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Element of Crime am Bostalsee: Poet mit kratziger Stimme begeistert Publikum

Element of Crime am Bostalsee : Ein Poet mit kratziger Stimme begeistert das Publikum

Die Band Element of Crime gab ein Strandkorb-Open-Air am Bostalsee. Leider zeigte sie sich fotoscheu, begeisterte aber ihr Publikum. Knapp 800 Besucher waren dabei.

Element of Crime hat wohl das, was man neudeutsch als stabile Fanbase bezeichnet, denn auch nach mehr als 35 Jahren – die Band wurde 1985 gegründet – ist das Quartett überaus erfolgreich. Die Formation um Sven Regener und Jakob Ilja sang zu Beginn in englischer Sprache, Anfang der 1990er-Jahre wechselte man zu deutschen Texten und blieb auch dabei. Einige der Songs klingen fast wie ein französischer Chanson, während andere schon in Richtung Country Music gehen. Immer sind es jedoch die geradezu poetischen Worte, mit kratziger Stimme vorgetragen von Sänger Sven Regener, die den Zuhörer in ihren Bann ziehen. Das Publikum hängt an seinen Lippen, wenn der äußerlich unauffällige und wie seine Musikerkollegen dunkel gekleidete 60-Jährige zum Gesang anhebt. Darüber hinaus hat der gebürtige Bremer in seiner zweiten Karriere als Schriftsteller mit Romanen wie „Herr Lehmann“ oder „Neue Vahr Süd“ einen hohen Bekanntheitsgrad erlangt, nicht zuletzt dadurch, dass mehrere seiner Werke verfilmt wurden.

Die Bühne am Bostalsee betritt Sven Regener (Gesang, Gitarre und Trompete) um Punkt 20 Uhr am Sonntagabend, zusammen mit Gitarrist Jakob Ilja, David Young am Bass und Schlagzeuger Richard Pappik. Bei Live-Konzerten werden die Musiker zudem zusätzlich von Rainer Theobald (Saxophon, Klarinette) und Akkordeonspieler Ekki Busch unterstützt. Der Frontman begrüßt das saarländische Publikum und zeigt sich dankbar, dass die Menschen solche Mühen auf sich nähmen, um Live-Musik erleben zu können. Er fügt hinzu, dass man froh sei, überhaupt wieder auftreten zu dürfen. Man sei glücklich, dieses Jahr 16 Konzerte zu spielen, im vergangenen Jahr seien gerade einmal zwei möglich gewesen.

Die Setlist des Sextetts liefert dann eine Vielfalt an Emotionen. Während Lieder wie „Wenn der Morgen graut“ oder „Weil es schön war“ einem Gedicht gleichen, beschäftigt sich „Bring den Vorschlaghammer mit“ mit den Problemen der Konsumgesellschaft. Regelmäßig stiehlt sich auch Berlin, Heimatstadt von Jakob Ilja sowie Wahlheimat von Sven Regener und Richard Pappik, in die Songtexte der Band, beispielsweise in „Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang“ oder in „Im Prinzenbad allein“.

„You shouldn`t be lonely, sister“ führt zurück zu den Anfängen der Band, denn es ist das einzige englischsprachige Opus des Abends. Sven Regener erzählt, dass er es damals tatsächlich für seine Schwester geschrieben habe. „Bitte bleib bei mir“ thematisiert ebenso wie „Im Himmel ist kein Platz mehr für uns zwei“ das Beziehungsgeflecht zwischen zwei Menschen. Mit „Über dir der Mond“ und „Ein Hotdog unten am Hafen“ haben die Musiker außerdem noch zwei Musikstücke im Gepäck, die ursprünglich für den Film „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“ von Regisseur Leander Haußmann geschrieben wurden.

Einen französisch anmutenden Anstrich erhalten viele Lieder von Element of Crime durch den Einsatz von Trompete, Saxophon und Akkordeon. Diese Instrumentenwahl wissen auch die Zuschauer beim Open-Air am Bostalsee zu schätzen, feiern sie doch jeden einzelnen Song mit großem Applaus. Ist bei „Bleib bei mir“ die ganze Bühne in Rot getaucht, regnet es bei „Am Ende denk ich immer nur an dich“ Sterne. Mit diesem vermeintlich letzten Musikstück des Abends verabschiedet sich die Gruppe um 21.30 Uhr von ihren Fans, kehrt jedoch nach ausgiebigen Zugabe-Rufen zurück auf die Bretter.

Als man sich wieder formiert hat, bekennt Sänger Sven Regener: „Ich muss gestehen, wir haben ein bisschen darauf spekuliert, denn wir haben noch ein paar Hits aufgehoben.“ Bei dem folgenden, wohl bekanntesten Song der Band „Weißes Papier“ stehen viele Zuhörer vor ihren Strandkörben und wiegen sich im Takt der Melodie. Bei insgesamt drei Zugaben interpretieren die Musiker „Delmenhorst“, „Wenn der Wolf schläft, müssen alle Schafe ruhen“, „Draußen hinterm Fenster“, „Vier Stunden vor Elbe 1“ und „Schwere See“, allesamt unter frenetischem Beifall der Fans.

Um kurz nach 22 Uhr ist dann aber endgültig Schluss, die Künstler verlassen die Bühne und machen Feierabend. Thomas Bender aus Saarbrücken, der das Event wie die restlichen knapp 800 Zuschauer im Strandkorb erlebt hat, äußert sich begeistert über die Darbietung von Element of Crime: „Es war sehr gut wie immer. Ich höre sehr viel Musik und habe die Band zum ersten Mal bei einem Festival gesehen, seitdem bin ich Fan. Ich empfinde die Texte als leicht und beschwingt. Obwohl sie gleichzeitig so tiefsinnig sind, zaubern sie einem ein Lächeln ins Gesicht.“ Horst Steffen aus Oberwürzbach fasst in Worte, was wohl viele der Gäste am Bostalsee dachten: „Endlich wieder Konzert, endlich wieder raus unter Leute, endlich wieder ein bisschen Freiheit und Spaß“, freut er sich.