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Besatzmaßnahme am Bostalsee mit Zander, Hechte, Quappen, Wildkarpfen

Besatzmaßnahme am Bostalsee : Fischers Fuchs bringt frische Fische (mit Bildergalerie)

Besatzmaßnahme am Bostalsee: Zander, Hechte, Quappen und Wildkarpfen bringen neues Leben ins Gewässer. Wieso der See ein gutes Raubfisch-Gewässer ist.

Eisig kalt ist es zwar nicht an diesem Dezembermorgen, dafür aber umso nebliger. Steht man vor dem verwaisten Tretbootsteg auf der Bosener Seeseite – die Wasserfahrzeuge überwintern unweit in einer Halle –, kann man das Gonnesweiler Ufer nur erahnen. Der Nebel schluckt sämtliche Geräusche, es ist windstill und die Wasseroberfläche spiegelglatt. Kaum ein Mensch ist um diese Uhrzeit am See unterwegs. Ein paar haben sich aber dennoch schräg unterhalb der Seeverwaltung versammelt. Sie stehen auf beziehungsweise um einen Lastwagen, der große Wassertanks auf der Ladefläche stehen hat. Darin schwimmt wertvolle Fracht: lebende Fische. Die werden an diesem Morgen in den Bostalsee umziehen.

Mehr als 2000 Fische

Unweit des weißen Lastwagens mit der blauen Aufschrift „Rhönforelle“, so lautet der Name der Fischzucht aus der Nähe von Fulda, hat Erich Fuchs sein Auto geparkt. Hinter einem Eisentor, das den Seehafen vom öffentlich zugänglichen Bereich abtrennt. Dort befindet sich eine flach in den See mündende Gewässer-Zufahrt, wo Fuchs und seine Helfer den neuen Besatz einbringen werden. Doch noch steht der Gewässerwart des Landkreises St. Wendel – und somit des Bostalsees – am Kofferraum seines Fahrzeugs und zieht seine grüne Wathose an. Die wird er gleich brauchen, denn es geht mindestens knietief ins kalte, klare Seewasser. 175 Quappen, 800 Zander, 150 Hechte und rund 1000 Wildkarpfen werden Fuchs und seine Helfer einsetzen.

Zuerst kommen die Quappen an die Reihe. Die Fischlein, die jetzt noch in vier mit Wasser gefüllten, durchsichtigen Plastiktüten schwimmen, sind etwa 20 Zentimeter groß und gleichen rein optisch einem Kabeljau. Denn wie dieser tragen sie eine Bartel an der Unterlippe. „Die Aalrutte oder Quappe wird deshalb auch Süßwasser-Dorsch genannt“, erklärt Fuchs. Wobei: „Kabeljau und Dorsch nur zwei unterschiedliche Namen für denselben Fisch sind. In der Ostsee heißt er Dorsch, im Atlantik Kabeljau.“ Teilweise wird Dorsch aber auch als Bezeichnung für den Jungfisch und Kabeljau für den laichreifen Fisch verwendet.

Quappe einst ausgerottet

Laich war es unter anderem auch, der der einst in unseren Gewässern heimischen Aalrutte zum Verhängnis wurde. „Die Quappe galt als Laichräuber, darum wollte man sie in bewirtschafteten Gewässern nicht haben. Und in Bächen und Flüssen hat die Industrialisierung den Fisch verschwinden lassen, denn der braucht tatsächlich sauberes Wasser mit hoher Qualität.“ Das gibt es im See. „Das Wasser wird alle paar Wochen von Amts wegen geprüft. Wir haben hier eine nachgewiesene Qualität der Güteklasse 1,5“, sagt er nicht ohne Stolz. „Das ist fast Trinkwasserqualität.“

Für die gute Wasserqualität müssen die Quappen aber eine Gegenleistung bringen. Sie sollen dabei helfen, den Bestand der invasiven Schwarzmund-Grundel einzudämmen – indem sie deren ungeschlüpften Nachwuchs fressen. Den anderer Fische sollen sie indes möglichst verschonen. Vor allem den der Zander, denn die tun sich im Bostalsee vergleichsweise schwer mit der Reproduktion. „Das liegt zum Teil wohl an den Laichbedingungen, es fehlen geeignete Plätze“, sagt Fuchs. Zander ziehen zum Laichen in tiefere Ufergebiete mit einem harten Untergrund. Dort baut der Raubfisch in kiesigem Boden flache Laichgruben, in die die Eier gelegt werden.

Gutes Raubfisch-Gewässer

Dennoch – und wohl auch aufgrund des alljährlichen Nachbesatzes – ist der Bostalsee ein gutes Gewässer für Raubfisch-Angler. „Wenn man die richtigen Stellen kennt“, sagt Fuchs. „Man muss den Bostalsee über längere Zeit regelmäßig beangeln, um ihn wirklich kennenzulernen. Er ist kein einfaches Gewässer.“ In diesem Jahr taten sich die Zander-Jäger besonders schwer. „Es war kein gutes Zander-Jahr. Aber nicht nur hier. Wenn man sich so umhört, wurden überall wenig gefangen“, berichtet der Gewässerwart. Und Wolfgang Emmerling, der Fuchs seit vielen Jahren als Kontrolleur unterstützt und selbst oft auf Zander ansitzt, berichtet: „Ich war bestimmt 100 Mal am See, für letztlich zwei Fische.“ Dabei zieht er die Augenbrauen hoch und winkt enttäuscht ab.

Es gibt aber auch bessere Jahre. Und dann wird auch gut gefangen – teilweise sehr große Exemplare. Fuchs berichtet von Zandern mit einer Körperlänge von 95 Zentimetern. „Aber auch Marmorkarpfen von 90 Pfund und mehrere Hechte zwischen 1,10 und 1,28 Metern Länge wurden gefangen“, weiß der Kreisgewässerwart zu berichten. Ebenso von zahlreichen Spiegel-, Wild-, Schuppen- und Silberkarpfen jenseits der 35-Pfund-Marke.

„Der See ist inzwischen aber auch unter Welsanglern ein bekanntes Revier. Der größte gemeldete Wels hatte 2,25 Meter und wog 85 Pfund. Manche Bootsangler schwören, schon Exemplare von 2,50 gesehen zu haben.“

Hegefischen

Doch ausufern soll der Wels-Bestand auch nicht, weshalb in den Sommermonaten das sogenannte Nacht-Hegefischen erlaubt ist. So man denn zum exklusiven Kreis der dazu berechtigten Angler gehört. Denn Nachtfischen ist im Saarland grundsätzlich untersagt, nur in Ausnahmefällen darf nachts ein Köder ausgeworfen werden – genehmigt vom Fischereiverband Saar (FVS). Darum gibt Fuchs auch nur ganz wenige Berechtigungsscheine an ihm persönlich bekannte Angler heraus, denn diese müssen absolut zuverlässig sein. „Es muss gewährleistet sein, dass die Hege-Fischer nicht auf andere nachtaktive Räuber Jagd machen und sie müssen genau auflisten, was wann gefangen wurde.“

Insgesamt wurden in diesem Jahr bei den Nacht-Hegefischen mehr als 70 Welse gelandet. „Die meisten hatten eine Größe zwischen 35 und 70 Zentimeter“, berichtet der See-Chef, „es gingen aber auch mehrere Welse von 1,20, 140 und 1,60 Meter an den Haken.“ Die landeten allesamt in der Bratpfanne, denn die gefangenen Waller dürfen nicht mehr zurückgesetzt werden. Gleiches gilt für Gras-, Marmor und Silberkarpfen.

Diese Fische wurden Anfang der 90er-Jahre in den See eingebracht. Die Idee dahinter war, den Wuchs der Unterwasserpflanzen einzudämmen. Kurz gesagt: Die Grasfische leisteten ganze Arbeit. „Als ich 1997 das Amt des Gewässerwarts übernommen habe, war der See wie ein Haus ohne Möbel. Die Grasfische hatten die komplette Unterwasservegetation vernichtet.“

Unterwasser-Vegetation erholt sich

Inzwischen gibt es hier und da wieder Unterwasserwiesen. Denn die aus Asien stammenden Zuzügler, die, wenn man sie lässt, bis zu 50 Jahre alt werden können, wurden inzwischen zum Großteil wieder herausgefischt. Und die Fortpflanzung will ihnen auch nicht so recht gelingen. „Wobei Silber- und Marmorkarpfen auch nie das ganz große Problem waren, da diese sich hauptsächlich von Plankton ernähren.“

Die Unterwasserwiesen sind sehr wichtig für den Lebensraum See, vor allem hinsichtlich der Reproduktion. Deshalb wurden in den zurückliegenden Jahren einige Pflanzaktionen in Angriff genommen und Kalmus, Wasser-Knöterich und Krauses Laichkraut in den See eingebracht. „Vor allem das Krause Laichkraut hat sich inzwischen stark verbreitet“, weiß der Gewässerwart des Landkreises. Weiter berichtet er, dass ihm vor rund acht Jahren Taucher erstmals von Süßwasser-Moostierchen im See berichtet hätten. „Die vielzelligen Tierchen leben meistens in Kolonien und bilden Klumpen mit einem Gewicht von bis zu einem Kilogramm. Moostierchen gelten als Indikator für eine gute Wasserqualität.“ Inzwischen sind die Quappen im See, der seit zwei Jahren fischereirechtlich Mitglied im FVS ist.

Neugieriger Redaktionshund

Nun sind Zander und Hechte an der Reihe. Fisch-Fahrer Achim keschert die noch kleinen Räuber aus den Tanks, übergibt dann an Fuchs, der sie vorsichtig in die bereitstehenden Bütten umlädt. Redaktionshund Pancha, die an diesem Morgen mit von der Partie ist, beobachtet neugierig jeden Arbeitsschritt. Mit ihrem Herrchen war sie schon oft angeln, bei einer Besatzmaßnahme war sie bislang aber noch nie dabei. Folglich hat sie noch nie so viele Fische auf einmal gesehen. Ihre kalte Schnüffelschnauze arbeitet auf Hochtouren, später wird sie auch dem einen oder anderen Zander, der in Richtung Ufer schwimmen will, ins tiefe Wasser „helfen“.

Dann bereitet Fisch-Fahrer Achim die Wasserrutsche vor. Die besteht aus einem mehrere Meter langen Kunststoff-Schlauch. Der wird an den vorderen Tank angeschlossen, dann öffnet der Lastwagenfahrer die Schleuse. Und augenblicklich strömen mehrere Hundert Liter Wasser mit 1000 Wildkarpfen darin in den See. Dort, wo die Fische ins Wasser flutschen, wibbelt und wabbelt es. Fast könnte man meinen, das Wasser kocht. Doch nach wenigen Sekunden ist das Schauspiel schon beendet, und die Fische sind zum Großteil gesund und munter abgetaucht. Und am See kehrt wieder Ruhe ein. Zwar sieht man auch jetzt noch den einen oder anderen Angler ansitzen, doch eigentlich ist nun Winterruhe. „Traditionell beginnt die Angelsaison bei den Petri-Jüngern an Karfreitag“, berichtet Fuchs. „Kurz vorher werden wir insgesamt acht Zentner Regenbogenforellen einsetzen, darunter Exemplare bis 1,5 Kilogramm“, macht der Gewässerwart schon einmal Appetit auf das kommende Frühjahr.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Frischer Fisch für den Bostalsee