1. Saarland
  2. St. Wendel
  3. Nonnweiler

Gespräch mit Nonnweilers Bürgermeister Franz Josef Barth über 2021

Im Gespräch mit Nonnweilers Bürgermeister : „Zukunft des ländlichen Raums beginnt jetzt“

Der Bürgermeister der Gemeinde Nonnweiler möchte das Corona-Jahr 2020 abhaken. Doch er kann der Pandemie auch Gutes abgewinnen.

„2020 ist ein verlorenes Jahr“, resümiert Nonnweilers Bürgermeister Franz Josef Barth (SPD-unterstützt) kurz und knapp. Es sei zwar gelungen, einige Projekte fortzuführen – etwa den Ausbau des Freizeitweges, die Sanierung der Kurhalle und das Qualitätsmanagement in der Kita Otzenhausen. „Aber wegen der Pandemie ist im Prinzip nichts passiert, was die Gemeinde wirklich vorangebracht hat“, blickt er nüchtern auf die vergangenen zwölf Monate zurück.

Das Coronavirus habe alles andere in seinen Schatten gestellt. Es habe das Leben in der Gemeinde Nonnweiler bestimmt. Wie überall seien auch hier die allermeisten Feierlichkeiten, Kulturveranstaltungen und sonstige Events ausgefallen. „Ich vermisse vor allem die kleineren Feste der Löschbezirke und Vereine. Sie sind ein wichtiger Bestandteil unserer Gemeinschaft“, sagt Barth. Auch der Kontakt zu den Bürgern fehle ihm. Dieser sei im Jahr 2020 nur extrem eingeschränkt möglich gewesen. Stattdessen habe das Krisenmanagement die Verwaltung viel Zeit gekostet.

Allerdings kann Barth der Pandemie auch Gutes abgewinnen. Die Geschlossenheit und Hilfsbereitschaft in der Gemeinde habe ihn begeistert. „Egal ob bei der Maskenverteilung, den Einkaufsangeboten oder den Impfhilfen – die Menschen haben mit angepackt“, freut er sich. Auch die Familien hätten sich tapfer geschlagen und überwiegend Verständnis für die Schul- und Kindergartenschließungen gezeigt. „Ich hätte nicht erwartet, dass das so gut läuft. Die Eltern bemühen sich sehr, ihre Kinder zu Hause zu betreuen. Die kommunale Kita ist aktuell nur zu 50 Prozent ausgelastet“, erzählt der Bürgermeister. Doch er weiß auch um die schwierige Situation junger Familien. Umso mehr hofft er, dass die Bildungseinrichtungen im März wieder öffnen dürfen. „Für viele ist Homeschooling eine große Herausforderung und Belastung“, sagt Barth.

Gleichzeitig habe der Bedarf an Homeschooling und Homeoffice aber auch die Digitalisierung vorangetrieben – was wiederum ein positiver Effekt der Corona-Krise sei. Ein Effekt, der in Zukunft vor allem für die ländlichen Regionen von großer Bedeutung sein könnte. „Ich bin 100 Prozent überzeugt: Wenn wir es jetzt schaffen, die Internetanbindung zu verbessern, wird es in den nächsten Jahren wieder viele Menschen aufs Land ziehen“, betont der Rathauschef und fügt hinzu: „Die Zukunft der ländlichen Gebiete fängt jetzt an.“

Die Leute würden vermehrt aus den Städten wegziehen. „Viele möchten wieder mehr Zeit in der Natur verbringen. Sie haben Spaß daran gefunden, durch die Wälder zu spazieren, Rad zu fahren und in ihren Gärten zu sitzen“, sagt Barth. So erklärt er es sich auch, warum die Einwohnerzahl in der Gemeinde Nonnweiler gestiegen ist. Am 31. Dezember 2020 lebten 8501 Bürger in der Kommune. 45 mehr als Ende 2019. Und das, obwohl den 125 Sterbefälle gerade einmal 67 Geburten gegenüber stehen. Grund für das Wachstum sind die zahlreichen Zuzüge. 359 Menschen haben die Gemeinde verlassen, dafür sind 462 hergezogen. „Das ist schon eine ganze Menge“, freut sich der Verwaltungschef beim Blick auf die Einwohnerstatistik.

Sein großes Ziel ist es, diesen Trend zur Landliebe zu bestärken. In den kommenden Monaten möchte er die Lebensqualität in der Gemeinde weiter verbessern. „Das wird ein Schwerpunkt meiner Arbeit sein“, kündigt Barth an. Wie bereits angesprochen, halte er schnelles Internet für einen der wichtigsten Standortfaktoren der Zukunft. Daher möchte er in mehreren Ortsteilen die Versorgung mit Breitband-Zugängen sicherstellen. Damit die Bürger auch eine Chance haben, Häuser in der Kommune zu errichten, sollen Bauplätze geschaffen werden. „Wir haben uns vorgenommen, Bauleitplanungen für fünf Baugebiete in verschiedenen Ortsteilen abzuschließen“, betont Barth. Auch neue Gewerbeflächen zu erschließen, stehe auf seiner Agenda für das Jahr 2021.

„Wir wollen den ländlichen Raum für Familien so attraktiv wie möglich gestalten“, gibt er die Richtlinie vor. Zahlreiche Investitionen diesbezüglich seien im Haushaltsplan enthalten. 1,67 Millionen Euro etwa sollen in den Bereich Bildung, Jugend und Familie fließen. „Wir möchten mehr Betreuungsplatz im Kindergarten Lummerland schaffen, die Grundschulturnhalle in Nonnweiler sanieren und zwei Jugendhäuser bauen“, nennt Barth ein paar Beispiele. Darüber hinaus möchte die Kommune in den Bereichen Gesellschaft, Ehrenamt und Freizeit investieren. So sei beispielsweise eine Erweiterung des Kulturprogrammes, der Umbau der alten Kita in Kastel zu einem Vereinshaus, die Übernahme des Castellum und des evangelischen Gemeindehauses in Schwarzenbach geplant. Hinzu kommen Investitionen in Städtebau, Umwelt und Tourismus.

 Mit offenen Armen empfing Nonnweilers Bürgermeister Franz Josef Barth seine Gäste beim Neujahrsempfang 2018. Dieses Jahr musste die Veranstaltung wegen der Pandemie ausfallen.
Mit offenen Armen empfing Nonnweilers Bürgermeister Franz Josef Barth seine Gäste beim Neujahrsempfang 2018. Dieses Jahr musste die Veranstaltung wegen der Pandemie ausfallen. Foto: B&K/Bonenberger/

„Mein Motto für das aktuelle Jahr lautet: Zurück in die Zukunft“, gibt Barth bekannt. Er habe sich vorgenommen, das Corona-Jahr 2020 abzuhaken und positiv auf die kommenden Monate zu schauen. Auch wenn die Pandemie noch nicht überstanden ist, ist der Bürgermeister optimistisch. Er sagt: „Wenn ich im Januar 2022 auf das Jahr 2021 zurückschaue, will ich sagen können: Es ist uns gelungen Projekte umzusetzen, die unsere Gemeinde vorangebracht haben.“