Jazzfestival an diesem Samstag, 11. September. Ab 20 Uhr serviert im städtischen Saalbau zunächst das Quartett Canal de l’Est aus Frankreich Kunstgenuss, ehe anschließend das Jakob Manz Projekt um den namensgebenden Saxophonisten auftischt. „Jakob Manz ist erst 19 Jahre alt, aber er spielt so abgehangen wie ein 50-Jähriger“, schwärmt Urmetzer. „Normalerweise ist das Prolog-Konzert ja immer im Konzertsaal auf dem Harschbereger Hof. Aber wegen der Pandemie, den Vorschriften und Abstandsregeln wären dort in diesem Jahr nur 20 Zuschauer zulässig gewesen, darum weichen wir in den Saalbau aus“, erklärt der JFK-Chef bei einem gemeinsamen Presse-Termin mit St. Wendels Bürgermeister Peter Klär (CDU) im Vorfeld des Festivals.

 Die südkoreanische Pianistin Younee verbindet Klassik und Jazz. Sie spielt am Freitag, 17. September, 20 Uhr, im Saalbau.
Die südkoreanische Pianistin Younee verbindet Klassik und Jazz. Sie spielt am Freitag, 17. September, 20 Uhr, im Saalbau. Foto: Na Young Lee

Klär, oder besser gesagt die Kreisstadt, zählt zu den Hauptsponsoren von WND Jazz und ist Mitveranstalter. Und das seit der Erstausgabe 1989, damals noch unter dem früheren Bürgermeister Klaus Bouillion (CDU). 400 000 Euro hat die Stadt nach Angaben des Rathaus-Chefs bis dato für das Festival aufgewandt. In den Augen Klärs ist das gut investiertes Geld. „WND Jazz ist ein besonderes Qualitätsprodukt, von dem wir froh sind, dass wir es in unserer Stadt haben. Deshalb unterstützen wir das gerne. Zumal der veranstaltende Jazzförderkreis mit Ernst Urmetzer einen echten Antreiber hat, der einen guten, ja exzellenten Ruf in der Jazz-Szene hat“, lobt Klär den inzwischen pensionierten Deutsch- und Musik-Lehrer. Der wollte ursprünglich übrigens gar nicht im Nordsaarland unterrichten oder gar leben.

 Eine rauschende Swing-Party mit richtig viel Dampf versprechen die Gramophoniacs.
Eine rauschende Swing-Party mit richtig viel Dampf versprechen die Gramophoniacs. Foto: Grammophoniacs

„Als ich Mitte der 80er-Jahre nach St. Wendel ans Cusanus-Gymnasium versetzt wurde, habe ich direkt wieder um meine Versetzung gebeten“, erinnert sich der Jazzer. Er habe damals in Saarbrücken gewohnt und dort auch seinen Lebensmittelpunkt gehabt. Das mit der Versetzung sollte nicht hinhauen. Und im Nachhinein ist Urmetzer, der heute in Dörrenbach lebt, auch froh darüber. Denn 1987 gründete er mit einigen musikbegeisterten Mitstreitern den Jazzförderkreis (JFK) St. Wendel, der dann zwei Jahre später das erste internationale Musikfestival WND Jazz auf die Saalbau-Bühne brachte. „In Saarbrücken hätten wir das so nicht machen können“, sagt Urmetzer.

Seit mehr als drei Jahrzehnten gibt es nun das Jazz-Festival – und Urmetzer weiß die eine oder andere Anekdote aus dieser Zeit zu erzählen. Eine handelt von einer norwegischen Band, deren Mitglieder während des Festivals im St. Wendeler Posthof einquartiert waren. „Die Jungs waren große Derrick-Fans. Und als sie gehört haben, dass Derrick alias Horst Tappert nach einem Theater-Gastspiel in St. Wendel ebenfalls im Posthof übernachtet hatte, wollten sie unbedingt in der selben Suite wohnen.“ Der Wunsch wurde erfüllt. Doch damit nicht genug. Die Norweger beschlossen spontan, einen Krimi auf Video zu drehen – mit Urmetzer und anderen JFK-Mitgliedern als Statisten. „Wir mussten in einer Szene in einer Disko tanzen. Die Hauptszene wurde dann im Badezimmer gedreht. Der Film hieß übrigens: Die Mörd unter das Dusch“, erinnert sich Urmetzer lachend an das Jahr 1991 zurück. „Das Festival war damals im April. Und die Nowerger fanden es hier so schön, dass sie ihren Aufenthalt kurzerhand verlängerten. Es sei wie in der Toscana, meinten sie.“

Zahlreiche unterhaltsame Geschichten hat der Jazzer auf Lager. Und vielleicht kommen auch in diesem Jahr wieder einige hinzu. Eine könnte beispielsweise sein, dass das Setup des diesjährigen Festivals dasselbe wie das des vergangenen Jahres ist. „Voriges Jahr war WND Jazz wegen der Corona-Pandemie aber ausgefallen. Da haben wir kurzerhand das komplette Programm um ein Jahr verschoben.“ Da bereits kurz nach der Absage klar war, dass man das so machen möchte, sei das auch vonseiten der Künstler kein Problem gewesen. Aber teilweise für den Veranstalter, wie Urmetzer erzählt. „Die Spanier um Marco Mezquita sind aktuell nicht auf Tour, die müssen wir extra einfliegen lassen.“ Dafür haben der Menorquiner und sein Trio ein neues Album (Talisman) im Gepäck, das sie in St. Wendel vorstellen möchten.

Zwei Bands beziehungsweise Solo-Künstler treten jeden Abend – sowohl beim Prolog (11. September) als auch beim eigentlichen Festival vom 17. bis 19.  September – im Saalbau auf. Und die können und sollen ganz unterschiedliche Stile auf die Bühne bringen. „Die Konzerte sind kontrastiv aufgebaut“, nennt Urmetzer das.

 Pepe & Speedy nehmen die jungen Besucher mit auf eine vergnügliche Reise rund um Gitarre, Saxophon und Pepephon.
Pepe & Speedy nehmen die jungen Besucher mit auf eine vergnügliche Reise rund um Gitarre, Saxophon und Pepephon. Foto: Pepe Auer
 Reife Musik trotz Jugend: das Jakob Manz Projekt.
Reife Musik trotz Jugend: das Jakob Manz Projekt. Foto: Thomas Kiehl
 Nguyên Lê gastiert am 18. September bei WND Jazz.
Nguyên Lê gastiert am 18. September bei WND Jazz. Foto: Reinhard Brinkmann

Und wie in jedem Jahr liegt ihm ein Festival-Termin besonders am Herzen: Jazz for Kids am Sonntag, 19. September. Dieses Mal soll ab 11 Uhr das Wiener Duo Pepe & Speedy den musikbegeisterten Nachwuchs unterhalten. Mit einem musikalischen Wettstreit. „Die beiden schaukeln sich gegenseitig hoch, bis am Ende sogar ein selbstgebautes Instrument zum Einsatz kommt, das Pepephon“, berichtet Urmetzer und freut sich bereits selbst auf den Leckerbissen, der mehr als eine trockene Scheibe Brot zu sein verspricht. Die weiteren Menüs finden sich im Info-Kasten.