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Himmelsscheibe von Nebra im Weltraum-Atelier Mosberg-Richweiler

Himmelsscheibe von Nebra : Artefakt begeistert im und über dem Saarland

Astronaut Matthias Maurer hat eine Kopie der Himmelsscheibe von Nebra mit in den Weltraum genommen. Doch auch in Mosberg-Richweiler gibt es eine Replik davon zu sehen.

4. Juli 1999. Zwei Männer schleichen durch den Wald auf dem Mittelberg in Sachsen-Anhalt. Sie sind auf der Suche nach Überbleibseln aus längst vergangenen Zeiten. Ausgerüstet mit Metalldetektoren durchstreifen sie das Gebiet, das Archäologen bereits seit vielen Jahren unter die Lupe nehmen. Alles, was sich dort verbirgt, gehört dem Land Sachsen-Anhalt. Doch das ist den beiden Raubgräbern völlig gleichgültig. Sie haben nur ein Ziel vor Augen: einen möglichst wertvollen Gegenstand auszubuddeln.

Plötzlich fallen ihre Blicke auf eine tellergroße Scheibe. Sie ist grün und mit goldenen Symbolen versehen. Mehrere Kreise und eine Sichel sind darauf abgebildet. Die Ganoven haben keine Ahnung, was sie da in ihren Händen halten. Dennoch nehmen sie den Gegenstand mit, machen sich unbemerkt vom Acker und verkaufen ihren Fund, der wenig später auf dem Schwarzmarkt landet. Dort entdeckt ihn der Direktor des Landesmuseums in Halle, Harald Meller. In Absprache mit der Polizei lässt er sich auf ein Kaufgeschäft ein. Die illegalen Händler werden festgenommen, das Artefakt beschlagnahmt. Als „Himmelsscheibe von Nebra“ erlangt es weltweit Berühmtheit.

Experten schätzen, dass das Relikt aus der Bronzezeit stammt und etwa 4000 Jahre alt ist. Die Platte mit ihren Zierstücken gilt als die älteste bislang bekannte konkrete Darstellung des Kosmos. Sie zeigt eine Mondsichel, 32 goldene Sterne und – je nach Deutung – den Vollmond beziehungsweise die Sonne. „Das Artefakt beweist, dass sich die Faszination für den Weltraum über Jahrhunderte erstreckt“, ist Esa-Astronaut Matthias Maurer von der Scheibe begeistert. Sie beweise, dass die Menschen schon immer in den Himmel geschaut hätten, um den Ursprung des Lebens und des Universums zu erforschen.

Aus diesem Grund hat sich der saarländische Raumfahrer beim Designen seines Missionslogos auch von der Himmelsscheibe von Nebra inspirieren lassen. So sind auf seinem Patch ebenfalls ein Sichelmond und mehrere Sterne abgebildet. Außerdem findet sich sowohl auf dem Artefakt als auch auf dem Cosmic-Kiss-Logo der Sternhaufen der Plejaden wieder. Das Original-Fundstück, das zum Bestand des Landesmuseums für Vorgeschichte Sachsen-Anhalt in Halle gehört, hat Maurer noch nicht gesehen. Dafür hat er eine Kopie mit zur Internationalen Raumstation (ISS) genommen – und inzwischen sogar ein Foto davon im Aussichtsmodul Cupola aufgenommen.

Über das Bild freut sich Sebastian Voltmer ganz besonders: Der Inhaber des Weltraum-Ateliers in Mosberg-Richweiler ist schon seit langem ein großer Fan der Himmelsscheibe. „Für mich verbindet sie Natur, Himmelsmechanik und Kulturerbe auf eine Weise, wie kein anderes Relikt“, erklärt er. Logisch, dass im Bestand seines kleinen Museums eine Eins-zu-eins-Replik nicht fehlen darf. Sie sei von einem Goldschmied hergestellt worden, der autorisiert war, die Himmelsscheibe in Originalgröße zu fertigen. „Wir hatten sie ihm abgekauft, schon bevor das Weltraum-Atelier ins Leben gerufen wurde“, erinnert sich Voltmer. Nun würden die Mitarbeiter des Ateliers die Nachbildung unter anderem nutzen, um den Gästen Maurers Cosmic-Kiss-Patch näherzubringen.

Doch nicht nur im kleinen Mosberg-Richweiler, sondern auch im großen London liegt der Fokus gerade ganz besonders auf der Himmelsscheibe von Nebra. Denn das British Museum hat sich das bedeutende Artefakt aus Halle ausgeliehen und stellt dieses nun aus. „Die Winter-Ausgabe des Museumsmagazins beschäftigt sich intensiv mit der Himmelsscheibe“, weiß Voltmer. Auf der Suche nach einem passenden astronomischen Titelbild mit Bezug zu Großbritannien wandten sich die Verantwortlichen an den saarländischen Astrofotografen. „Die Chefredaktion hat sich als Titelbild das Motiv des Jahrtausende alten Stonehenge-Steinkreises vor der Milchstraße ausgesucht, für das ich vor zwei Jahren mehrere internationale Preise gewonnen hatte“, berichtet der 40-Jährige. Er ist begeistert: Die Himmelsscheibe, die Raumstation, Astronaut Maurer, die Museumszeitschrift und das Weltraum-Atelier – all das sind „wirklich schöne Verbindungen gerade“.

 So sieht das Cover der aktuellen Winter-Ausgabe des British-Museum-Magazins aus. Das Stonehenge-Titelbild hat der Saarländer und Astrofotograf Sebastian Voltmer geschossen.
So sieht das Cover der aktuellen Winter-Ausgabe des British-Museum-Magazins aus. Das Stonehenge-Titelbild hat der Saarländer und Astrofotograf Sebastian Voltmer geschossen. Foto: Cover British Museum/ Voltmer
 Das Bild zeigt Matthias Maurer bei einem Besuch in Mosberg-Richweiler. In den Händen hält er eine Replik der Himmelsscheibe von Nebra, die im dortigen Weltraum-Atelier ausgestellt wird.
Das Bild zeigt Matthias Maurer bei einem Besuch in Mosberg-Richweiler. In den Händen hält er eine Replik der Himmelsscheibe von Nebra, die im dortigen Weltraum-Atelier ausgestellt wird. Foto: B&K

Weitere Infos zum Weltraum-Atelier im Internet: apollo-13.eu/atelier/