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Kommunalpolitiker Jonas Reiter aus Primstal im Portrait

Jonas Reiter im Portrait : Er fuhr mit AKK im Autoscooter

Der Christdemokrat Jonas Reiter aus Primstal erzählt, wie er durch Zufall zur Politik kam und was er bewirken möchte.

In einer Serie stellt die SZ junge Kommunalpolitiker vor. Der 25-jährige Jonas Reiter aus Primstal ist Ortsratsmitglied und stellvertretender Ortsvorsteher seines Heimatortes sowie Mitglied des Nonnweiler Gemeinderates und Organisationsleiter des CDU-Gemeindeverbands. Im Gemeinderat sitzt er im Ausschuss für Kultur, Tourismus, Schule, Kindertagesstätten, Jugend, Sport und Senioren. Obendrein hat er bei der Jungen Union (JU) St. Wendel den Kreisvorsitz inne. Weshalb er den Weg in die Kommunalpolitik einschlug und was seine politischen Ziele sind, erzählt er im Gespräch.

Seit nunmehr zehn Jahren ist der Primstaler bei der JU engagiert, seit neun Jahren zudem CDU-Mitglied. Das klingt nach einem typischen Werdegang, beruhte jedoch nach Aussage Jonas Reiters zu Anfang eher auf einem Zufall: „Meine Eltern gehörten nie einer Partei an. Ich kam erstmals bei der Bürgermeisterwahl 2011 mit der Lokalpolitik in Kontakt. Dort trat ein parteiloser Kandidat aus Primstal an, dem einige aus meinem Freundeskreis nahestanden. Daraufhin war ich dann ebenfalls mit auf dem Wagen dieses Kandidaten beim Rosenmontagsumzug in Nonnweiler und nahm auch an der Wahlparty teil. Dabei saß ich mit CDU- und JU-Leuten an einem Tisch, die uns Jugendliche für ein parteipolitisches Engagement gewinnen wollten. Ich war der Einzige, der wirklich Interesse zeigte.“ Er berichtet weiter, dass er im selben Jahr viele Veranstaltungen der Sommertour der damaligen Sozialministerin Annegret Kramp-Karrenbauer miterlebt habe, auf der Kirmes in Primstal gar mit ihr Autoscooter gefahren sei. Durch diese Events habe er viele Kontakte innerhalb der Partei geknüpft und festgestellt, dass das passe: „Es gibt bei der CDU verschiedene Strömungen und Gruppierungen, die meiner Ansicht nach die ganze Gesellschaft abbilden“, konstatiert Reiter, der bereits mit 18 Jahren in den Nonnweiler Gemeinderat gewählt wurde und damit 2014 saarlandweit der Jüngste in diesem Bereich war.

Wichtiger war für ihn in diesem Zusammenhang jedoch das Jahr 2019: „Nach 30 Jahren SPD-Mehrheit in Primstal schafften wir den Wechsel, der zwar mit großer Verantwortung und hohen Erwartungen verbunden war, uns aber auch die Möglichkeit gab, etwas zu bewegen“, so der 25-Jährige. Und weiter: „In der ersten Zeit habe ich viel zugehört und angeschaut, aber nach mittlerweile sieben Jahren kennt man die richtigen Ansprechpartner für viele Belange und kann dann auch oft weiterhelfen“. Dabei wendeten sich vor allem viele junge Leute mit ihren Sorgen und Nöten an ihn, jede Woche erhalte er mehrere Textnachrichten. So habe ihn ein junger Vater kontaktiert, der darum bat, das Netz am Tor des Spielplatzes auszutauschen. Zeitgleich sei ihm gemeldet worden, dass an anderer Stelle neue Basketballkörbe benötigt würden. Ein jeweils kurzes Telefonat mit dem Bauhof habe dann innerhalb kürzester Zeit in beiden Fällen für Abhilfe gesorgt, erläutert der Jungpolitiker, der sich zusammen mit seinen Mitstreitern erfolgreich für den Erhalt des Feierabendtickets im Naturbad Primstal sowie für ein freies Wlan auf dem Peterberg und im Naturbad eingesetzt hat.

Der Peterberg ist für ihn auch weiterhin ein bedeutendes Thema, hofft er doch, dass dort auf der Bergstation langfristig Gastronomie angesiedelt werden kann, die sowohl der lokalen Bevölkerung als auch dem Tourismus zugute käme. Als positiven Ansatz empfindet er die Einführung des Dorffunks in Primstal, weil dieser schneller und aktueller als das Amtsblatt sei und somit häufiger von der jüngeren Generation genutzt werde. Überhaupt gebe es in seinem Heimatort noch viele Vereine, bei denen sich auch junge Menschen gerne engagierten, was zu einem starken Zusammenhalt und dem Wunsch, auch auf längere Zeit im Dorf zu bleiben, führe. Daher brennt ihm eine Sache besonders unter den Nägeln: „Das Umfeld passt, aber es ist kein Wohnraum vorhanden. Deshalb ist es essenziell, dass neue Bauplätze entstehen, die verhindern, dass diese jungen Leute abwandern.“

Als Kreisvorsitzender der Jungen Union tritt der Primstaler zusammen mit 80 JU-Mandatsträgern im Landkreis für eine Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) ein: „Unser Kreisverband war schon Initiator den Nachtbusses, nun setzen wir uns  für einen Rufbus ein, das heißt für eine bessere Erreichbarkeit und mehr Flexibilität auch in den Dörfern.“ Generell halte er eine Ausdehnung von Smart Cities und Smart Village auf weitere Lebensbereiche für wünschenswert. Daneben müsse allgemein die Digitalisierung vorangetrieben werden, weshalb man bei JU und CDU den Plan des Landkreises unterstütze, in absehbarer Zeit jeder Schule eine IT-Fachkraft zur Verfügung zu stellen, sagt der 25-Jährige, der ferner eine Vereinfachung des ehrenamtlichen Engagements gut fände: „Durch immer mehr Reglementierungen werden Menschen, die sich einbringen wollen, eingeschränkt und behindert. Daran sollte die Politik etwas ändern. Außerdem ist es wichtig, Wertschätzung für die ehrenamtliche Tätigkeit zu zeigen, zum Beispiel in Form von Ehrenamtskarten oder freien Eintritten“, bekräftigt Jonas Reiter, der frischgebackener Betriebswirt und derzeit wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Bundestagsabgeordneten Nadine Schön (CDU) ist, für die er Bürgeranfragen vorbereitet, Termine koordiniert, recherchiert oder den Online-Auftritt unterstützt.

Seine berufliche Zukunft sieht er jedoch im Bereich des Personalmarketings oder des Managements, weil es ihm wichtig ist, unabhängig zu bleiben. Auch in Bezug auf seinen zukünftigen Wohnort hat der Kommunalpolitiker genaue Vorstellungen: „Ich möchte in meinem Heimatort Primstal bleiben, weil ich mich hier sehr wohl fühle. Hier habe ich mit Freunden und Familie ein passendes Umfeld. Es gibt ein reges Vereinsleben, an dem ich besonders beim Jugendclub und dem 2020 neu gegründeten Förderverein Dorfentwicklung aktiv mitwirke.“