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Interview mit Markus Krebs, der im Oktober am Bostalsee auftritt

Interview Markus Krebs : „Ich mach das einfach so gerne“

Gut gelaunt meldet sich Comedian Markus Krebs zum Telefoninterview. Nicht das erste an diesem Tag. Doch von Stress keine Spur. Stattdessen bietet er prompt das Du an und plaudert über Auftritte vor hupenden Autos, im Biergarten oder vor Menschen in Strandkörben. Außerdem verrät der Comedian, wie seine Programm entstehen und über welchen Saarländer er herzhaft lachen kann.

Lass uns zu Beginn des Gesprächs auf Deine Anfänge zurückblicken: Im November 2011 hast Du den Comedy Grand Prix bei RTL gewonnen. War das die Initialzündung für Deine Karriere?

Markus Krebs: Ja, deswegen habe ich es mir auf den Arm tätowieren lassen. Es gibt viele Leute, die meinen, sie müssen sich was tätowieren und hinterher sagen sie: Scheiße, mit der bin ich gar nicht mehr zusammen. Aber das ist ein Tag gewesen, der in Erinnerung bleiben soll. Denn damit hat sich das Leben komplett verändert. Ich stehe jetzt übrigens gerade direkt neben dem Pokal. Ich klopf mal dran (lacht). Der steht nämlich bei mir im Wohnzimmer. Ich feiere jetzt auch schon bald Zehnjähriges.

Soll Dein Jubiläum als Berufscomedian, wenn die dann aktuelle Corona-Situation es zulässt, mit einer richtigen Party begangen werden?

Krebs: Hundertprozentig! Wir, meine Managerin und ich, haben ja auch eine Kneipe aufgemacht. Also, wir nennen es Kneipe. Es ist aber eine Mischung aus Bistro, Restaurant und Vereinslokal. Da wollen wir eine Party steigen lassen. Sollte jetzt von irgendwoher eine gute Anfrage kommen, dann feiert man eben da, weil der Auftritt gut ist. Und wenn die Feier in der Kneipe dann eben einen Tag vorher oder später ist, ist das auch nicht schlimm.

Welche Note gibst Du diesem besonderen Lebensjahrzehnt?

Krebs: Da hab ich mir noch keine Gedanken gemacht. Ich schau immer nach vorne. Es ist schön, was ich erlebt habe. Das habe ich auch genossen. Aber ich glaube, wenn ich mich drauf ausruhen würde, dann könnte ich nicht vernünftig weiterarbeiten, weil ich denke, ich habe schon etwas erreicht. Aber ich sage mir immer: Du hast noch nichts erreicht. Mein Ziel ist es immer, dass das nächste Programm besser werden soll und ich vor noch mehr Leuten spiele. Es war aber auf jeden Fall das interessanteste Jahrzehnt.

Wusstest Du schon in Kindertagen, dass Du einmal auf der Bühne stehen willst? Oder wann entstand dieser Wunsch?

Krebs: Also, ich habe schon mit sieben Jahren „Dinner for one“ nachgespielt. Damals waren wir mit der Kirche weggefahren, und da gab es am Abend immer Auftritte. Während der Baumarktzeit bin ich als Weihnachtsmann aufgetreten und habe ein Gedicht geschrieben über die Eröffnung von Marktkauf – dort war ich damals tätig. Allein das Gedicht dauerte eineinhalb Stunden. Jeder hat gesagt: „Mach das doch mal beruflich“. Aber es kam hinterher, 2008, der Zufall dazu, dass jemand ausgefallen ist und ich eingesprungen bin. Danach habe ich mir gesagt: Okay, wenn das den Leuten gefällt, dann machste das. Damals war ich schon 39.

Was ist für Dich eigentlich guter Humor und über wen kannst Du lachen?

Krebs: Wo wir gerade im Saarland sind: Heinz Becker ist weltklasse. Meine Freundin ist gerade beim Einkaufen, sonst würde sie bestätigen, dass ich das so oft höre. „Widerspruch“ ist das beste Programm, das ich jemals gesehen habe. Oder Jochen Malmsheimer, der hier aus der Ecke kommt. Ich mag die ruhigen Vertreter, die nicht hin und herlaufen auf der Bühne, sondern wo mehr Ruhe und Wortspiel drin steckt. Ich mag es sehr gerne, wenn der Gag etwas langsamer fällt. Ich höre gerne denen zu, die etwas ruhiger sprechen wie Dieter Nuhr. Wobei mein eigener Humor, ob es Witze oder Geschichten sind, etwas schneller ist. So wie auch ich hier am Telefon etwas schneller rede. So bin ich halt.

Wie entstehen eigentlich Deine Programme? Am Schreibtisch vorm PC oder hast Du eine Art Zettelwirtschaft?

Krebs: Ich habe eine Zettelwirtschaft. Überall, wo mir was einfällt, schreibe ich den Gag auf. Selbst am PC hätte ich eine schlechte Handschrift. Manchmal kann ich es nicht lesen (lacht). Auch für das neue Programm entsteht aus den Gags die Geschichte, die ich von vorneherein erzählen will. Meistens Erlebtes. Aber ob ich das in die Kneipe-Szene mit reinpacke oder in eine Beziehung, die ich mal hatte … das sehe ich dann erst an dem Gag: Wo passt er rein? Die Grundgeschichte gibt’s, und jetzt schreibe ich Gags und schaue, wo sie reinpassen. Mir fällt jeden Tag was ein. Ich denke Panne. Deshalb hieß das dritte Programm „Permanent Panne“. Ich denke umgekehrt. So wie Heinz Becker gesagt hat: „Ich habe eine Reise gewonnen: Zwei Tage für 14 Personen“. Die beiden Zahlen wurden gedreht und dann ist es witzig. So denke ich auch.

Die Pandemie hat sehr viel verändert. Es gab kaum Auftritte. Wie hast Du die Corona-Zeit und ihre Einschränkungen erlebt?

Krebs: Ich muss dazu sagen, dass wir die Zeit gut genutzt haben. Im Lockdown haben wir unsere Kneipe „Zum Hocker“ umgebaut. Ich habe eine Kooperation mit König Pilsener. Das hat uns geholfen. Neue Theke rein und neu gestrichen, den Biergarten vergrößert – im laufenden Betrieb wäre das so gar nicht möglich gewesen. Wir waren bereit, als es losging. Was die Auftritte betrifft: Ich habe so viel geschrieben, Youtube-Videos und Podcasts gemacht. Ich habe gar nicht gemerkt, dass ich nichts zu tun hatte. Dann habe ich auch in Autokinos gespielt. Und jetzt bin ich froh, dass Leute vor mir sitzen, die nicht hupen (lacht).

Wie war Dein Eindruck der Autokino-Auftritte?

Krebs: Das war schon skurril, aber es war der Situation geschuldet. Jeder schaut, was können wir machen. Man tauscht sich auch aus. Ich glaube, gerade die Comedy-Branche ist näher zusammengerückt. Ich habe viel mit Matze Knop gesprochen, wir haben dann auch zusammen in Autokinos gespielt. Auch mit Torsten Sträter habe ich viel gesprochen. Das waren alles fruchtbare Gespräche. Früher hat man einfach seine Tour gemacht und sich zufällig getroffen. Jetzt hatte man zu allen Kontakt, weil man in der gleichen Situation war.

Ich höre raus, Du bist jemand, der jeder Situation etwas Positives abgewinnen kann?

Krebs: Absolut. Es gibt natürlich auch Schicksalsschläge. Daher mache ich keine Witze über Corona auf der Bühne. Weil ich weiß, es gibt Menschen, die daran gestorben sind. Aber es gibt auch Leute, die mit der Zeit etwas anderes anfangen könnten, als Trübsal zu blasen und einfach zuhause zu sitzen. Es gibt immer eine Möglichkeit. Auch, wenn Du einfach nur merkst, du könntest mal deine Papiere sortieren. Das ist auch wichtig, habe ich selbst gemerkt (lacht).

Du hast es eben schon erwähnt, aktuell trittst Du auch in Biergärten auf. Kannst Du dem Format was abgewinnen?

Krebs: Da sind nicht so viele Leute wie in der Halle. Das macht aber Spaß, um wieder reinzukommen. Ich spiele da ein Best-of-Programm. Dazu musste ich meine CDs nochmal hören, was ich sonst nie mache. Aber ich hatte meine Texte nicht mehr auf der Platte. Das Anhören ist wegen der Stimme schon seltsam. Wie früher bei der Kassette, wenn Du dich selbst gehört hast und dachtest: Das ist doch nicht deine Stimme.... Ich habe gemerkt, da waren ein paar gute Dinger dabei. Manche Nummern spiele ich sehr gerne wieder. Ich freue mich, dass ich wieder Kontakt zu Menschen habe, und an einem Biergarten ist auch nichts verkehrt und man kriegt noch Farbe (lacht). Ich freue mich aber auch, wenn es im Januar, falls dann möglich, auf Tour geht.

Von den Biergärten geht es dann zu den Strandkörben. Ein solches Konzert führt Dich ja auch an den Bostalsee. Wie gefällt Dir das Konzept?

Krebs: Ich habe das in Gladbach schon drei Mal gespielt. Dabei wurden die Strandkörbe auf sogenannte Inseln gestellt und die hatten alle ihren eigenen Eingang – wegen Corona. Aber das war schön und hat Spaß gemacht. Die Leute sitzen gemütlich da. Die haben ihr Getränk aus der Kühltasche neben dem Korb und hören mir zu.

Weißt Du schon, womit Du die Zuschauer am 4. Oktober am Bostalsee unterhalten willst?

Krebs: Ich versuche, Sachen aus dem neuen Programm in den Auftritt mitreinzubringen. Allein schon, damit ich mich eingroove und die Gags vor der Tour auch schon mal getestet habe. Ich glaube, die sind gut. Aber manchmal fehlt noch etwas an der Betonung oder eine Pause muss anderes gesetzt werden. Bei jedem Programm versuche ich die Zuschauer mitzunehmen: Entweder lachen sie, dann weiß ich, der Gag ist gut. Oder sie schauen mich an und haben Fragezeichen über dem Kopf, dann weiß ich, den habe ich zu kompliziert erzählt.

Hast Du bei dem neuen Programm ein übergeordnetes Thema?

Krebs: Tatsächlich nicht. Ich bin selbst gespannt. Aber was Thema ist, sind die Sendungen, die man plötzlich geschaut hat, weil man durch Corona mehr Zeit hatte. Ich habe zum Beispiel die ,Schatzsucher‘ geguckt. Das ist eine Doku. Im Titel steckt ja schon drin, dass sie den Schatz sehr wahrscheinlich nicht finden werden, sonst hätte die Sendung ,Schatzfinder‘ heißen müssen. Man findet das total spannend, obwohl man weiß: Die werden den nicht finden. Zwischendurch fragt man sich dann selbst: Was schau ich mir hier denn an? Aber man schaltet trotzdem nicht um.

Ich stelle es mir gerade als Comedian schwierig vor, nach einem echt miesen Tag auf die Bühne zu gehen und lustig sein zu müssen. Wie schaffst Du das? Hast Du ein Geheimrezept oder ist es vorbei mit dem miesen Tag, wenn Du auf der Bühne stehst?

Krebs: Ich mach das einfach so gerne. Ich warte manchmal nicht gerne backstage vor den Auftritten, weil es noch Ansagen oder ähnliches gibt. Aber ich merke, sobald ich auf der Bühne stehe und das Mikrofon in der Hand habe, dann bin ich da. Das mach ich gerne. Da schau ich auch nicht auf die Uhr, daher kann mein Auftritt auch schon mal drei Stunden dauern. Die meisten Tage, die wir als miese Tage sehen, haben wir uns ja selbst so gemacht, indem wir uns durch irgendwas haben beeinflussen lassen. Tage, wo wirklich was passiert – Gott bewahre - sind ja wirklich selten. Zum Glück. Und wenn wirklich was passiert, tritt man auch nicht auf. Ansonsten höre ich auf der Fahrt zum Auftritt gerne CDs und groove mich ein. Dann habe ich keine schlechte Laune. Oder ich schreibe am Programm oder ich penne eine Stunde, weil meine Freundin fährt. Ich habe Bekannte, die ziehen immer so ein Gesicht und als Erklärung dafür kommen Kleinigkeiten auf den Tisch: „Ach, die hatten bei Edeka meine Cornflakes nicht“. Oder irgendwas in der Art, und dann ist der Tag für sie erledigt. Damit kann ich nichts anfangen.

Es gibt wieder viele Lockerungen, viele Möglichkeiten. Worauf freust Du Dich am meisten?

Krebs: Ich freue mich, wieder auf Tour gehen zu können, denn ich bin gerne auf Tour. Ich besuche gerne Städte, in denen ich noch nicht war. Oder komme dorthin zurück, wo ich schon mal gewesen bin und Anlaufpunkte habe, an denen ich mich gerne nochmal sehen lasse. Ich lerne immer gerne die Aborigines kennen, damit die mir was von ihrem Ort erzählen. Das kann ich dann auf der Bühne einbauen. Ich finde mich überall zurecht und fühle mich dann auch sehr wohl. So war ich schon drei Mal in Neunkirchen und vor den Auftritten in einer Kneipe, weil die dort Sky hatten und ich Fußball schauen wollte. Beim ersten Mal hat man mich noch gefragt, wer ich bin. Beim zweiten Mal wussten sie es schon. Sowas macht Spaß.

Karten für den Auftritt von Comedian Markus Krebs am Samstag, 18. September, um 20 Uhr beim Strandkorb-Open-Air am Bostalsee in Bosen gibt es im Internet:

www.eventagentur-saar.de